ECLIPTIC: Eine Katze auf unsichtbaren Händen tragen

ECLIPTIC kredenzen auf "As of Yet Unknown" anspruchsvollen atmosphärischen Black Metal und die progressiven Strömungen beherrschen auch die Texte und Gedanken hinter der Band aus Virginia…
 

Nach zwei Demos leistet sich die progressive Black Metal-Band ECLIPTIC aus dem amerikanischen Virginia das selber produzierte Debüt ″As of Yet Unknown″. Dieses überrascht mit ungewohnten Textthematiken und überzeugt mit anspruchsvollem Songwriting, das auch vor Death Metal-Elementen nicht zurückschreckt. Wenn etwas von jenseits des Teichs derart gut skandinavisch klingt, ist es Zeit, sich genauer damit auseinanderzusetzen. Und Frontmann und Gitarrist Markus Hampel scheint beim Beantworten der Fragen gleich noch zwei weitere Black Metal-Klischees Lügen zu strafen: Erstens kommen die Antworten innerhalb eines Tages zurück, zweitens scheint im Hause ECLIPTIC keine misanthropische Einsilbigkeit zu herrschen.

 

Erstmals danke für euer Album″As of Yet Unknown″, das – hallo Erlösung – nicht wie die meisten amerikanischen Black Metal-Alben klingt. Ihr habt definitiv einen europäischen Vibe in eurer Musik. Wie fallen da die Reaktionen in eurer Heimat auf euch aus? Und habt ihr schon Feedback aus Europa gekriegt?

 

Das mit dem Album ist sehr gern geschehen und es ist gut, dass ich bei diesem Interview kein Wortlimit habe, ich kann ziemlich ausufernd antworten. Ich nehme deinen Eindruck zu unserer Musik als ein Kompliment auf. Die Reaktionen auf unseren Sound sind gemischt. Wir sind weder eine Black noch eine Death Metal-Band, also ist es für die Amerikaner schwierig, unseren Reiz zu erkennen, da sie am liebsten klare Genreschulbaden und sehr aggressiven Metal haben.

 

Wir haben bis jetzt also einiges an positivem Feedback bekommen und sogar die kritischen Stimmen waren konstruktiv. Ausserdem haben wir viele verschiedene und schmeichelnde Kommentare zu unserem Sound und unserem Stil erhalten. Da fielen dann schon Namen wie YES, RUSH, GENESIS, CARCASS, KATATONIAund DISSECTION. Ausser diesem Interview und deinem Review haben wir noch nicht viele europäische Pressereaktionen erhalten. Aber ich denke, das hat schlicht damit zu tun, dass wir keine Übersee-Promotion betreiben.

 

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Ich denke, dass sich Black Metal hier weiterentwickelt und dass es eine Welle von ″New World Black Metal″-Bands gibt, die etwas Bewundernswertes und Unterstützungswürdiges kreieren. – Markus Hampel (ECLIPTIC) zur Black Metal-Entwicklung in den USA

Gibts denn was auf eurer Seite des Teiches in Sachen Black Metal, das du empfehlen kannst? Mir fallen nur die typischen Verdächtigen ABSU und AVERSE SEFIRA ein…

 

Neben ABSU sind meine persönlichen Favoriten AGALLOCH, UNEXPECT, WOODS OF YPRES, WOLVES IN THE THRONE ROOM, WOE und LAUTIR – unter anderem. Natürlich muss man hierbei berücksichtigen, dass einige dieser Bands keinen Black Metal im traditionellen Sinne mache. Aber ich erachte ihren Geist und einen Aspekt ihres Stils als Black Metal. Ich denke, dass sich Black Metal hier weiterentwickelt und dass es eine Welle von ″New World Black Metal″-Bands gibt, die etwas Bewundernswertes und Unterstützungswürdiges kreieren.

 

Das Schlüsselwort ist wohl ″new world″, denn die USA hat ja nicht dieselbe Black Metal-Geschichte wie Europa. Wie bist du mit dieser Art von Musik in Berührung gekommen? Und wie hast du das erste ECLIPTIC-Line Up anno 1999 gefunden?

 

Black Metal habe ich für mich 1995 entdeckt, als ich es zum ersten Mal in der Form von ″Det Som En Gång Var″ und ″Under the Moonspell″ hörte. Ich war damals schon ein grosser IRON MAIDEN-Fan, die ″big four″ mochte ich auch, sowie die meisten anderen Thrash Metal Bands. Auch Underground-Sachen aus dem Death Metal-Bereich wie SEPULTURA oder DEATH hatten es mir angetan.

 

Ein Freund stellte mich dem Bassisten/Sänger der lokalen Band MORBIUS vor und er öffnete mir einen Weg zu einer Musikwelt, die ich vorher nicht gekannt hatte. Meine Freunde und ich ″schnappten″ uns im lokalen Musikladen Kassetten und gaben sie den Jungs von MORBIUS, die uns dann Sachen wie EMPERORs ″In the Nightside Eclipse″ oder IMPALED NAZARENEs ″Ugra Karma″ überspielten. Es war grossartig, weil ich damals einen ungesättigten Hunger nach neuer Musik hatte und fast alles einfach gut war.

 

Schliesslich begannen einige lokale Metalmusiker, bei TOWER RECORDS zu arbeiten und richteten einen Metalteil ein. Dort konnte man sich die Cds für US$ 20 kaufen – für all jene von uns, die Mailorder nicht kannten. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mir dort das ULVER-Album ″Bergtatt″ kaufte. Es war ein Wald auf dem Cover und ich wusste, dass ″ulver″ Wolf bedeutet auf Norwegisch – das war ein genug starkes Kaufargument für mich.

 

Das Line-Up von ECLIPTIC bestand eigentlich immer aus mir und Drummer Sidney Mortensen. Wir trafen uns durch gemeinsame Freunde im Jahr 1995 und von da an schien es eine gute Idee zu sein, gemeinsam Musik zu machen. Also sind wir eigentlich seit damals eine Band, aber es dauerte eine Weile, bis wir wirklich mit dem Musikmachen anfangen konnten – es hatte mit legalen und persönlichen Verstrickungen zu tun. Aber dann fingen wir an, obwohl wir auch heute noch ähnliche Probleme haben…

 

Nun, einfach sind ja weder eure Lyrics noch eure Musik. Eure Kompositionen sind komplex und bei den Lyrics widmet ihr euch ungewöhnlichen Themen. Wie muss man sich eigentlich den Songwriting-Prozess bei ECLIPTIC vorstellen?

 

Verwirrend und dennoch geradeaus. Wir nehmen uns nicht vor, komplex zu sein und ich sehe uns nicht als komplex an. Ich glaube, es passiert einfach. Ich würde mal meinen, unser Songwriting-Prozess unterscheidet sich nicht von demjenigen anderer Bands, aber ich habe natürlich keine echten Referenzwerte.

 

Die Musik kommt entweder von mir, wenn ich was allein geschrieben habe. Wir nehmen es uns, nehmens auf, Jammen – oder aber wir kredenzen einfach etwas aus verschiedenen Ideen. Wir haben über die Jahre auch einige Bandmitglieder gehabt, die sich am Songwriting beteiligt haben und sehr kreative und belebende Beiträge leisteten. Die Texte schreibe ich, wann immer ich dazu inspiriert werde.

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Wir nehmen uns nicht vor, komplex zu sein und ich sehe uns nicht als komplex an. Ich glaube, es passiert einfach. – Markus Hampel und Sidney Mortensen sind der Kern ECLIPTICs

 

 

Zu den Texten kommen wir noch. Es gibt etwas aus dem akustischen Bereich, das mir an ″As of Yet Unknown″ nicht so gefiel: Die Drums klingen irgendwie digital. Warum? Und wie lange wart ihr für ″As of Yet Unknown″ im Studio?

 

Der Grund für den Drumsound ist einfach: Finanzen und Erfahrung. Wir hatten zuvor Mikrophone angewandt, aber mochten das Resultat nicht. Ausserdem war der Gebrauch von Mikrophonen und das Isolieren der individuellen Sounds schlicht jenseits unserer Kompetenzen. Also hat uns die digitale Technologie eine Möglichkeit gegeben, einen Teil unserer Wünsche zu realisieren und den Mangel an Geld und Erfahrung zu überbrücken.

 

Ich denke, du könntest sagen, dass wir alle Zeit der Welt hatten, weil wir kein Label im Rücken hatten, das uns hetzte. Aber an einem gewissen Punkt muss man sich einfach sagen ″do what you can, with what you have, where you are.″ (T. Roosevelt – ″tu was du kannst, mit was du hast, wo du bist″). Mit anderen Worten: Es war höchste Zeit, was Richtiges zu veröffentlichen. Es gibt so viele Bands, die man heutzutage kennt und die hochkarätige Produktionen auffahren, deren altes Material jedoch in unterdurchschnittlicher Qualität rauskam, wenn man es damit vergleicht, was momentan möglich ist. Aber sie fingen früh an, veröffentlichten immer neues Material und bauten sich so eine Fanbasis auf, während sie sich weiterentwickelten (man denke etwa an DEATH oder MAYHEM).

 

Ursprünglich scheuten wir diese Methode und warfen unsere Demos aus dem Fenster des Autos, weil sie nicht gut genug waren. Im Nachhinein war das vermutlich nicht sonderlich weise und ich denke, es hat uns langfristig geschadet. Ohne Labelunterstützung wars ein langer, schwerer Weg und wenn wir schon früher Material veröffentlicht hätten, egal welcher Qualität, dann hätten wir wenigstens Langlebigkeit und einen Back-Katalog auf unserer Seite.

 

Das ist natürlich immer ein Dilemma – Quantität oder Qualität. Inwiefern war der Aufnahmeprozess zu ″As of Yet Unknown″ denn anders vom Aufnahmeprozess zu den Demos?

 

Technologie und Erfahrung. Wir haben in der Zwischenzeit einige Aufnahmen gemacht für verschiedene Musikprojekte und Ideen, und dadurch haben wir natürlich einiges gelernt. Sidney kümmerte sich um die Aufnahmetechnik und die Produktion, wir habens zusammen abgemischt und gemastert und ich habe mich um das Artwork des Ganzen gekümmert. Es war eine gute Zusammenarbeit.

 

Das erste Demo war von einem Freund von uns aufgenommen worden und wir waren extrem gehetzt, aber es war eine grossartige Erfahrung. Unser zweites Demo entstand auf ähnliche Weise wie ″As of Yet Unknown″, aber wir hatten viel weniger Know-How und das zeigt sich am Ende, finde ich. Aber jede Aufnahme ist ein Lernprozess und eine evolutionärer Schritt, also wird unser nächstes Album ein weiterer Schritt nach vorn sein.

 

Das ist auf jeden Fall so. Kommen wir zu den Lyrics. ″The Five Ways″ sticht hervor, weil sich der Text mit der Samuraiphilosophie von Miyamoto Musashi befasst. Was hat dich dazu gebracht, eine japanische Textthematik zu verwenden?

 

Musashis ″The Book of Five Rings″ ist schon seit langem eine Inspirationsquelle für mich. Es hat für mich einen ähnlichen Stellenwert in der Literatur wie Sun Tzu und Clausewitz, ein metaphorisches Philosophiekonzept, das in einem militärischen Kontext behandelt wird. Aber Musashi beschäftigt sich mit Dingen, die nicht notwendigerweise militärisch sind und mit dem Abstrakten, so wie der Leere, was mich sehr anspricht.

 

Was sind die drei ersten Dinge, die dir spontan zu ″Japan″ einfallen?

 

Disziplin, Ehre und Tradition. Doch da ich noch nie dort war, kann ich meine Assoziationen lediglich aus Geschichtsbüchern, Filmen und Informationen aus zweiter Hand nähren.

 

″That one is all and all is one. Yet the all remains all, the one remains one.″ – Kann dies so interpretiert werden, dass es nie eine Einigkeit zwischen zwei oder mehr Wesen geben kann? Oder ist es in einem eher Universum-bezogenen Zusammenhang gemeint? Wieso hast du gerade dieses Zitat für euren Song gewählt?

 

Ich denke, das Zitat kann auf viele Arten interpretiert werden, aber für mich fasst es schlicht und ergreifend Musashis Konzept der Leere zusammen. Es braucht viele kleine Puzzleteile um ein Bild zu machen – das eine, das aus vielen besteht. Die Dualität und Singularität der Existenz.

 

Was mir ebenfalls ungewöhnlich vorkam, ist, dass du eine Passage auf Deutsch hast in deinen Lyrics zu ″Limitations″. Du hast quasi ″E = mc2″ ausformuliert auf Deutsch und dann die Zeilen ″Keine Masse, reine Energie, überschreitet die Lichtgeschwindigkeit″. Woher stammt dieser zweite Teil? Und warum erscheint diese Passage in den ″Limitations″-Lyrics?

 

Ich habe Einsteins Version in seiner Muttersprache benutzt, weil die englische Übersetzung etwas von der Schönheit der Gleichung verliert. Ausserdem zwingt es Leute, die kein Deutsch können, rauszufinden, was es bedeutet, wenn sie es nicht schon wissen. Das Benutzen der Gleichung ist die Limitierung. Einfach gesagt, bedeutet es, dass wir die Lichtgeschwindigkeit nie erreichen können, denn je schneller wir sind, desto schwerer werden wir und würden deswegen unendlich viel mehr Energie benötigen.

 

Die Neuformulierung am Ende repräsentiert, dass wir physisch an diese Erde gebunden sind und niemals die Freiheit erreichen können, die ein Energiepartikel im Universum hat, ausser wir überwinden die körperliche Erscheinung unserer menschlichen Existenz.

 

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Die Leere beschreibt, was für die Menschen unverständlich ist, es gibt nichts, das nichts ist. Wenn man es laut sagt und ihm einen Namen oder Terminus gibt, dann haben wir etwas kreiert, für das es eigentlich nichts geben sollte. Nicht mal einen Namen. – Machen Nichts zum Thema: ECLIPTIC

Hast du noch eine andere Verbindung zu Deutschland als diese Lyrics? Und welches sind deine Lieblingsbands aus Deutschland?

 

Mein Grossvater war ein Berliner (der Donut, haha) und die Familie meiner Grossmutter kann bis zu 300 Jahre zurückverfolgt werden im Städtchen Gebsattel in der Nähe von Rothenburg ob der Tauber. Meine Grosseltern und meine Mutter zogen in die USA in den 1950ern nach dem Zweiten Weltkrieg und dann ging meine Mutter in den 70ern zurück nach Deutschland. Ich selber wurde in Wiesbaden geboren und meine Mutter hat mich in die USA mitgenommen, als ich ein Kind war. Ich war schon ein paar Mal in Deutschland und meine Familie kommt manchmal hier rüber zu Besuch.

 

Meine Lieblingsband aus Deutschland wäre wohl BEETHOVEN zusammen mit irgendeinem deutschen Orchester, haha. Aber da das nicht möglich ist, bleiben nur meine nicht durchgehend Metal-orientierten Musiklieblinge aus Deutschland: KREATOR, DESTRUCTION, RUNNING WILD, ACCEPT, MARLENE DIETRICH, AMMER EINHEIT, KMFDM, WUMPSCUT, RAMMSTEIN, KRAFTWERK und noch ein paar mehr.

 

Sehr interessant… Welche Limitierungen, die existieren, würdest du aufheben und warum?

 

Die physischen Grenzen, die unseren Geist einsperren. Wir können nur so viel tun, wie wir tun können, weil wir als Menschen limitiert sind. Wir sind wie ein programmierter Computer, der lediglich eine begrenzte Menge Informationen speichern und nur in einer begrenzten Anzahl Weg rechnen kann. Gleichzeitig sind unsere Gehirne dazu fähig, so abstrakte Ideen zu schaffen, dass wir Bücher, Kunst, Musik und Filme realisieren können. Es wäre interessant zu sehen, wie das, was wir uns vorstellen, sich dem annähert, was wir greifbar kreieren können, wie etwa fliegende Autos oder Reisen auf die gefrorenen Seen auf dem Mars.

 

Die Leere scheint ein mehrfach verwendetes Thema in deiner Lyrik zu sein. Was fasziniert dich am Nichts?

 

Abgesehen davon, dass es beinahe Fantasien zerstört hätte, haha? Das ist genau das, was mich fasziniert. Das Paradox. Die Leere beschreibt, was für die Menschen unverständlich ist, es gibt nichts, das nichts ist. Wenn man es laut sagt und ihm einen Namen oder Terminus gibt, dann haben wir etwas kreiert, für das es eigentlich nichts geben sollte. Nicht mal einen Namen.

 

Jetzt wäre beinahe eine Diskussion zu George Orwells ″1984″-Sprachprinzip oder Semiotik angebracht… Aber wenden wir uns doch den Atheisten zu, die oft die Meinung vertreten, dass nach dem Tod nur das     Nichts″ kommt. Was meinst du geschieht nach dem Tod?

 

Der Beweis für das Dasein des ″Nichts″ fehlt aber, haha. Obwohl ich kein Atheist bin, da Atheisten noch immer einen Glauben haben, so dürfte das Nichts das sein, für welches wir am ehesten Beweise haben…allerdings gibt es nur einen Weg rauszufinden, was nach dem Tod kommt…

 

Dann weiss man es aber nur selber und kann es niemandem mehr mitteilen… Nehmen wir an, du könntest nicht einen Tag nichts sein, sondern schlicht unsichtbar. Was würdest du tun?

 

Hmmm, bei dieser Frage gibt es aber einige Variabeln, die ich klären muss, um sie zu beantworten. Werden Dinge, die ich berühre, ebenfalls unsichtbar? Muss ich nackt sein, um unsichtbar zu sein oder machen die Kleider, die ich trage, mich unsichtbar? 

 

Wenn es nur für einen Tag wäre, dann könnte ich kaum irgendwas Kriminelles machen, weil die DNA-Beweise und Fingerabdrücke (ich könnte ja keine sichtbaren Handschuhe tragen) ja da wären. Illegal reich zu werden wäre also sehr kompliziert und müsste im Vorfeld akribisch geplant werden, ausserdem wäre es noch immer sehr riskant. Man bräuchte immer noch ein Alibi und eine Möglichkeit, das gestohlene Geld zu waschen.

 

Einen berühmten Zaubertrick mit einer anderen Person zu kreieren wäre sicher grossartig, aber schwierig zu realisieren in nur einem Tag. Verrückte Streiche wären auch schwierig, weil die Dinge, die ich rumtragen würde, sichtbar blieben. Also ist das Beste wohl einfach andere Leute zu erschrecken und mit Security Kameras herumzualbern. Oder ein Auto fahren als unsichtbarer Fahrer, haha – das würde die Leute erschrecken. Oder einfach eine Katze die Strasse runtertragen, haha…

 

Haha, der mit der Katze ist gut! Gibt es eigentlich ein Konzept, welches alle Lyrics auf ″As of Yet Unknown″ miteinander verbindet oder muss man sie alle separat betrachten (soweit das möglich ist wenn sie ja alle vom selben Autor stammen)?

 

Nun, ich – so wie die meisten anderen Schreiber – ziehe es vor, wenn die individuellen Rezipienten die Lyrics selber interpretieren. Das vorausgeschickt muss ich sagen, dass jeder einzelne Song einen sehr spezifischen Denkprozess und Inspirationspunkt für mich hat. Das Konzept der Leere und des Nichts, nach dem du mich vorher gefragt hast, durchdringt alle meine Gedanken, die mir im Kopf herumschwirren. Aber der Text im Inlay des Albums fasst meine konzeptuellen Gedanken zusammen. Ursprünglich hatten wir ihn als gesprochene Passage drin zu Beginn des Tracks ″As of Yet Unknown″. Aber dann liessen wir diese Passage weg bei den Aufnahmen.

 

Warum habt ihr ″As of Yet Unknown″ als Albumtitel gewählt?

 

Als wir unser erstes Demo aufnahmen, hatten wir einen Song, für den ich keinen Titel hatte. Mein Drummer fragte mich, wie der Song heisse, und ich sagte, dass es momentan ″as of yet unknown″ (bis jetzt unbekannt) sei. Mein Drummer mochte genau diese Formulierung und schlug vor, den Song so zu nennen, da der Song sich damit befasst, einen bewussten Effort zu unternehmen, weiterzuleben, indem man stirbt und wie das, was nach dem Tod kommt, noch unbekannt sei. Es als Albumtitel zu nehmen schien angebracht, da es ein Thema ist, das in allen Lyrics präsent ist.

 

Die Zeilen ″Now come take the path less traveled / Come walk it with me (Take it far away)″ im Titeltrack erinnern mich an Robert Frosts Gedicht ″The Road Not Taken″. Überhaupt sind deine Lyrics komplex und erinnern an anspruchsvolle amerikanische Literatur und Poesie. Welche Autoren magst du und warum? Und würdest du jemanden eine Inspirationsquelle nennen?

 

Es gibt auf jeden Fall Inspirationsquellen. In der amerikanischen Literatur ist Edgar Allan Poe mein grösster Einfluss – ganz dem Metalklischee entsprechend. Aber auch Mark Twain und Robert Frost inspirieren mich. Ehrlich gesagt bin ich aber eher ein Anhänger der britischen und deutschen Literatur. Mary Shelley hatte eine profunde Einwirkung auf mich, genauso wie Wilfred Owen und zahlreiche andere. Kristoffer Rygg, Vegard Tveitan, Per Ohlin und Steve Harris sind ebenfalls Inspirationsquellen für meine Lyrics.

 

Was inspiriert dich dazu, Texte zu schreiben? Wirst du von den aktuellen Nachrichten zum Schreiben getrieben?

 

Literatur, Kunst, Filme, Musik und mein Leben, in dem ich zurzeit existiere – das inspiriert mich. Aktuelle Geschehnisse beeinflussen mich stark, wenn es um Fortschritte in der Wissenschaft geht. Wenn du auf aktuelle Nachrichten geopolitischer und gesellschaftlicher Natur in den USA anspiels, so sind diese aktuellen Nachrichten zwar stets einseitig, aber auf eine indirekte Art und Weise haben sie doch einen Einfluss auf mich. Meine Existenz in dieser Gesellschaft und der Umgang mit den Mitgliedern dieser Gesellschaft in meinem täglichen Leben intensiviert meine Gedanken zur Menschheit und ihrer unausgereiften Sebstgerechtigkeit. Jeder Tag, der vergeht, zwingt mich, einen langen Blick in den Abgrund einer komplett ruinierten Welt zu werfen.

 

Wenn du nun kein Autor, sondern ein Stift wärst, welche Farbe hättest du?

 

Ich wäre ein Tipp-Ex-Stift, der den Mischmasch aus überflüssigen Schmähreden ausradiert, um Platz zu machen für die wirklich talentierten Schreiber. Ich wäre die ultimativ schreibtechnische Waffe in der Hand der Geschichte.

 

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Ich wäre ein Tipp-Ex-Stift, der den Mischmasch aus überflüssigen Schmähreden ausradiert, um Platz zu machen für die wirklich talentierten Schreiber. – Markus (ECLIPTIC)

Und wie sieht es aus mit der Zukunft von ECLIPTIC?

 

ECLIPTIC wird auf seinem Weg zwischen den Sternen weitergehen bis entweder ECLIPTIC oder die Sterne verschwinden…

Fotos: Band und Brandon Wu Photography
Layout: Arlette Huguenin Dumittan