DOOM SHALL RISE 3: Das 70er/Classic-Doom-Special

DOOM SHALL RISE 3: Das 70er/Classic-Doom-Special

vampster präsentiert das Doom Shall Rise!

Bereits zum dritten Mal.
Und nach wie vor ist es für uns eine besondere Ehre, als Präsentatoren für dieses Festival fungieren zu dürfen. Denn die Bedeutung, die hinter dem Doom Shall Rise steht, ist im Mikrokosmos des Doom eine enorme. Gerade bei der Erstellung dieses Specials, haben wir aus den Aussagen der Musiker deutlich heraus lesen können, dass es etwas vergleichbares weltweit schlichtweg nicht gibt (lest hierzu insbesondere die Aussagen von THE GATES OF SLUMBER oder PLACE OF SKULLS). Und dabei sollte man erneut ganz deutlich darstellen, welche Leistung dahinter steckt, denn allen persönlichen und organisatorischen Widrigkeiten zum Trotz, schaffen es die Veranstalter Frank Hellweg und Jochen Fopp immer wieder, ein unvergleichliches Treffen der Doom-Gemeinde auszurichten, das keine Enttäuschung zulässt.

Wie auch schon in den Jahren davor, war es auch 2005 unser Anliegen euch die beim Doom Shall Rise aufspielenden Bands in einem Special-Feature näher zu bringen. Dabei wollten wir aber gleichzeitig auch etwas Abwechslung in die Sache bringen und das Ganze ein bisschen anders aufziehen als bei den Vorgängerveranstaltungen. Aus diesem Grund gibt es dieses Jahr kein Special für jede Band, stattdessen werden wir euch hier bis zum 16. April in drei Artikeln alle Acts des Doom Shall Rise III (mit Ausnahme von RISING DUST – der Fragebogen hat uns leider nicht mehr rechtzeitig erreicht) näher vorstellen.
In vielen Gesprächen und auch an den Publikumsreaktionen haben wir festgestellt, dass es auch im Doom Vorlieben gibt. Die einen mögen gerne den rohen, ursprünglichen Sound, andere lieben es eher noisig oder düster-aggressiv. Jeder hat so ein bisschen seine eigenen Vorlieben im Doom und genau diese haben wir zu bündeln versucht, und zwar in Form einer Unterteilung in „Classic-/70er-Doom“, „Epic-/Power-Doom“, „Death-/Funeral-Doom“ und „Doomcore/Sludge“.
Recht schnell mussten wir aber feststellen, dass eine Unterteilung alles andere als einfach ist und das haben uns auch die Statements der Bands bestätigt. Doom ist eben doch Doom und egal in welche Richtung man tendiert, man trifft sich letztendlich immer wieder bei den grundlegenden Trademarks.

Doch genau diese Feststellung ist auch wieder das Schöne daran: man fühlt sich am Ende des Tages doch wieder in seinen Grundfesten bestätigt und weiß einmal mehr ganz genau, was man an seinem Doom doch hat, egal wie man ihn kategorisieren will oder aus welchem Land er stammt. Sei es also Ikea-, Spätzles- oder Spaghetti-Doom, herausragende Acts gibt es überall und das Doom Shall Rise bringt sie wieder einmal auf einer Bühne zusammen.

Schlussendlich wollen wir euch zudem nochmal auf unsere Doom Shall Rise-Festival-Homepage unter dsr.vampster.com hinweisen, auf der ihr alle wichtigen Infos zum diesjährigen Event in Erfahrung bringen könnt.

Viel Spaß also beim Lesen unseres Special-Features „Doom Shall Rise III“!!

BLACK SABBATH. Die erste Heavy Metal-Band auf dem Planeten Erde.

Ob diese Aussage so stimmt, darüber haben sich schon viele Fans und Experten gestritten. Wenn es aber um die Ursprünge des Doom geht, wird wohl kaum einer an der Bedeutung dieser Band rütteln wollen. Speziell das lavaartige und abgrundtief schwarze Titelstück des Debütalbums der Briten ist nach wie vor der Inbegriff des Doom und wird auch für immer das Stück sein, an dem sich alles, was in diesem Genre noch kommen wird, messen lassen muss.

Ja, die Langsamkeit. Dafür ist der Doom bekannt – das ist die Eigenschaft, die man als erstes mit diesem Genre verbindet. Doch schon die Urväter boten weit mehr, als nur schleppende Lieder. Oft agierten schon BLACK SABBATH sehr grooveorientiert und der Einfluss der Zeit, in der die Klassiker mit Ozzy Osbourne am Gesang entstanden, lässt sich auch bei den Anti-Hippies nicht verleugnen.

Es sollte nicht viel Zeit vergehen, bis auch andere Musiker dem Weg von BLACK SABBATH folgten. Die beiden herausragendsten Bands werden dabei wohl für immer PENTAGRAM und SAINT VITUS bleiben. Beide Acts fingen in ihrem Schaffen den Spirit der Birminghamer auf und vor allem SAINT VITUS brachten die Essenz der Musik konsequent auf den Punkt, die Experimentierfreude von BLACK SABBATH vollkommen außen vor lassend. Und auch, wenn BLACK SABBATH bei jeder Doomband auf die ein oder andere Art herauszuhören ist, ist ein Großteil der heutigen Doom-Szene dem Sound der mächtigen SAINT VITUS viel näher. Die Bedeutung und der Einfluss dieser Truppe ist unbestritten und gerade im relativ unbeweglichen Doom-Metal lässt sich die Referenz „SAINT VITUS“ bei den Vertretern des 70er-Dooms nicht vermeiden.

Doch es gibt außer Langsamkeit noch zwei weitere wichtige Eigenschaften, die den Doom auszeichnen: Monotonie und Individualität. Das herrliche Wunder: Trotz der engen Grenzen des Genres, trotz der konsequenten Bodenständigkeit der Musik und trotz der Liebe zu sich ständig wiederholenden Lava-Riffs, hat es die Eigenständigkeit immer geschafft die Oberhand zu bewahren.

Glaubt man, dass im Doom nach den vielen Jahren seiner Existenz eigentlich schon alles gesagt sein müsste, überraschen auch heute noch viele Bands mit neuen Impulsen und Sounds, ohne dabei aber die Wurzeln der Musik zu sehr in den Hintergrund zu drängen. Natürlich ist auch der Doom nicht klonfrei, dennoch ist es erstaunlich, wie sich gerade dieses Genre von reinen Plagiatbands freihalten konnte. Ein Segen, dass eine kommerzielle Ausbeutung des Doom nie stattgefunden hat und angesichts seiner Trademarks vermutlich auch nie stattfinden wird. Vielleicht liegt es aber auch am Selbstverständnis der Szene, dass sich Genre-Poser nie durchsetzen konnten.

Wer nun aber an eine friedliche, heile Doomer-Welt glaubt, dem sei gesagt, dass man auch in dieser Szene seine Polizei vorfindet. In unserem Falle sind es in erster Linie die Stoner-Rocker, die bei vielen Doomern die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Einem Außenstehenden begreiflich zu machen, wo die Abgrenzung zwischen flottem, 70er-inspiertem Doom und Stoner-Rock zu ziehen ist, ist dabei schwer. CATHEDRAL haben in ihrer Karriere beispielsweise deutlich gezeigt, dass die Grenzen oft fließend sind.

Burning Saviours - Das Doom Shall Rise Special
BURNING SAVIOURS – keine reine Doom-Band

Und auch die BURNING SAVIOURS bewegen sich mit ihren flotten Grooves oft ganz nah an dieser dünnen Linie, gleichzeitig machen sie mit ihrem Sound den Unterschied aber deutlich, ist man an den Urvätern BLACK SABBATH und ST. VITUS oft sehr nahe. Dennoch sieht sich die im Jahr 2003 in Schweden gegründete Band nicht als reiner Doom-Act. „Es ist nichts Negatives daran, unter 70er/Classic-Doom eingeordnet zu werden, das ist es, was wir spielen. Dennoch ist es irgendwie falsch, uns als reine Doom-Band zu bezeichnen, denn wir haben genauso Einflüsse von psychedelischen Acts in unserem Sound. Andrej und Mikael stehen total auf den Heavy Rock der 60er und 70er. Als die Band anfing, beschlossen wir vom ersten Moment an, dass es 70er Heavy Rock/ Old School Doom sein sollte. Es ist ein Musikstil, den wir alle gerne hören und spielen.“ Als Einflüsse nennen BURNING SAVIOURS aber genauso LED ZEPPELIN, JIMMY HENDRIX, JETHRO TULL sowie den kultigen Roky Erikson. „Die psychedelischen Parts in unseren Songs sind definitiv von Roky und dem Sound, den er mit den 13th FLOOR ELEVATORS in den 60ern kreierte, beeinflusst. Auf unserem Debüt ist das gut zu hören. Roky ist (oder war) ein großartiger Songwriter… Roky and The Aliens rock the shit out of most bands.“

Nachdem die Band bislang lediglich drei Demos veröffentlicht hat, wird man sich also dieses Frühjahr auf einem vollständigen Album vom IKEA-Doom der BURNING SAVIOURS überzeugen können, den die Band am ehesten mit „einem Sofa oder vielleicht einem dunklen, hölzernen Stuhl“ vergleichen würde. „Es könnte eigentlich auch eine Lampe sein oder wie der große Parkplatz außerhalb des Möbelgeschäfts.“

Da die BURNING SAVIOURS nicht viel mehr als ein Jahr bestehen, gibt es keine außergewöhnlichen Geschichten über die Band zu erzählen, das DOOM SHALL RISE könnte da aber Veränderungen mit sich bringen, zumal schon der Flug spannend wird: „Martin und Frederik sind noch nie in einem Flugzeug geflogen, das könnte ziemlich witzig werden.“
Wenn es um die Doom-Größen der heimischen Szene geht, geben sich die BURNING SAVIOURS zunächst zurückhaltend: „Bands aus Schweden? Hmmm….das müssten wohl WITCHCRAFT und CANDLEMASS sein. ISOLE sind ebenfalls großartig. Es gibt aber auch noch viele andere Bands in Schweden, die uns viel bedeuten. Schwedens erste Heavy Rock Band NOVEMBER zum Beispiel. Eine Band, die in den 70ern aktiv war.“
Die 70er haben es den BURNING SAVIOURS deutlich angetan und so kann man auf dem Doom Shall Rise auch einen entsprechenden Auftritt erwarten. „Wir klingen und sehen aus wie die Bands in den 70ern, sowohl auf unseren Alben, als auch live. Ihr werdet ein echtes Retro-Feeling erleben!“ Und dieses Feeling scheint auch Veranstalter Jochen Fopp überzeugt zu haben, die Band auf das Billing zu nehmen. „Wir haben uns mit Jochen per E-Mail ausgetauscht und ihm einige Demos zugeschickt, und vermutlich hat er sie gemocht. Es gab da wirklich keinerlei Probleme, wir haben ihm die Demos zukommen lassen und hatten den Gig.“
Wie die Schweden das Doom Shall Rise verbringen werden? „Wir werden uns so viele Bands wie möglich anschauen und das Wort von BURNING SAVIOURS verbreiten. Hoffentlich kommen wir mit ein paar Leuten in Kontakt und können vielleicht auch ein paar Gigs oder sogar eine Tour festmachen.“ (Fierce)

BURNING SAVIOURS
Discografie:

„Dayterrors“ Demo (Februar 2004)

„The Crusade of Evil“ Demo (Mai 2004)

„Into the Abyss“ Album (Oktober 2004)

Soundsamples:

Spread Your Wings And Fly

Line-Up:

Fredrik Evertsson – Bass

Martin Wijkström – Drums

Mikael Marjanen – Guitar

Andrei Amartinesei – Vocals and guitar

Homepage:

http://www.burningsaviours.cjb.net

THE GATES OF SLUMBER - Das Doom Shall Rise Special
The Gates of Slumber – wider dem Stoner-Rock-Trend

Eine Band, die die Abgrenzung vom Stoner Rock wesentlich deutlicher macht, sind mit Sicherheit THE GATES OF SLUMBER aus den USA. So ist in der Bandbiografie zu lesen: „Aus der Asche von THE KEEP im Winter 1998 erstanden, wurde THE GATES OF SLUMBER, Frucht der Vorstellungskraft von Gitarrist/Sänger Simon, als Rückschlag gegen den Stoner-Rock-Trend, der zu dieser Zeit vorherrschte, gegründet. Die Mission war es, diese Möchtegern-Thronräuber in ihrem eigenen Gedärm zu ertränken.“ Und diese Einstellung unterstreicht die Band gerne ganz deutlich: „Wir sind eine Heavy Metal-Band. Kein dämlicher Blödsinn über Drogen, Autos oder sonstigen dummen Scheiß. Wir machen keine Musik, um darauf Acid einzuwerfen. Unser Sound ist zum Headbangen da. Lieder über die Untoten, Exekutionen und Qualen sind dem Stoner Rock fremd. Ich denke unsere Musik hat ihre Wurzeln im Stil von TROUBLE, VITUS, PENTAGRAM und WARCRY.“ Umso verständlicher, dass Karl Simon eine Unterschubladisierung beim Doom als recht sinnlos ansieht. „Nun, meiner Ansicht nach gibt es keinen ‚Classic Doom‘. Es gibt nur Doom Metal und dann nichts. Ich denke auch nicht, dass wir in den 70ern verhaftet sind. Unser Sound kommt aus einer Mischung vieler Einflüsse, die aus den 60ern bis heute stammen. Wir haben darin genauso viel THE OBSESSED wie auch BLACK SABBATH. Das Gros ist aber sicherlich aus den 80ern. Ich liebe viele der 70er-Bands, aber um ehrlich zu sein bin ich ein Kind der 80er. Es gibt wirklich nichts daran auszusetzen, als 70er-Band tituliert zu werden – aber es ist auch nichts wirklich Positives. Es ist, was es ist.“

So ist Simon in der Auswahl der wichtigsten Bands seines Heimatlandes auch relativ offen: ORODRUIN, WHILE HEAVEN WEPT, LAS CRUCES… da gibt es viele gute Bands.“.

Interessanterweise hat das Quartett sein offizielles Debütalbum „The Awakening“ aber nicht über ein amerikanisches Label veröffentlicht, stattdessen war das belgische Label Final Chapter die Wahl, bei dem auch MIRROR OF DECEPTION ihr aktuelles Album veröffentlicht haben. Und Fred von Final Chapter war es auch, der beim Kontakt zum Doom Shall Rise behilflich war. „Er hat bereits geholfen, dass unsere US-Tour zu Stande kam. Probleme auf das Billing des Doom Shall Rise zu gelangen gab es eigentlich auch nicht – wenn du etwas willst, musst du es einfach tun. Natürlich gibt es immer Probleme. Du musst einfach entscheiden, wie wichtig es dir ist, ein Ziel zu erreichen. In Europa zu spielen war für uns solch ein Ziel, also konnte uns nichts wirklich davon abhalten.“ Im Gegensatz zu vielen anderen Acts, konnten THE GATES OF SLUMBER aber bereits Erfahrungen auf einem reinen Doom-Festival sammeln, spielte man im Jahr 2003 doch bereits auf dem Born Too Late-Festival in den Staaten. „Born Too Late war eine sehr intime Angelegenheit, eher wie die frühen ShoD-Festivals oder wie das Templars of Doom im letzten Jahr. Doom Metal Festivals ziehen in den Staaten vielleicht ein Drittel der Leute, die auf dem Doom Shall Rise erwartet werden. Ich denke wir werden bei euch eine großartige Zeit verbringen und vermutlich wird es ein Kulturschock für uns werden – dabei meine ich aber nicht die Sprachbarriere. Heavy Metal ist in den Staaten nicht derart populär wie in Europa und Doom Metal hat noch eine weitaus aussortiertere Anhängerschaft. In Europa und speziell in Deutschland gibt es eine sehr starke Metal- und Doom-Szene. Da werden wir uns wirklich umorientieren müssen. Im Gegensatz zu den anderen Bands würde ich sagen, dass wir, abgesehen davon dass wir Amerikaner sind, einen großen Einfluss aus anderen Metal-Stilen ziehen. Bands wie CELTIC FROST, MANILLA ROAD, OVERKILL,… All diese Bands haben unseren Sound geprägt, allerdings kann man keinen Part herausgreifen und sagen: ‚Ah, das ist der MANILLA ROAD-Teil…‘ Ich denke zumindest, dass es nicht so ist. Vielleicht lässt uns das auch ein bisschen hervorstechen.“ Den größten Nicht-Doom-Einfluss hatte dabei nach Aussage der Band JUDAS PRIEST. „Wir alle lieben und verehren JUDAS PRIEST!“

Seit der Gründung im Jahre 1998 hatten THE GATES OF SLUMBER schon immer mit den verschiedenartigsten Problemen zu kämpfen und so gab es in der Vergangenheit bereits einige Line-Up-Wechsel. Das Fundament der Truppe war von Beginn an Sänger und Gitarrist Karl, der mit der Band schon einiges durchgemacht hat. „Die schwarze Wolke, die PENTAGRAM über all die Jahre verfolgt hat, ist jetzt uns auf den Fersen. Es gab eine Zeit, in der wir 12 Stunden gefahren sind, um mit ORODRUIN zusammen zu spielen, nur, dass uns der Wagen gerade außerhalb von Rochester, NY zusammengebrochen ist. Das war witzig. Das kostete uns 800 Dollar für die Reparatur – aber mit John Gallo rumzuhängen war cool. Dann verpassten wir mal unsere Ausfahrt und mussten über Seitenstraßen heimfahren, was unsere 3-Stunden-Rückfahrt in eine 6-Stunden-Reise verwandelte. Es geht immer und immer so weiter.“

ORODRUIN sind für Simon auch die erste Wahl wenn es darum geht, was die bisher wichtigste Veröffentlichung des Jahrzehnts darstellt: „‚Epicurean Mass‘ ist eine totale Rückkehr zum alten Doom Metal-Stil. Großartiges Spiel, gigantische Songs, total unglaublicher Gesang. Es gibt derzeit viele großartige Bands. Aber ich denke ORODRUIN sind einfach bereits auf dem nächsten Level.“ (Fierce)

THE GATES OF SLUMBER
Discografie:

„Blood Encrusted Deth Axe“ Demo (Frühjahr 2000)

„The Judge“/“Stitched Back From Death“ Demo (Anfang 2003)

„…The Awakening“ Album (August 2004)

Soundsamples:

Broken on the Wheel

Line-Up:

Karl Simon – Guitar/Vocals

Chuck Brown – Drums

Jason McCash – Bass

Homepage:

http://www.thegatesofslumber.com

Place Of Skulls - Das Doom Shall Rise Special
PLACE OF SKULLS werden das dritte DSR als Headliner bestreiten.

Victor Griffin, Landsmann von Karl Simon, Gründer von DEATH ROW und ehemaliger PENTAGRAM-Gitarrist, ist da vorsichtiger und glaubt, dass man die Bedeutung eines Albums erst nach langer Zeit wirklich einschätzen kann: „Ich habe keine Ahnung“, gesteht er auf die Frage nach dem bisher wichtigsten Doom-Album dieses Jahrzehnts. „Wir werden es wahrscheinlich ein weiteres Jahrzehnt lang nicht wissen.“ Immerhin ist er sich der Bedeutung seiner eigenen ehemaligen Bands durchaus bewusst. Geht es um die wichtigsten Bands seines Heimatlandes, so denkt er vor allem an die Vergangenheit und nennt neben TROUBLE, SAINT VITUS und THE OBSESSED auch seine damaligen Kapellen: „Ich möchte nicht anmaßend sein, aber meine alte Band mit Bobby Liebling und Joe Hasselvander war aus der gleichen Zeit wie die Bands, die ich erwähnt habe, und hat der Doom-Szene ebenfalls zu Bekanntheit verholfen. Nicht nur ein Doom-Sound, sondern auch ein sehr doomiger Look und ein entsprechendes Image. Daraus entwickelte sich dann die spätere Ära von PENTAGRAM, welche in der Szene ebenfalls recht einflussreich war. Die früheren Versionen von PENTAGRAM vor DEATH ROW waren nicht ganz so doomig, sondern eher im Hardrock- und Psychedelic-Stil.“
PLACE OF SKULLS, die das diesjährige Doom Shall Rise-Festival als Headliner bestreiten werden, sieht Griffin zwar immer noch als Doom-Band, dennoch hebt der eine oder andere genrefremde Einfluss die Band seiner Meinung nach von den meisten anderen ab. Victor: „Verstehe mich nicht falsch, wir tragen definitiv immer noch den Doom in uns, aber ich bin seit einiger Zeit ein bisschen in die Blues-Richtung eingebrochen und bringe ein wenig meine STEPPENWOLF- und CREAM-Einflüsse ein.“ Neben diesen sieht er als weniger offensichtliche Einflüsse Bands wie die ursprüngliche ALICE COOPER-Band, URIAH HEEP, MOUNTAIN, die frühen QUEEN und KISS oder NAZARETH. Trotz dieser vielfältigen Einflüsse, die allesamt nicht aus dem Doom-Bereich stammen, hat Victor aber keine Probleme damit, wenn man PLACE OF SKULLS in die 70er-Doom-Schublade packt: „Ich denke, das Ärgerliche daran ist vielleicht, dass einige Leute meinen könnten, unsere Musik wäre altbacken in dem Sinne, dass sie heutzutage nicht mehr von Bedeutung ist. Das Positive an dieser Einordnung ist, dass die meisten meiner Lieblingsbands aus dieser Ära kommen. Die Musik wurde damals, in einer Zeit, bevor die Massen durch eine viel zu große Auswahl verdorben wurden, mit Seele und Leidenschaft gespielt, und das gilt insbesondere für harte Musik.“
Mit der Situation für den Doom Metal in den USA ist Victor, auch wenn oder gerade weil diese Musik ein Nischen-Dasein fristet, im Großen und Ganzen zufrieden: „Sie ist besser als jemals zuvor… aber definitiv nicht so gut wie sie sein könnte, wenn man es mit manch anderer Art von kommerzialisierterer Musik vergleicht. Aber eine solche Kommerzialisierung würde von vornherein dem Reiz dieser Musik widerstreben.“ Entsprechend sieht auch sein Bild vom typischen Doom-Hörer aus: „Ich denke, der durchschnittliche Doom-Fan ist nicht die Art von Person, die sich vom Radio irgendeinen beschissenen Song in den Rachen schieben lässt und annimmt, dieser Song sei gut, nur weil er im Radio gespielt wird. Ich glaube außerdem, dass viele Fans dieser Musik einen eher introspektiven Charakter haben. Das sind Leute, die nach einem Song suchen, der sie persönlich auf eine Weise anspricht, die mit ihren eigenen, persönlichen Strapazen und Erfahrungen zusammenhängt.“
Vor nicht allzu langer Zeit wäre es fast undenkbar gewesen, dass PLACE OF SKULLS nun auf dem Doom Shall Rise spielen werden und zudem bei der Tour von PALE DIVINE und RISING DUST dabei sind, sah doch alles danach aus, als wäre die Band, die kurzzeitig auch mal Doom-Legende Wino in ihren Reihen hatte und mit REVELATION-Sänger und -Gitarrist Dennis Cornelius am Bass ein weiteres prominentes Mitglied aufweisen kann, am Ende. Victor: „Wir haben Ende des letzten Jahres eine harte Zeit durchgemacht. Es hat eigentlich im letzten Sommer angefangen. Tim hatte einige persönliche Probleme und verließ die Band, um diese zu lösen. Währenddessen hatten wir eine Europa-Tour und einen Studioaufenthalt anstehen. Wir haben dann die Aufnahmen abgesagt, haben aber mit Pete Campbell einen Ersatz für Tim gefunden, um unserer Tour-Verpflichtung nachzukommen.“ Als man von der Tour zurückkehrte und Tim wieder in die Band aufnahm, fingen jedoch die Probleme an. „Die Dinge waren danach nicht mehr so wie vorher, die Proben und Konzerte waren gekennzeichnet durch eine ernste, grundlegende Spannung und Verstimmung. Von da an schien es, dass alle Leidenschaft verloren gegangen war, also haben wir entschieden Schluss zu machen.“ Allerdings nicht, ohne vorher noch eine Abschiedsshow zu spielen. Als die Band sich auf diese vorbereitete, zeigte sich jedoch, dass man die Band nicht so einfach zu Grabe tragen wollte. Victor: „Sobald wir einmal diesen Siedepunkt erreicht hatten, schien sich die Band mit neuem Leben zu füllen. Wir hatten nun bereits angekündigt, dass wir uns auflösen würden, schlimmer noch, Dennis und seine Frau hatten bereits nicht rückgängig zu machende Pläne geschmiedet, zurück nach Oklahoma zu ziehen.“ Bei einem Gespräch mit Dennis am Abend nach der Show entschieden die beiden jedoch, dass sie die Band nicht enden sehen wollten, blieben nach Dennis‘ Umzug nach Oklahoma in Kontakt und überlegten, wie sie weitermachen könnten. Mit Tim führte Victor ein ähnliches Gespräch: „Wir waren uns endlich alle wieder einig. Die Dinge sind allerdings nun von der logistischen Seite etwas komplizierter, da Dennis 800 Kilometer entfernt wohnt.“
Nichtsdestrotrotz fragte Victor, als er erfuhr, dass FALCON von der Tour mit PALE DIVINE und RISING DUST abgesprungen waren, ohne große Erwartungen zu hegen, bei Jochen Fopp und PsycheDOOMelic-Chef Hegedüs Mark nach, ob es möglich wäre den Platz der Band einzunehmen. „Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass es klappen würde, weil das Ganze so kurzfristig war. Danach war schließlich noch Frank Hellweg beteiligt, und durch die harte Arbeit der drei können wir nun das DSR und die Tour spielen.“ Victor stellt zudem klar, dass es sich dabei nun keineswegs um eine Abschiedstour handelt, sondern dass man gedenkt, PLACE OF SKULLS am Leben zu erhalten: „Wir wollen alles daran setzen mit der Band weiterzumachen. Momentan habe ich dazu keine Details parat. Nachdem, was kürzlich alles passiert ist, versuchen wir nun etwas herunterzukommen, vernünftig zu sein und es langsam angehen zu lassen. Wir wollen nun einfach diese Tour machen und werden versuchen diese zu genießen, ohne den ganzen Stress, den wir vorher aufgebaut haben. Wir freuen uns alle auf die Tour und hoffentlich auf die Zukunft von PLACE OF SKULLS.“ (Doomster)

PLACE OF SKULLS
Discografie:

„The Fall“/“Evil Seed“ Limited Edition 7″ (2001)

„Nailed“ Album (2002)

„With Vision“ Album (2003)

„Love Through Blood“ CD/EP (2005)

Soundsamples:

Last Hit
The Fall
Never Die

Line-Up:

Victor Griffin – Guitar/Vocals

Tim Tomaselli – Drums

Dennis Cornelius – Bass/Vocals

Homepage:

http://www.placeofskulls.com

Pale Divine - Das Doom Shall Rise Special
PALE DIVINE – kümmern sich nicht darum langsam zu spielen

Während PLACE OF SKULLS betonen, bluesiger als die meisten anderen Bands zu klingen und THE GATES OF SLUMBER ihre im traditionellen Metal liegenden Roots als herausstechendes Merkmal betrachten, ist es bei ihren Landsmännern von PALE DIVINE die Vereinigung dieser beiden Charakteristika: „Ich nehme an, unsere Vorgehensweise beim Songwriting ist eher die einer traditionellen METAL-Band. Das heißt einfach, dass wir uns nicht so sehr darum kümmern, LANGSAM zu spielen, wie es bei manchen anderen Bands vielleicht der Fall ist. Ich glaube außerdem, dass wir ein etwas ‚bluesigeres‘ Feeling haben, da viele unserer Songs ziemlich lange Gitarrensolo-Passagen haben.“ Mit dieser Beschreibung des eigenen Bandsounds trifft Drummer Darin McCloskey den Nagel auf den Kopf. Das Trio verbindet traditionellen Heavy Metal mit klassischem Doom und versieht dies mit einem leicht psychedelischen Touch. Zwar hat man kein Problem damit, in die 70er-Doom-Ecke gestellt zu werden, sieht dabei jedoch gleichzeitig die Gefahr, fälschlicherweise ins Stoner Rock-Lager einzusortiert werden: „Ich finde an dieser Einordnung nichts Störendes, da es ziemlich gut zusammenfasst, worum es bei PALE DIVINE tatsächlich geht… haha! Das einzige, was man daran falsch auslegen könnte, ist die Sache mit den 70ern. Das könnte dazu führen, dass die Leute irrigerweise annehmen, wir würden „Stoner Rock“ machen. Der Begriff „Stoner Rock“ beschwört für mich eine Punkrock-Ästhetik herauf, an die wir uns überhaupt nicht halten… für den Uneingeweihten KÖNNTE dieser Bezug zu den 70ern also irreführend sein. Ich glaube jedoch, dass Doom Metal ziemlich viel mit den 70ern zu tun hat. Bands wie BLACK SABBATH (natürlich), frühe JUDAS PRIEST und URIAH HEEP (unter anderen) kommen aus den 70ern, und ich denke, das Doom Metal-Genre bezieht sich immer noch auf diese Bands.“
Eine Persönlichkeit, die die Bandmitglieder offenbar sehr schätzen, ist Bobby Liebling. So coverte man auf dem 2001 erschienenen „Thunder Perfect Mind“-Album nicht nur den PENTAGRAM-Klassiker „Twenty Buck Spin“ und konnte dabei Bobby Liebling als Gastsänger verpflichten. Beim das Album abschließenden „Dark Knight“ hat der PENTAGRAM-Sänger ebenfalls mitgewirkt und zeichnet verantwortlich für den Songtext und den Gesang. Wen wundert es da noch, dass für Darin natürlich auch das wichtigste Doom-Album dieses Jahrzehnts von PENTAGRAM stammt und auf den Namen „Show ‚Em How“ hört. „Man kann über Bobby Liebling sagen, was man will, aber es ist eine Tatsache, dass er DOOM gemacht hat, bevor es überhaupt ‚DOOM‘ gab, haha. Ich finde es erstaunlich, wie gut die alten und neuen Songs sich vermischen, und für mich veranschaulicht dieses Album alles, was so großartig an DOOM METAL ist… die Spielweise, die Melodien, die Heaviness… das Album hat all dies in höchstem Maße!“
Das Doom Shall Rise wird für PALE DIVINE sicherlich eine willkommene Abwechslung zu den Konzerten sein, die die Amerikaner üblicherweise spielen: „Manchmal werden wir mit bestimmten Bands zusammengepackt, mit denen wir absolut gar keine Gemeinsamkeiten haben, oder wir spielen an seltsamen Orten, bei denen niemand von uns erwarten würde, dass wir dort spielen…“ Da muss das Doom Shall Rise in den Erzählungen von ORODRUIN und PENANCE, welche im letzten Jahr dort auftraten, wie das Paradies auf Erden geklungen haben. Um den finanziellen Aufwand zu rechtfertigen, organisierte man in Zusammenarbeit mit Mark von PsychedDOOMelic Records zudem noch eine Europa-Tour, welche zeitlich um das Festival herum angesiedelt ist. Allzu überschwängliche Erwartungen hat man an diese Tour jedoch nicht: „Ich hoffe einfach, dass alle unsere Musik genießen und eine gute Zeit haben. Wir sind da, um die Leute zu unterhalten, und ich hoffe, dass jeder, der uns zuhört, das zu schätzen weiß, was wir tun“, gibt sich Darin bescheiden. (Doomster)

PALE DIVINE
Discografie:

„Crimson Tears“ Demo (1997)

„Thunder Perfect Mind“ Album (2001)

„Eternity Revealed“ Album (2004)

Soundsamples:

Sins Of The Fallen
Blind Faith
Lord Of Sorrow
Judas Wheel
Pale Divine
Star Child

Line-Up:

Greg Diener – Guitar/Vocals

Darin McCloskey – Drums

Jim Corl – Bass

Homepage:

http://www.paledivine.com

Warning - Das Doom Shall Rise Special
WARNING – spielen auf dem DSR zum ersten Mal seit ihrer Trennung wieder live

Um die Briten WARNING war es lange Zeit still und viele Fans waren überrascht, dass man die Band nun erneut live auf deutschem Boden zu sehen bekommt, nachdem man im Jahr 2001 bereits mit JACK FROST und MIRROR OF DECEPTION gemeinsam eine Tour bei uns absolvierte. Nach dem Split der Truppe erstaunt es ebenso, dass WARNING auch wieder im alten Line-Up zusammengefunden haben. „Seither hat von uns eigentlich jeder sein eigenes Ding durchgezogen. Pat hat geschauspielert, ich habe unterrichtet und geschrieben und Marcus hat sich viel Fußball und Bands angeschaut. Es ist großartig wieder zusammen zu sein und ich denke wir können nun auch die Dinge und den anderen mehr wertschätzen. Wir haben uns getrennt weil wir zu lange ohne Pause aufeinandergehockt sind. Pat und ich sind wie Brüder und bei Kleinigkeiten kann es schon explodieren. Ich war eine Fotze und er genau so und wir konnten uns einfach nie zusammen finden um die Dinge durchzusprechen. Ich habe WARNING aber wirklich vermisst und geglaubt, dass wir nie mehr zusammen spielen könnten. Es bedeutet uns sehr viel.“ Und damit sieht Stu auch die britische Doom-Szene erstarkt, die er ansonsten nicht besonders blumig beschreibt. „Schauen wir den Fakten ins Auge: die Szene ist ziemlich tot. Aber wir, SOLSTICE und THE RIVER sind alle sehr unterschiedlich und sehr nette Burschen!“
Das sind klare Ansagen und diese kommen auch durch, wenn es um die Einordnung der Band geht: „Persönlich denke ich, dass die meisten Klassifikationen ein riesiger Mist sind und hauptsächlich als Verkaufsargumente benutzt werden. Was passiert, wenn es dich zu etwas abstempelt, was du nicht bist oder das mit einem Haufen Scheiße assoziiert wird? Wir fühlen uns okay dabei, wenn wir unter dem Label ‚Classic Doom‘ laufen. Oder Funeral Doom oder True Doom, etc. Aber die einzige echte Verbindung, die wir zu den 70ern haben ist, dass alle drei Bandmitglieder in diesem Jahrzent geboren wurden. BLACK SABBATH waren ein Produkt ihrer Zeit und es macht oft den Anschein, als hätten sie nur damals existiert. Das ist, was sie für viele zu einer 70er-Band macht, aber was ist mit all den Sachen, die sie in den 80ern und 90ern gemacht haben? Jetzt ist das Jahr 2005, nicht 1973, und einige dieser kleinen verrückten Stoner-Kids sollten das mal realisieren – das ist nur Retro, wie OASIS, die 60er-Filme nachahmen – da sollte man die Finger davon lassen! ‚Classic Doom‘ ist eine Bezeichnung, die für mich in Ordnung geht, aber ’70er‘ erinnert mich an grasrauchende Schlaghosenträger. Warum sprechen diese sogenannten Stoner-Bands nie über die echten Probleme der damaligen Zeit? Arbeitslosigkeit, das Wettrüsten, die 3-Tage-Woche, Streiks, Football Hooligans, Krieg? Ist es, weil sie damals nicht da waren? Diese Typen sollten es bleiben lassen. Ich hasse diese verdammten Kategorien. Ich denke wir machen vielleicht Leichenträgermusik mit ein bisschen eingeworfenem Bergwandern.“ Außerhalb des Dooms sind es dementsprechend ganz andere Einflüsse, die bei WARNING zum tragen kommen: „Wir hören so viele Sachen, nicht nur Metal, und jeder von uns völlig unterschiedliche Dinge. Mich inspiriert es manchmal, wenn ich afrikanisches oder keltisches Tribal Drumming höre und lehre. Pat hat in letzter Zeit viel Einfluss bei einer Band namens THE RED HOUSE PAINTERS bezogen. Marcus liebt YES, alte MOTÖRHEAD, MAIDEN, etc. Jeder ist von etwas beeinflusst, ob man es zugibt oder nicht – vielleicht auch mehr von einem Film oder einem Buch, als von Musik. Ich will für die anderen auch gar nicht sprechen, da jeder von uns seine eigene Art hat, sich einzubringen. Ich denke aber, dass uns die Dinge mehr inspirieren, als dass sie uns beeinflussen. Ich hör mir zu Hause viel Shaman-Drumming an und ich versuche auch live, mich da rein zu versetzen. Deshalb schlag ich vermutlich auch so hart in die Felle.“
Und live wird man auf dem Doom Shall Rise um einiges mehr zu hören bekommen, als nur die Songs von „The Strength to Dream“: „Ein paar Stücke vom Album, aber auch einige neue, die zuvor noch niemand zu hören bekommen hat. Sie sind brandneu und wir haben sie gerade erst fertig bekommen. Diese Show ist zugleich das erste Mal seit vier Jahren, dass wir wieder live spielen. Es könnten also ein paar Nerven blank liegen. Eins ist aber sicher: es wird richtig heavy und es wird ein reiner, klassischer WARNING-Auftritt werden, ohne Gimmicks oder Tricks.“ Die Live-Premiere nach der Reunion beim Doom Shall Rise zu absolvieren, das ist für WARNING ohnehin eine besondere Ehre. „Wir freuen uns total darauf und werden hoffentlich auch einige großartige Leute treffen. Aber auch auf die anderen fantastischen Bands. Und der großen britischen Zeiten zu frönen, uns ein paar Drinks davor und danach zu genehmigen.“ Erfahrungen auf deutschen Bühnen konnte man dabei ja bereits sammeln und die waren für die Band durchweg positiv. „Wir lieben Deutschland und unsere Tour 2001 ist für uns ein echtes Highlight. Wir wurden wirklich sehr gut empfangen und behandelt. Ich liebe das Umfeld und die Leute und wir sind total happy euch wieder zu sehen!“
Und wir können uns auf WARNING freuen, denn Kinder von Traurigkeit sind die Jungs ganz offensichtlich nicht. „Es gibt massig von Geschichten über alkoholgetränkte Ausschweifungen und dummen Narreteien. Wir sind bekannt dafür, einen guten Drink nicht abzulehnen. Die beunruhigenste Geschichte erlebten wir aber einmal auf Tour, als wir von einem Typ belästigt wurden, der sich „Biggins the Bottom Fonlder“ nannte. Frag Rich Walker (SOLSTICE/ISENTORR) mal danach!! Wir sind deswegen immer noch in Therapie und wachen nachts schweißgebadet auf. Nicht daran zu denken was mit meinem armen kleinen Arsch passiert wäre, wenn wir nicht schneller auf unseren Füßen gewesen wären als dieses furchterregende Monster!!!!“
Zurück zu den ernsten Dingen des Lebens: Doom. Genauer – „Ham & Eggs“-Doom: „Seid ihr auf Drogen? Keine Ahnung was das sein soll, aber es muss verdammt gut sein! Ich bevorzuge übrigens Schinkenfleisch. SPAM, SPAM, SPAM, SPAM, SPAM, SPAM!!!!“ Kein Wunder also, dass die wichtigste Doom-Veröffentlichung dieser Dekade nicht aus dem Königreich stammt, wenn es die denn überhaupt gibt. „Ich glaube nicht, dass diese überhaupt bereits veröffentlicht wurde. Fragt mich in fünf Jahren nochmal danach. Sicher gibt es großartige Sachen wie REVEREND BIZARRE und so weiter. Genauso aber auch viel Scheiße – massig 70er-Mist. Ich weiß nicht – ‚Chas n´ Dave live at Butlins 2001‘. Das war ein verdammt heftiges Album. Diese Show war aufrührerisch.“ (Fierce)

WARNING
Discografie:

„Blessed be the Sabbath“ Demo (1997)

The Strength to Dream“ Album (2001)
Line-Up:

Marcus Hatfield – Bass
Pat Walker – Vocals & Guitar
Stu Springhtope – drums

WELL OF SOULS - Das Doom Shall Rise Special
Well of Souls – Neuanfang auf dem Doom Shall Rise

Auch bei WELL OF SOULS hört man der Einfluss des Ur-Doom-Bands sehr gut heraus, wobei vor allem Frank Hellweg live durch seine Art die Gitarre zu bedienen dem Ganzen eine sehr metallische Schlagseite im Sinne der 80er mitgibt. Hellweg kommt mit dieser Einordnung sehr gut klar. „Was soll uns daran stören? Das ist der Sound den wir wohl machen und es muss ja irgendeine Beschreibung geben für Leute die uns nicht kennen! Bezogen auf unsere Einflüsse kommen wir aus den 70ern und frühen 80ern, also passt es doch.

Klar ist es immer blöd in irgendeine Schublade gesteckt zu werden, aber gerade der Doom hat so viele Farben, dass eure Zuordnung nicht zu pauschal klingt. Da finde ich diese 1:1-Vergleiche mit Band XY schon nerviger, mit denen gerade Doom-Bands oft abgespeist werden. Sicher gehen all die Ursprünge des Doom auf drei bis vier Bands zurück, aber die meisten versuchen doch ihren eigenen Weg zu gehen.“
Petro ergänzt: “ Ich denke mal, dass alle Einflüsse im Doom aus den 70ern sind. Dadurch dass wir nur eine Gitarre im Sound haben und Frank unter anderem auch von BLACK SABBATH beeinflusst ist, hören wir uns auch stark nach Seventies an.“
Da Frank Hellweg einer der Mitveranstalter de Doom Shall Rise Festivals ist, ist es fast schon selbstverständlich, dass WELL OF SOULS zu einer der ersten Bands gehört, die auf dem Liebhaber-Event zum zweiten Mal zu sehen sind und denen wir bereits ein Special gewidmet haben. Die beiden Bandgründer reagieren humorvoll auf die Frage, warum man WELL OF SOULS überhaupt noch in einem Bericht zum Doom Shall Rise erwähnen muss. Frank: „Ha ha, weil wir viel zu chaotisch sind um uns in einem Bericht passend zu beschreiben!“ Petro: „Weil wir immer noch nichts zu sagen haben. Ist das nichts?“ Frank: „Oder weil wir einfach gern die Leute volllabern….“
Das Doom Shall Rise sieht die Band zudem als eine Art Neuanfang: „Wie viele ja wissen, hatten wir jahrelang ein Drummerproblem. Jetzt haben wir endlich mit Marco einen Mann, der als Typ super zu Petro und mir passt, die ersten Shows mit ihm in Belgien und Holland haben echt Spaß gemacht. Und sein Drumming ist auch super, was will man mehr! Die Show beim DSR wird für uns ein Abschied von den Loser-Tagen, wir wollen da unsere musikalische Vergangenheit noch mal feiern und danach endlich nach vorn arbeiten. Auf der einen Seite macht die Show jetzt für uns selbst schmerzhaft deutlich, wie viel Zeit wir verloren haben, weil wir ohne Drummer dastanden. Andererseits ist sie für uns der logische Platz um uns selbst das Zeichen für einen Neuanfang zu setzen und den Fans zu zeigen dass wir immer noch da sind! Wir zocken wohl hauptsächlich noch mal unseren alten Kram, teilweise zum allerletzten Mal. Für die folgenden Shows lassen wir uns mal überraschen, wohin uns unsere neue Motivation führen wird!

Na ja, als Veranstalter hab ich natürlich Schiss, dass es wieder so wird wie beim DSR1. Wir hatten nur vorher eine kurze Probe. Und da ich so ausgebrannt war von der Rumlauferei, Organisation und so, nach knapp zwei Stunden pennen war die Show wirklich nicht so prall, ich war eigentlich viel zu fertig um noch zu spielen. Jetzt aber weiß ich, dass ich ein super Team hinter mir hab, sowohl als Band auf der Bühne und vor allem bezogen auf das Team vom DSR. Da sollte ich die Sache doch etwas lockerer angehen. Na ja, wie es dann tatsächlich sein wird, sehen wir dann in der Chapel! ;o)“
Petro: „Für mich ist das Gefühl auf jeden Fall ein anderes, weil ich dieses Mal mit einer Zahnspange in der Fresse singen werde.

Eigentlich hoffe ich auch dass Frank dieses Mal weniger gestresst sein wird. Beim ersten DSR haben wir ja ziemlich abgekackt. Dieses Mal werden wir auf jeden Fall selbstbewusster sein denke ich.“

Das Drummer-Problem von WELL OF SOULS spielt bei der Band auch eine Rolle, wenn man sie auf die kuriosesten Geschichten um die Band, aber auch im Zusammenhang mit dem Doom Shall Rise anspricht. „Die kurioseste Geschichte mit der Band? Wir haben eine Mini-Europa-Tour gebucht ohne einen Schlagzeuger zu haben!“ weiß Petro zu erzählen und Frank Hellweg ergänzt: „Für uns als Band ist es sicher die Tatsache, dass MIRROR OF DECEPTION für das DSR1 einen Aushilfsdrummer aus Hannover hatten und der durch meinen Umzug zurück in den Norden nun plötzlich bei uns spielt! Ohne das DSR wären wir wohl niemals zusammengekommen!“

Echte Unterschiede zu anderen Bands auf dem Billing des Doom Shall Rise sieht Frank Hellweg aber weder dadurch, dass WELL OF SOULS zu den Veranstalterbands zählen, noch, dass man bereits das zweite Mal beim Festival auf der Bühne steht. Oder doch? „Hm, wir sind schöner, besser, lauter… nee… Bezogen auf das DSR gibt es für mich keine Unterschiede unter den Bands. Jede hat für mich den gleichen ‚Wert‘, dazu zähle ich auch uns selbst. Wenn ich das anders sehen würde sollte ich besser nicht so ein familiäres Festival veranstalten!

Was mir bei uns immer auffällt: die meisten Leute müssen uns öfters sehen bzw. hören! Wir blasen die Leute nicht vom ersten Ton ab weg, dafür sind die Fans, die uns mögen, sehr leidenschaftlich und stehen hinter uns. Und das find ich viel cooler als die nächste ‚Alle lieben uns‘-Band zu sein bis dann eben die nächste tolle neue Band kommt. Unsere treuen Fans machen WOS (für mich) zu etwas Besonderen, Vergleiche mit anderen Bands find ich aber unnötig, und die Musiker und Bands, die ich vor und seit dem DSR kennen lernen durfte, sind durchweg coole, nette Leute. Wer nun den ‚besseren‘ Doom macht, das ist in erster Linie eine persönliche Geschmacksfrage!“
Petro: „Die meisten anderen Bands auf dem Billing kenne ich nicht. Das ist auch besser so. Niemand muss sich vor dem anderen verstecken. Und wer auf beiden DSR war weiß, dass eigentlich kaum eine Band ’schlecht‘ war.“
Und was macht nun den Spargel-Doom von WELL OF SOULS aus Sicht der Band aus? „Den Spargel-Doom kannst Du sicher mit unserer aktuellen Situation gleichstellen! Irgendwie weiß jeder, dass er da ist, irgendwo da im Norden soll der ja sein. Und irgendwann im Mai, von einem Tag auf den anderen schießt der Spargel(-Doom) dann hervor in einer Qualität, die alle nur noch nach Nienburg schauen lässt! Der beste Spargel kommt im Mai, bin mal gespannt auf unsere Shows Ende Mai! *G* Wusstest du, dass der Nienburger Spargel als der Beste der Welt gilt? Er wird selbst nach Japan und Singapur exportiert, mit Privatjets ausgeflogen an dem Tag wo er geerntet wurde!

Man darf aber nicht vergessen, dass Petro sich noch einbringt mit seinem Giros-Spätzle-Thüringer-Bratwurst-Doom! Und die kulinarischen Genüsse aus der Region Hannover verschweig ich dann doch lieber!“
Petro: „Spargel-Doom klingt wie Schwarzwurzel-Thrash, riecht aber bedeutend besser.“

Und wie steht es mit Einflüssen außerhalb des Doom-Metal? Frank Hellweg: „Eine gezielte Band kann ich da kaum erkennen. Sicher kommt am meisten BLACK SABBATH durch, und da vielleicht mehr die DIO
– und Tony Martin-Phase. Das ist für manche ja kein Doom mehr. Man hört auch deutlich, dass ich mit der NWOBHM aufgewachsen bin, aber da ich auch sehr viel 70er Bands höre wie WISHBONE ASH, EMERSON, LAKE & PALMER, TEN YEARS AFTER usw. und das hier und da sicher etwas hervor kommt, verpasst uns das sicher einen gewissen Retro-Touch. Und da Petro seine Einflüsse ja auch zumeist von den klassischen Heavy-Rock-Sängern hat, prägt diese Ära unseren Sound sicher mehr als eine bestimmte Band.“
Petro: „Ich glaube nicht, dass man die Bands, die mich beeinflusst haben, aus unserem Sound heraushören kann. Jedenfalls fallen mir HELLOWEEN in der Michael Kiske Ära (die Andi Deris-Kacke kann man sich ja nicht anhören) und URIAH HEEP mit David Byron ein. METALLICA, LYNYRD SKYNYRD, RAINBOW, IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST. Das Klassische eben. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich zurzeit kaum was davon höre. Ich fahre gerade auf Death/Black-Metal ab. Aber wer nicht?“

Bleibt am Ende eigentlich nur noch die Frage, nach dem bedeutendsten Doom-Album dieses Jahrzehnts. Für Petro kommt dieses von der Band, deren Basser der Sänger auch schon Backstage beim Doom Shall Rise weinen sah: „Ein spitzen Doom Album welches dieses Jahrzehnt erschienen ist fällt mir nicht ein. ‚Of empires forlorn‚ hat einige Höhepunkte, diese reichen aber nicht aus um es zum Doom-Album des Jahrzehnts zu küren. Ansonsten wären REVEREND BIZARRE meine Favoriten. ‚‚In the rectory…‚ und ‚Harbinger …‚ sind ziemlich gut.“ Frank Hellweg hält sich da ein bisschen mehr zurück: „Da nehme ich mir nicht das Recht heraus, dies zu beurteilen! Es sind sicher tolle Doom-Scheiben erschienen. Aber wirklich bedeutend in den letzten zehn Jahren war sicher die Tatsache, dass die Doom-Szene sich erhoben hat, dass so viele alte Helden den Arsch wieder hochkriegen und so viele coole neue Bands herangewachsen sind! Das kann man nicht an einer einzigen Platte festmachen! Hätte vor zehn Jahren jemand den Slogan ‚DOOM SHALL RISE‘ in den Mund genommen, hätte man ihn ausgelacht. Tja, und hier ist der Doom, DOOM HAS RISEN!“

Ihren Ruf als „Chaos“-Crew werden die Jungs letztendlich aber wohl nie ganz los.
Gitarrist Hellweg hat passend zu diesem wichtigen Auftritt seine rechte Schulter in Rente geschickt. Die Oberarmsehne hat sich im Gelenk eingeklemmt, sodass der Arm nur unter Schmerzen zu bewegen ist. Aber von sowas lässt sich ein Doomer nicht aufhalten. Hellweg: „Die dringend notwendige OP würde den WOS-Gig natürlich unmöglich machen, und ich kann kaum unseren Gig auf meinem eigenen Festival canceln! Und wenn was schiefgeht liege ich im Krankenhaus und Ihr macht Party auf dem DSR, das kann echt nicht sein!
Manchmal muss man eben Prioritäten setzen!*G*“
(Fierce)

WELL OF SOULS
Discografie:

Erstes Demo (Herbst 1998)

Zweites Demo (2000)

„The Awaken“ Album (2002)

Soundsamples:

Evil Sign

Legion of Doom

Blackened Sky

Line-Up:

Frank Hellweg – Guitar
Petro Kapakos – Vocals, Bass
Marco Schreiner – Drums

Homepage:

http://www.wellofsouls.de

Fierce
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