DARKENHÖLD: Echt und rustikal halt!

Der Bandname DARKENHÖLD ist nur für Eingeweihte ein Omen – allen anderen erschließt sich nicht sogleich, dass hier Franzosen am Werke sind, die sich am liebsten in alten Schlössern aufhalten und in ihrem Schwarzmetall das französische Mittelalter thematisieren. Das tun DARKENHÖLD auf ihrem fünften Werk „Arcanes & Sortilèges“ besonders gekonnt, also ist es höchste Zeit, Aldébaran und Cervantes zu ihrem Album und der Welt des französischen Black Metals zu befragen. 

Ihr seid in Nizza zuhause, soweit ich weiß. Wie ist dort die momentane Quarantäne-Situation?

Cervantes: Ja, wir können sagen, dass wir aus Nizza sind, weil das die Stadt ist, in der wir uns kennenlernten. Nizza ist der Treffpunkt. Zwei Bandmitglieder wurden hier geboren (mich eingeschlossen), zwei von uns wohnen hier, zwei weitere DARKENHÖLD-Mitglieder wohnen in angrenzenden Städten und einer von uns wohnt in Marseille. Die Situation hier ist nicht speziell anders, aber wir haben das Glück, dass wir in einer schönen Szenerie wohnen und ein sehr mildes Klima haben – sogar jetzt, Ende Jahr. Leider gab es im Hinterland letzthin eine Tragödie, weil der Sturm Alex zu Überschwemmungen geführt hat. Aber uns ist nichts passiert und wir nutzen die Quarantäne-Zeit, um an unseren Instrumenten zu arbeiten (und zu üben), sowie unser Album „Arcanes & Sortilèges“ zu promoten. 

Verliese, Zauberer und dunkle Wälder

Ich finde „Arcanes & Sortilèges“ ein echt starkes Album, das einen ausgeprägten Old School-Vibe hat. Was für Feedback hat euch bis jetzt zu „Arcanes & Sortilèges“ erreicht? 

Cervantes: Danke für deine sehr positiven Worte. Bis jetzt bekommen wir gutes Feedback und wir sind sehr zufrieden mit den bisherigen Rezensionen. Es macht uns auch glücklich, dass unsere Zuhörer unsere Intentionen verstehen und das Album in seiner Ganzheit verstehen. Das Ziel von „Arcanes & Sortilèges“ ist es, die Hörer 45 Minuten lang in eine Welt von epischer und traumgleicher Imagination zu entführen, wo es Verliese, Zauberer, feindliche Gänge, laute Schlachten, dunkle Wälder und unsere unvermeidbaren Wyvern-Drachen gibt. 

Arcanes & sortilèges“ ist euer fünftes Album – was war dieses Mal anders beim Aufnahmeprozess als bei vorherigen Alben? Was war dieses Mal am schwierigsten? 

Aldébaran: Eine Schwierigkeit war sicher, die Drums aufzunehmen, ohne jemals zuvor mit ihnen geprobt zu haben. Dieses Problem hatten wir vorher noch nie – aber wegen der Covid19-Krise mussten wir uns damit herumschlagen. Außerdem mussten wir mindestens sechs Rhythm-Gitarrenspuren und drei Bassspuren aufnehmen – dazu noch akustische Gitarren, Synths und Chöre. Die reine Masse an Elementen und Spuren – das machte die Aufnahmen kompliziert und das Abmischen ebenfalls. Dank den vorherigen Alben hatten wir allerdings auch die notwendige Erfahrung, um diese Aufgabe zu meistern. Das war definitiv ein Vorteil. 

So natürlich und ungetriggert wie möglich

“Wir wollten schon immer, dass unsere Cover echte Gemälde sind. Das passt auch zum musikalischen Credo DARKENHÖLDs”

Das Cover von “Arcanes & Sortilèges” erinnert an ein altes Ölgemälde. Ist es wirklich ein Gemälde oder wurde es digital erschaffen? Hat es einen Bezug zu einem bestimmten Song auf dem Album?

Cervantes: Das Cover stammt von der Künstlerin Claudine Vrac. Sie übernahm auch bei den vier vorherigen Alben die graphische Gestaltung. Wir sind stolz darauf, wieder eines ihrer Werke zu präsentieren, welches sie extra für DARKENHÖLD geschaffen hat. Es ist ein echtes Gemälde und einzigartig. 

Wir wollten schon immer, dass unsere Cover echte Gemälde sind. Das passt auch zum musikalischen Credo DARKENHÖLDs: Es muss so natürlich und so ungetriggert wie möglich klingen. Das Cover ist sozusagen eine gewollt altmodische Interpretation unserer Musik. Es ist wichtig für mich, dass die Band ihre eigene künstlerische Handschrift hat – sowohl visuell wie auch akustisch. Die Kontinuität der Zusammenarbeit mit Claudine passt also perfekt. 

Das Cover von „Arcanes & Sortilèges“ bezieht sich nicht auf einen bestimmten Song, sondern fokussiert auf den Erzmagier in seinem Kabinett: Er ist die Schlüsselfigur unseres neuen Albums und jeder Song ist eine Facette dieser Geschichte.

“Forests of Witchery” ist absoluter Kult

Arcanes & Sortilèges” erinnert mich an älteren Black Metal von Bands wie THY SERPENT oder SATYRICON. Welche Bands haben euch auf eurem musikalischen Weg am meisten geprägt? Hört ihr euch die Alben noch immer an? 

Cervantes: Ich bin froh, den Namen THY SERPENT zu sehen – meiner Meinung nach eine viel zu wenig bekannte und unterschätzte atmosphärische Black Metal-Band. Ich besitze alle ihre Alben und höre sie seit 1996. „Forests of witchery“ ist absoluter Kult! Aber ich glaube, dass Aldébaran, der alle Songs bei DARKENHÖLD schreibt, hat noch nie THY SERPENT gehört. 

Die Einflüsse von DARKENHÖLD sind indes dieselben seit den Anfangstagen: melodiöser, atmosphärischer und epischer Black Metal aus den 90ern. Aldébaran und ich sind etwa gleich alt und haben als Teenager genau diese Bands gehört – die Band, die mit ihrem außergewöhnlichen Sound, der kreativ und so anders war, einen einfach völlig für sich einnahmen. Jeden Monat kamen Alben raus, die nachher zu wegweisenden Kultwerken wurden. Ich denke, dass ich extrem Glück hatte, genau zu dieser Zeit als kompletter Black Metal-Enthusiast jung gewesen zu sein – ich konnte mich in den neuen Releases verlieren und ihre wahre Magie und ihr fesselndes Mysterium für mich entdecken. Das war eine regelrechte musikalische Bewegung. 

DARKENHÖLD Einflüsse sind melodiöser, atmosphärischer und epischer Black Metal aus den 90ern.

Den größten Einfluss auf DARKENHÖLD hatten die Frühwerke von EMPEROR, DIMMU BORGIR, SATYRICON, ANCIENT, ARCTURUS, ABIGOR, BAL SAGOTH, GEHENNAH, WALLACHIA, ENSLAVED, GODKILLER, SUMMONING, DISSECTION, SACRAMENTUM, DIABOLICAL MASQUERADE, THE KOVENANT (als man sie noch COVENANT nannte), OBTAINED ENSLAVEMENT, TROLL… Ich verfolge die Karrieren dieser Bands noch immer, aber es ist klar, dass die Alben, die zwischen 1991 und 1997 rauskamen, von uns leidenschaftlich verehrt werden.

Ein Streifzug durch den französischen Black Metal

Frankreich hat ja eine variantenreiche Black Metal-Szene. Welches sind eure Favoriten aus Frankreich? Gab es 2020 ein besonders gutes Album für euch persönlich? 

Aldébaran: Es gibt schon einige gute Black Metal-Bands in Frankreich, obwohl Frankreich ja nicht wirklich bekannt ist für seine Metal- beziehungsweise Rockszene. Die französischen Black Metal-Bands, die ich mag, sind SETH, FOREST OF SOULS, CRÉPUSCULE D`HIVER, YSENGRIN, ALCEST, MORTIFERA oder BLUT AUS NORD. 

Cervantes: AORLHAC ist eine Gruppe, die ich wirklich schätze und unsere Universen sind miteinander verknüpft – wir interessieren uns beide für die Mythen und Legenden unserer Regionen. Ich verfolge AORLHAC schon seit ihren Anfängen und das ist definitiv eine französische Band, die ich sehr empfehlen kann. Außerdem mag ich HANTERNOZ und natürlich GRIFFON. Mit GRIFFON machten wir anno 2019 ein Split-Album und ihr aktuelles Album verdient wirklich Aufmerksamkeit. DEATHCODE SOCIETY finde ich ebenfalls richtig gut. 

Bei den älteren Bands würde ich das erste Album von SETH – „Les blessures de l`âme“ – nicht missen wollen. Auch die Anfänge von BLUT AUS NORD und ANOREXIA NERVOSA waren unglaublich intensiv und voller Leidenschaft. 2020 fand ich im französischen Black Metal das Album „Jehanne“ von ABDUCTION am besten – das Werk ist der legendären historisch relevanten Französin Jeanne d`Arc gewidmet. 

Schlösser und Ruinen

“…die Geschichte von DARKENHÖLD ist eng verknüpft mit dem Schloss von Villeneuve-Loubet, mit dem Turm von „La Madone“ und den Ruinen der „Castellas de Roquefort“”

DARKENHÖLD widmet sich ja mit Vorliebe dem Mittelalter und Frankreich ist bekannt für viele Schlösser und mittelalterliche Ruinen. Gibt es einen spezifischen historischen Ort in Frankreich, den ihr inspirierend und speziell findet?

Aldébaran: Mal abgesehen von den Ruinen und Schlössern, die bei uns in der Nähe sind, würde ich auf jeden Fall das Originalschloss vom Louvre empfehlen. Es ist das größte Schloss Frankreichs. Leider ist heutzutage nur noch ein Bruchteil des damaligen Glanzes vorhanden 

Cervantes: Frankreich ist voller Festungen und Schlösser. Sogar in meiner Region, den Alpes Maritimes, die ja wirklich nicht berühmt ist für Schlösser, hat mehr als 140 davon – ein Teil davon sind natürlich nur noch Ruinen. Egal wohin ich gehe – ich besichtige immer die lokalen Schlösser, jede Region ist einen Besuch wert! Aber die Geschichte von DARKENHÖLD ist eng verknüpft mit dem Schloss von Villeneuve-Loubet, mit dem Turm von „La Madone“ und den Ruinen der „Castellas de Roquefort“. Villeneuve-Loubet ist im Herzen des Songs „Le souffle des vieilles pierres“ (Der Atem der alten Steine – zudem das Motiv auf dem aktuellen DARKENHÖLD-Hoodie, Anm. AHD). Die Ruinen der “Castellas de Roquefort” sind der Fokus des Songs “Le castellas du moine brigand“ – beide sind auf unserem Album „Castellum“. Dies sind Orte, an denen wir regelmäßig Inspiration gesucht und gefunden haben – und an denen wir auch Photoshootings durchführten. 

In Honig mariniertes Fleisch

Da ihr aus Frankreich kommt, muss man fast die ultimative Klischee-Frage stellen: Welches Essen und welcher Wein passen am besten zu „Arcanes & Sortilèges“? 

Cervantes: Essentechnisch erwartet man von uns natürlich die Antwort, dass zu „Arcanes & Sortilèges“ große Stücke saftiges, in Honig mariniertes Fleisch und gefüllte Poulets passen! Die Wahrheit ist jedoch, dass wir in der Band Fleischesser und Vegetarier haben. Ich würde also empfehlen, beim Anhören von „Arcanes & Sortilèges“ auf frische Produkte beim Essen zu achten – am besten Bio und produziert von leidenschaftlichen Bauern und Profis ihres Fachs. Echt und rustikal halt! „Arcanes & Sortilèges“ verträgt sich definitiv nicht mit Industrieessen und Junkfood. Als Getränk empfehle ich Hippocras, Met, guten roten Wein oder IPA-Bier.

Live aus dem Verlies mit Fackel und Rüstung

Da Live-Konzerte noch für eine Weile kaum aktuell sein werden: Haben DARKENHÖLD über ein Streaming Konzert nachgedacht? Was ist eure Meinung zu dieser Option? 

Aldébaran: Ich denke, dass das Format für DARKENHÖLD durchaus interessant sein könnte – wir könnten ein Konzert streamen direkt aus einem Verlies, mit Fackel, Rüstung, Staub – und nebenan ein Wald! 

Cervantes: Wir wissen, dass sich dieses Format verbreitet und ich muss zugeben, dass ich kein großer Fan davon bin. Ein Konzert ist eine Erfahrung, eine Vibration, man begibt sich in den Resonanzraum der Musik, es ist die physische Dimension der Musik, die einem durch Mark und Bein geht. Es ist die Energie des Publikums, natürlich auch das Treffen der Fans, die Diskussionen am Merchandise-Stand. Die Streaming-Konzerte erscheinen mir artifiziell und körperlos, aber ich bin der Frage nicht komplett abgeneigt. Falls es jemals eine Option für DARKENHÖLD wäre, dann möchte ich, dass wir etwas mehr bieten können als „nur“ eine Art Probe auf einer Bühne…

Was sind DARKENHÖLDs Pläne für 2021? 

Cervantes: Zurück auf die Bühne und unser neues Album live im In- und Ausland promoten! Am liebsten wären wir natürlich auf einem Festivalbilling, aber wir wissen nicht, ob 2021 wirklich Metalfestivals stattfinden. Außerdem sind die meisten Plätze wohl für Bands reserviert, die 2020 dran gewesen wären. Aber wir sind bereit und können es kaum erwarten, unser Publikum wieder zu sehen.

Fotos: Les Acteurs de L’Ombre Productions