CEPHALIC CARNAGE: Satans Lieblingsfarbe ist Grün

Von NECROPHOBIC-Fans, Stimmungstees, Black Metal und Hühnern…

 

CEPHALIC CARNAGE Interviews lassen sich nicht wirklich planen. Zwar bereitet man brav seine Fragen für eine halbe Stunde Interviewzeit vor, aber wenn der Tourmanager dann meint, er könne nicht abschätzen, ob man es dann wirklich eine halbe Stunde mit den Amis aushalte, beschleichen einen leise Zweifel ob der Durchführbarkeit. Durchführbar ist auf jeden Fall schon mal das Treffen im Transilvania in Erstfeld und pünktlich sitzt man Fronter Leonard und Bassist Nick gegenüber.

Diese haben heute beschlossen, dass sie Slen und Snick heißen. Außerdem scheinen sie sich momentan eher dafür zu interessieren, ob jeder Schweizer ein Bankkonto in Zürich hat, wer Schlangenmilch macht und welche Teesorten sie kreieren würden. Außerdem bekundet Slenz sogleich, dass er ein großer Fan des allerersten NECROPHOBIC-Demos sei… Da beide allerdings sehr aktiv sind, wird es praktisch unmöglich zu rekonstruieren, wer wann was gesagt hat.

Aber erst mal willkommen zurück in der Schweiz! Ihr wart ja schon letztes Jahr da und habt am MOUNTAINS OF DEATH-Festival gespielt. Wie war dieses Festival für euch?

Ich erinnere mich daran, dass es regnete. Und es gab viele dunkle, große Felsen. Vermutlich waren das die Berge, aber man konnte es nicht erkennen. Aber es war sagenhaft, dass die Leute rausgekommen sind zu diesem Konzert. Der Regen konnte sie nicht davon abhalten. Und es hat Spaß gemacht. Wir lieben die Schweiz! Nur das Wetter an diesem Festival war nicht so toll…

Habt ihr noch andere Erinnerungen?

Wir sollten anfangen, Tee für die Menschen zu machen. Verschiedene Sorten. Zum Beispiel Insanitea. Es wären hybride Tees. Scharfe und gelbe Samen. Und dann gäbe es Brutalitea, Salamitea, Calamitea – letzterer hätte einen Fischgeschmack.

Wer sollte diese Wortspieltees denn trinken?

Also Brutalitea wäre sehr brutal. Sozusagen für den Typen, der superbrutal sein will an diesem Abend. Der kann nicht Nastea trinken, der braucht Brutalitea. Da sind dann lauter leckere Sachen drinnen. Zermahlene Vitamine, Schlangenmilch, pulverisierte Stierhoden. So wie die pulverisierten Tigerknochen in Japan. Die Leute dort ziehen sich das die Nase rauf. Man könnte es mit Absinth von hier kombinieren. Und dann sagt man sich I am going to fuck everybody in this room. Das sagt man wohl auch nach dem Suprematea. Aber wenn der Suprematea und der Bruatlitea-Typ aufeinanderstoßen, dann gibt es Krieg!

Natürlich könnte man auch noch friedlichere Tees machen. Zum Beispiel Versalitea fürs Abwechslungsreich-Sein. Und wenn du dich ein bisschen feminin fühlst, brauchst du Feminitea.

Nun, kommen wir zur aktuellen Tour. Ihr seid wieder am Touren, obwohl euer letztes Album Xenosapien schon fast zwei Jahre alt ist. Warum seid ihr wieder on the road in Europa?

Also für uns fühlt es sich an, als wäre Xenosapien gerade erschienen, haha. Darum sind wir auf Tour, um neue Songs zu schreiben. Wir haben für alle Orte eigene Riffs. Zum Beispiel über diesen kleinen bärtigen Typ, für den haben wir ein Riff mit einer galoppierenden Melodie. Dann habe wir auch einige italienische Killerriffs. Leute, die Pizza essen, werden voll drauf abfahren. Sie werden diese Riffs lieben. Und natürlich haben wir kalte und düstere Riffs aus Deutschland.

 CEPHALICCARNAGEslenzlive2009byandreasszabo
 MAYHEM wollten uns! – alles klar, Slenz

Letzteres hört sich nach Black Metal an…

Ja, sehr Black Metal! Die Duschen in Deutschland waren eisig! Kein Licht. Man musste mit einer Taschenlampe duschen.

Snick duschte sogar mit seinem iPod. Gerade als er in die Dusche kam, ging das Licht aus. Es gab einen Stromausfall, weil Leute einen Bus angezündet hatten und dadurch die Stromversorgung gekappt wurde. Auf jeden Fall hat Snick mit seinem iPod geduscht. Er hat sozusagen ein Video angeschaut, um duschen zu können.

Und apropos Black Metal: Wir werden mit MAYHEM und MARDUK auf Tour gehen.

Aber sicher nicht. Ihr macht euch doch über Black Metal lustig – wenn ich da an Black Metal Sabbath denke.

Behauptest du etwa, man kann keinen Spaß haben mit Black Metal? Nein, echt jetzt: MAYHEM wollten uns!

Ja, aber ihr habt doch diese Plastikmasken auf, wenn ihr Black Metal Sabbath spielt. Ob das beim MAYHEM-Publikum ankommt?

Die Masken sind eine Notwendigkeit. Es ist doch so: Wenn man schon völlig verschwitzt ist, kann man sich kaum Corpsepaint anlegen. Und sonst muss man den Song immer am Anfang spielen und dann läuft das Corpsepaint im Lauf des Gigs runter. Also tragen wir die Masken. Der Song wird authentischer mit den Masken. Snick sieht richtig evil aus!

Genau, was ist böser als eine Tragödie? Das ist wie grün und rot. Satans Lieblingsfarbe ist grün. Wir lieben Black Metal. Und wir können sieben verschiedene Arten Englisch sprechen.

Mit PSYCROPTIC habt ihr ja einige Kollegen mit auf Tour, die noch ein anderes Englisch sprechen. Was ist das Merkwürdigste, was die Tasmanen bisher angestellt haben?

Sie sind schon irgendwie merkwürdig. Alle vier Typen schlafen in einer Koje. Und sie brauchen die anderen drei Kojen für ihr Gepäck. Manchmal ziehen sie sich ihre Speedo-Badehosen an und gehen zusammen duschen. Das muss so eine australische Tradition sein, haha.

Aber sie sind coole Typen, wirklich. Wir haben es sehr lustig zusammen. Wer dieses Interview wohl lesen wird? Sogar Deutsche werden es lustig finden, haha!

Ihr seid aber nicht immer lustig. Touched by an angel ist ja eher kritisch gegenüber der organisierten Religion, oder?

Nicht unbedingt. Es war einfach ein cooles Thema für eine Story. Eine Story über ein Kind, das in Amerika missbraucht wird. Und weil wir in Amerika sind, wird der Missbrauch nicht aufgedeckt, angeprangert und die Missstände behoben. Nein, die Opfer werden ausgezahlt. Wie es in ihnen aussieht, ist egal. Und schon wird wieder jemand anderes zum Opfer. Es schien einfach eine gute Story zu sein. Außerdem hat es einen coolen Clean-Gesang-Chorus. Alles was du in einem Black Metal-Song haben willst, haha!

Hast du übrigens schon mal was von VON SCHNITZEL gehört, der MANOWAR Tribute-Band?

Nein, zum Glück nicht…

Also, sie sind ein bisschen heavier als MANOWAR. Und sie tragen fellige Windeln. Es gibt ja auch noch MANOWAR GRINDER. Die nehmen MANOWAR-Riffs und machen Grindcore daraus.

Und hast du gewusst, dass der NECROPHOBIC-Gitarrist auch bei SNIFELHEIM ist?

Okay, jetzt begibst du dich aufs Glatteis, haha…

Nööö. Die Jungs von SNIFELHEIM sind großartig. Wir haben zusammen mit ihnen gespielt in Mexiko. ENTOMBED, MOONSORROW und MARDUK waren auch dabei. Aber wir sind vor allem mit den SNIFELHEIM-Jungs rumgehangen. Ihre Old School-Songs haben uns völlig aus den Socken gehauen.

Mit NECROPHOBIC haben wir auch mal gespielt. Es war, glaube ich, am Fuck the Commerce. Das ist sehr lange her. Aber man musste es in Love the commerce umbenennen, haha. So viel Liebe. So viel Blümchensex.

Sex, Religion, Weed – alles heikle Themen in den USA, die ja als eher konservativ in diesen Belangen gelten. Wenn ihr was verändern könntet an den USA, was wäre es?

Die Schuhe. Ein funktionierendes Krankenkassensystem wäre auch gut. Freiheit und Alkohol sollten legalisiert werden. Und man sollte ein Hundeverbot für Vergnügungspark, die keine Minderjährigen bedienen, verlassen. Außer wenn die Minderjährigen eine gefälschte ID haben.

Dieses Interview scheint kaum ernst weitergehen zu können. Da ihr Black Metal Sabbath zelebriert: Gibt es eine Black Metal-Band, die ihr ernst nehmen könnt?

MAYHEM, natürlich. Ich schätze sie seit Deathcrush, also schon ziemlich lange. Das ist für mich Black Metal. Und natürlich alte SODOM, POSSESSED, VENOM. MAYHEM haben das Ganze einfach weitergeführt und ihren Stempel draufgedrückt. Das mag ich, das ist Black Metal. WONTON-WATAIN mag ich weniger. Das ist Käse. Ich mag Black Metal, wenn ich ihn mir nicht rund um die Uhr anhören muss.

Außerdem werden wir einen neuen Black Metal-Song kreieren. Die Leute in Norwegen und Schweden werden uns hassen, weil er so viel besser sein wird als alle anderen Black Metal-Songs. Ein Song, der ist, als würdest du ohne T-Shirt durch den Schnee stapfen, nur mit deinen Spikes. Du bist vollständig durchgefroren. Deine Brust tut weh und du schreist aaargh!. Und du wirst schreien und den Schnee verfluchen. Du wirst dem Schnee drohen, ihn in die Hölle mitzunehmen, wo er komplett schmelzen wird..

Und christlichen Metal Bands wird das Lachen auch vergehen. So wie DIAPER aus den USA. Sie schreiben ihren Namen wie STRYPER, haha.

 CEPHALICCARNAGEinterview2009slenzandipodbyandreasszabo
John Travolta war krass, der Grease-Soundtrack extrem – und Slenz` Ipod-Ghettoblaster ist eine wahre Schatztruhe an Genregrenzerfahrungen

Ihr seid musikalisch ja sehr vielseitig. Welche Band war denn der erste Kontakt mit extremer Mucke?

Also damals in den 70ern, da war John Travolta voll krass. Der Grease Soundtrack, das war extrem für mich. Und dann hörte ich die SCORPIONS. Später dann SLAYER, METALLICA. Verdammt. Verdammt, verdammt. Tripledamn!

Und was sind Aquaphobics, die in eurem Song Megacosm of the Aquaphobics vorkommen?

Das sind Menschen, die unter Wasser leben, aber allergisch auf Wasser sind. Es ist hart. Sehr hart. Wie wenn ein Frosch gegen Wasser allergisch ist. Eine sehr schmerzvolle Existenz. Und dann sind ja da auch noch die Aliens im Wasser. Aber die Aliens sind schneller und smarter – das macht das Leben der Aquaphobics umso härter.

Ihr singt ja auch über mentale Krankheiten, Abartigkeiten, Dinge, die Menschen fürchten. Vor was habt ihr Angst?

Slenz: Mein Schatten. Der ist ziemlich furchteinflößend. Vor allem, wenn deine Wahrnehmung dir Streiche spielt.

Snick: Ich habe Angst vor – nein, nicht Duschen. Ich habe Angst vor Kreisen. Augäpfel, CDs, Donutlöcher, auch einige Parabeln finde ich furchteinflösßend. Und ich fürchte mich davor, keine Luft mehr zu kriegen, wenn ich durch den Blasenmacher eines Whirlpools atme und unter Wasser bin.

Live bringt ihr ja sehr viel Energie rüber und seid ständig in Bewegung. Macht ihr sonst noch welchen Sport?

Slenz: Ich betreibe Hosentaschenpingpong. Den ganzen Tag. Ich habe auch ein goldenes Gewand.

Snick: Wir schlagen ihn regelmäßig. Trotz seinen ganzen Schutzpolstern.

Slenz: Ja, sie haben mich geschlagen. Aber ich habe meine Eishockey-Sachen immer bei mir. Wenn wir mit kanadischen Bands touren, gewinnen wir so ihre Herzen für uns.

Ich habe nicht nur einmal gelesen, dass ihr gerne Gras raucht vor euren Gigs. Wie wichtig ist das Weed beim Songwriting-Prozess? Geht es überhaupt ohne?

Also wir brauchen auf jeden Fall Orangensaft, wenn wir Songs schreiben. Weed ist einfach eine Erweiterung unserer Fröhlichkeit. Einige Leute wollen sich betrinken, andere wollen zugekifft sein. Man kann dieselbe Musik kreieren, egal ob man auf Weed ist oder nicht. Es kann dich natürlich beeinflussen, das ist klar. Aber manchmal schreibst du auch nüchtern die besten Songs. Oder du wachst auf, weil du ein tolles Riff geträumt hast. Du nimmst es rasch auf, dann schläfst du wieder weiter. Und wenn du dann aufstehst und es dir anhörst, denkst du dir: Damn, I was sleep-writing again!.

Und wie hält ihr es mit dem Internet? Segen oder Fluch?

Es kann zum einen ein Fluch sein. Es macht Menschen zu Zombies. Alle hocken vor ihren Kisten und sind im MSN-Chat. Statt miteinander zu sprechen, teilt man den anderen via MSN mit: Wir haben Soundcheck. Und man wird süchtig nach seinem Wi-Fi.

Andererseits ist es auch unheimlich praktisch. Man kann die Gästelisten überprüfen, Interviews abmachen, sich damit amüsieren. Es ist witzig: Einerseits kann es dich zum Zombie machen, andererseits kann es dich beliebt machen. Es gibt also immer Vor- und Nachteile.

Kommen wir nochmals zum kreativen Teil zurück. Ihr habt ja vorher gesagt, dass ihr schon fleißig Material schreibt für den Xenosapien-Nachfolger.

Genau. Wir gehen nach Hause und nehmen das neue Album auf. Wir brauchen etwa drei Wochen, um das Material zu perfektionieren und zu arrangieren. Und dann wird aufgenommen – im April.

Im Mai sind wir ja dann in Japan unterwegs, unter anderem mit DESTRUCTION. Und danach touren wir in den USA mit MARDUK und MAYHEM. Es ist die 25-Jahre-Jubiläumstour von MAYHEM. Darauf freuen wir uns schon extrem.

 CEPHALICCARNAGEInterview2009slenzandsnickbyandreasszabo
Das Huhn wird bellen – CEPHALIC CARNAGE über den ultimativen Black Metal-Song

Bei soviel Live-Aktivitäten frage ich mich, wann man sich CEPHALIC CARNAGE endlich via DVD gefahrlos ins Wohnzimmer holen kann…

Yeah. Wir haben massig lustige Killeraufnahmen. Dazu kommen die Videos. Es wird auf jeden Fall ein extravaganter Release. Inklusive T-Shirt, auf welchem steht I got this DVD but that`s all I got oder so. Und der Titel der DVD wird sein: Live at your Mom`s house. Ein witziges Wortspiel, es kommt drauf an, wie man live ausspricht, haha.

In dem Fall erübrigt sich die Frage nach weiteren Zukunftsplänen, oder?

Wir werden weiter Metal machen. Und wir werden den besten Black Metal-Song schreiben, den es je gegeben hat!

Wir wissen, dass es 19minütige Doom Songs gibt. Wir werden das gleiche für den Black Metal kreieren. Pures Geblaste, nur Vocals, keine Pausen. Alle Gitarrenlines werden von Vocals übernommen. Bart von THE BLACK DAHLIA MURDER wird mit seinem Mund alle Basslines machen. Und dann laden wir all diese wichtigen Gastsänger ein, und lassen sie gleichzeitig ein Huhn anschreien. Das Huhn wird in einem Käfig sein. Und dann fängt es an zu bellen. Wir freuen uns schon sehr darauf.

Und dann werdet ihr das traumatisierte Huhn essen, nehme ich an.

Nein, dem Huhn passiert nichts. Vielleicht fängt es auch an zu sprechen. Oder es ist eben traumatisiert wegen dem verbalen Missbrauch, den wir an ihm begehen. Aber nachher wird das Huhn unser Haustier.

Layout: Arlette Huguenin D.
Fotos und Titelgraphik: Andreas Szabó