BURST: Ein Schokoriegel nach dem Schneesturm

"Lazarus Bird" ist schlichtweg die musikalische Offenbahrung des Jahres. Ebenso wie die Vorgängeralben "Prey on Life" und "Origo" wird hier große, emotionale Musik, mit der für eine Rockband einzig richtigen Attitüde, so natürlich, so einmalig dargeboten, dass man sich darin verliert und dass einem vor Begeisterung die Superlative ausgehen. Dennoch ist nicht alles beim alten, drei harte Jahre haben BURST geprägt, es gab Querelen mit Labels, dem Privatleben und einem Blizzard, wie der furchtbar nette Gitarrist und Songwriter Jonas Rydberg per Telefon berichtet.

Lazarus Bird ist schlichtweg die musikalische Offenbahrung des Jahres. Ebenso wie die Vorgängeralben Prey on Life und Origo wird hier große, emotionale Musik, mit der für eine Rockband einzig richtigen Attitüde, so natürlich, so einmalig dargeboten, dass man sich darin verliert und dass einem vor Begeisterung die Superlative ausgehen. Dennoch ist nicht alles beim alten, drei harte Jahre haben BURST geprägt, es gab Querelen mit Labels, dem Privatleben und einem Blizzard, wie der furchtbar nette Gitarrist und Songwriter Jonas Rydberg per Telefon berichtet.

Hallo Jonas, wie – schon wieder zurück aus Russland und der Ukraine?

Hallo Captain! Ja, wir sind seit Montag zurück und erholen uns von den Konzerten.

Wie waren die ersten Konzerte mit dem neuen Material?

Sie waren wirklich schön. Aber wir haben nur drei neue Stücke gespielt, auch weil im Publikum noch niemand das Material kannte. Es kam allerdings wirklich gut an und hat uns viel Spaß gemacht.

Das ist gut zu hören. Ich freue mich schon sehr auf eure Europatour, gerade nach eurem neuen Album Lazarus Bird. Es sind drei lange Jahre seit Origo vergangen. Was war los in dieser Zeit?

Wir haben recht viel für Origo getourt, zumindest für unsere Verhältnisse und uns danach entschieden, ein paar Monate Auszeit zu nehmen, um Inspiration zu sammeln und unsere Privatleben zu sortieren. Es verging einige Zeit, bis wir überhaupt damit begannen, Lazarus Bird zu schreiben, was dann außerdem ein sehr langwieriger Prozess wurde. Hoffentlich dauert es nicht mehr genauso lange bis das nächste Album fertig gestellt sein wird. Das ist natürlich auch blöd zu sagen, denn Lazarus Bird hat eben seine Zeit gebraucht und wir sind sehr glücklich, wie es geworden ist.

Ich denke, das neue Album zeigt einen riesigen Schritt vorwärts, die Songs sind viel länger, halten eine erstaunliche Balance zwischen den sanften und den heftigen Teilen. War das Teil der natürlichen Entwicklung?

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, etwas zu erschaffen, das in eine andere Richtung geht als Origo, etwas Dunkleres, Heftigeres. Aber die Länge der Songs ist nichts über das man spricht, das passiert einfach, wenn man mitten im Songwriting steckt.

In jedem der Stücke stecken viele Drehungen und Wendungen, ohne dass auch nur ein Song den roten Faden verliert. Die Arrangements waren eine schwierige Angelegenheit, richtig?

Das ist etwas, an dem wir schon lange arbeiten, wir hatten immer diese großen Pläne, wie es klingen soll und wir stecken immer sehr viel Energie und Arbeit in die Arrangements. Das kommt daher, dass wir schon sehr lange zusammen Musik machen und gemeinsam als Musiker wuchsen. Die Musik zu schreiben war bei Prey on Life und Origo nicht so sehr das Problem, die Arrangements waren hier der Knackpunkt. Wir waren dieses Mal so froh, als wir während des kreativen Prozesses feststellten, dass wir alles haben, was wir brauchen. So gesehen ist Lazarus Bird unser bisher ehrlichstes Album. Wir haben das Vertrauen in uns selbst, uns wirklich gehen zu lassen und unsere Ideen fließen zu lassen. Obwohl die Songs lange und die Arrangements komplex sind, ist es zu nicht schwierig der Musik zu folgen, es ist einfach Musik die dahin fließt.

Der erste Song, der mir wirkliche Gänsehaut verschafft hat ist We Are Dust. Dieser Song geht so sehr unter die Haut, beinhaltet großartige Arrangements und Dynamiken. Es scheint so, als wäre dieses Stück auch für euch etwas Besonderes.

Es erinnert mich an einige Sachen, mit denen ich damals aufgewachsen bin, an RAINBOW und IRON MAIDEN in ihrer mittleren Phase, als sie sehr lange Songs hatten. Eigentlich ist es ein Heavy Metal-Song, oder viel mehr ein Tribut daran. Es war toll, dieses Stück zu schreiben. Außerdem war es eine der ersten Nummern, die wir für Lazarus Bird schrieben, deshalb ist sie auch so verspielt. Wenn sich die Stimmung eines Albums noch nicht so richtig entfaltet hat, dann wirkt sich so ein Song auf den Gesamteindruck enorm aus. Außerdem hat er so eine seltsame Struktur, es gibt keine wirklichen Strophen und Refrains, aber er funktioniert als Song, und das finde ich toll.

Das Stück beginnt langsam und wird sehr dramatisch, hat eingängige Leadgitarren und beißt sich im Hörer fest. Das ist weniger ein Song aus dem Hirn, mehr vom Herzen.

Das ist absolut richtig. Wir sprachen intern viel darüber, wie die Strukturen der einzelnen Lieder ablaufen sollen, wo wir hinwollten, und dann ließen wir es aus uns heraus. Jeder Song repräsentiert eine gewisse Stimmung, und mit jedem Song erzählen wir eine bestimmte Geschichte.

 BURST
Anstatt extrem, progressiv oder originell zu klingen, wollen wir nur so gut wie möglich klingen. Alles steht und fällt mit der Qualität.

Obwohl es gleichermaßen viele ruhige wie heftige Teile auf Lazarus Bird gibt, hört man immer heraus, dass ihr eine Rockband seid.

Absolut, wir sind zwar nicht am Zahn der Zeit mit unserer Musik, aber wir fühlen uns als Rock-, bzw. Metalband. Der Weg, den diese Musikrichtung dieser Zeit geht, also dass alles immer extremer werden muss, führt direkt in eine Sackgasse hinein. Also anstatt extrem, progressiv oder originell klingen zu wollen, ist unser einziges Bestreben, so gut wie möglich zu klingen. Lazarus Bird ist einfach ein Heavy Rock-Album, wir müssen in kein Genre damit gesteckt werden, es muss gut sein, aber es muss nicht das Coolste und Angesagteste sein, das es gibt.

Dieser Versuch, das extremst Mögliche zu erschaffen, bedeutet oft Qualitätsverlust.

Absolut. Diese neuen, überschnellen Grindcorebands übertreffen die Klassiker wie BRUTAL TRUTH und NAPALM DEATH in keiner Weise. Das hat oft keine Eier und keine richtige Attitüde.

Wie haben sich MASTODON auf eure Musik ausgewirkt? Gerade im Bereich der Leadgitarren meint man, sie als Einfluss herauszuhören, auch wenn ihr deutlich melancholischer veranlagt seid.

MASTODON haben auf ihren Alben gezeigt, wie weit das Gitarrenspiel gehen kann. Sie bringen den Spaß zurück, Heavy Metal zu spielen und das machen sie großartig. Ursprünglich sind wir aber ebenso wie sie vom Fundament dieser Musik, wie IRON MAIDEN und so weiter, inspiriert. Diese Harmonien haben meiner Meinung nach viel Melancholie inne.

Lass uns auf den Titel Lazarus Bird zu sprechen kommen. Im neuen Testament wurde Lazarus durch Jesus von den Toten auferweckt – aus der Schwärze ins Licht geholt. Musikalisch ist euer neues Album ein Werk über Hoffnung, wie ein Vogel, der ins Licht fliegt.

Das kann ich nachvollziehen. Textlich geht es um viele solche Dinge – wie ich schon sagte, wussten wir nach den Touren zu Origo nicht so recht, wie es weiter gehen sollte und einige von uns hatten mit schweren privaten Problemen zu kämpfen. Irgendwann kamen wir an einen Punkt, an dem wir uns fragten, ob wir dieses Ding noch durchziehen wollten, oder ob wir es sein lassen würden. BURST ist für uns aber eine Leidenschaft, etwas, das wir wirklich tun müssen, um wieder auf die richtige Spur zu kommen – das kommt deiner Interpretation schon wirklich nahe. Es geht darum, von den Toten aufzuerstehen, es geht um Inspiration, es geht darum froh zu sein, dass man am Leben ist.

Die Texte hab ich leider noch nicht gelesen, Origo war ja sehr offen für Interpretationen, aber trotzdem direkt. Es verhält sich auf Lazarus Bird sicherlich ähnlich.

Im Falle von Lazarus Bird ist es nicht viel anders, viel mehr geht es noch mehr um einfache und alltägliche Dinge. Wir sind nun alle über 30, wir müssen nicht gezwungen obskure, anspruchsvolle und absonderliche Dinge zu Texten verarbeiten. Wir sehen uns die Welt an, wie sie funktioniert, ebenso unsere Beziehungen, die Band, alles was uns betrifft. Es ist wirklich ziemlich direkt. Wenn ich Texte schreibe, dann achte ich sehr darauf, dass Linus (Jägerskog – Sänger, Anm. d. Verf.) auch Themen kriegt, die ihm etwas bedeuten. Das spornt auch ihn an, seine Gesangslinien entsprechend anzupassen. Nicht nur die Musik ist sehr verspielt, auch die Vocals haben viele Experimente parat. Das alles geht Hand in Hand.

Puh, komplexere Musik, einfachere Texte. Das klingt nach einem sehr spannenden Konzept – ich freue mich schon darauf, all das zu lesen.

Ja, das musst du tun. Wie gesagt, es ist nichts extrem Anspruchsvolles, Verschachteltes. Die Musik kommt bei BURST immer an erster Stelle. Jesper (Liveröd, Bass – Anm. d. Verf.) und ich schreiben die Texte und natürlich will niemand von uns, dass wir über Drachen, Schwerter oder Zombies singen, also geht es viel mehr um persönliche Dinge.  

Übrigens liebe ich den Humor, den ihr auf eurer Homepage präsentiert. Ich denke vor allem dabei an den Newseintrag, kurz nachdem ihr mit dem Songwriting begonnen habt, dass es euch noch gibt und dass ihr das beste Album schreibt, das es seit vielen Jahren zu hören gibt. Einerseits war das mit einem Augenzwinkern, aber ihr hattet verdammt recht.

(lacht) Ja, ich finde es wirklich langweilig, wenn sich so viele Bands selbst so extrem ernst nehmen und natürlich geht es um Musik, die ernst gemeint ist und die die eine Bedeutung hat. Wir hassen es, von Menschen umgeben zu sein, die niemals lachen. Es wäre einfach idiotisch, wenn wir uns selbst so böse und düster präsentieren würden. Es ist doch so viel natürlicher und leichter, einfach nur man selbst zu sein und kein dämliches Image zu pflegen, wenn privat sowieso niemand so drauf ist. Das Einzige, dass für uns zu sprechen hat, ist die Musik und kein Image.

Vor allem könnt ihr die Musik sprechen lassen, da ihr stets als Musiker am Wachsen seid. Ich meine, technisch habt ihr einen enormen Schritt gemacht, vor allem euer Drummer Patrik Hultin. Wenn ich seine Performace auf In Coveting Ways vergleiche, mit dem was er heute spielt…

Er kommt ursprünglich aus dem Punk. Die Songs, die Robert (Reinholdz – Gitarre und Gesang, Anm. d. Verf.) und ich heutzutage schreiben, wären für ihn unmöglich zu spielen, wenn er sich nicht weiterentwickelt hätte. Wir alle sind als Musiker sehr gewachsen und genau das ist der Grund, warum es uns noch gibt. Bei BURST geht es primär um die Weiterentwicklung, und ich hoffe es werden uns nie die Ideen und Möglichkeiten ausgehen.

Apropos Entwicklung, wenn ich mir heute Prey on Life anhöre, dann war es, ebenso wie Origo und nun Lazarus Bird, ein Soundtrack zu meinem Leben in dieser Zeit und diese Diskografie repräsentiert ebenso meine Entwicklung wie die eure.

Wir sind keine Band, die den Druck hat, von der Musik zu leben. Wenn wir ein Album schreiben würden, das niemand mag, dann wäre uns das egal, denn wir verdienen damit eben nicht unseren Lebensunterhalt. Es gibt genügend Platten, denen man anhört, dass eine Existenz daran hängt. Wir hingegen machen die Musik für uns selbst, um uns selbst auszudrücken und glücklich zu machen. So gesehen ist es für uns nicht gefährlich, abenteuerlustig zu sein.  

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 Wir sind alle über 30, wir müssen nicht gezwungen obskure, anspruchsvolle und absonderliche Dinge zu Texten verarbeiten. Jonas Rydberg (Mitte) über den Reiz des Bodenständigen.

Nachdem ihr nun relativ gefestigte Leben habt, stellt sich doch die Frage, wie ihr die vom Label angekündigten, großen Tourpläne mit eurem restlichen Leben verbindet.

Wir alle haben Jobs, bei denen es für unsere Chefs kein Problem ist, dass wir in Rockbands spielen und dass wir Zeit brauchen, für die wir unentgeltlich Urlaub kriegen. Das funktioniert bisher wunderbar. 

Das klingt sehr gut. Eine Veränderung ist übrigens beim Gesang zu sehen, auf Origo habt ihr begonnen mit klarem Gesang zu arbeiten. Die Gewichtung ist nun aber 50% klarer Gesang und 50% extremer Gesang. Bildet Linus seine Stimme nun auch in Richtung klarem Gesang weiter?

Nein, Robert macht nach wie vor den harmonischen Gesang, aber Linus entwickelt seine Stimme auch deutlich weiter, variiert seinen Gesang, wird auch melodischer, allerdings nicht so wie Roberts Vocals. Früher, auch zu Zeiten von In Coveting Ways, war er deutlich mehr inspiriert von Bands wie AT THE GATES. Ebenso wie der Rest der Band, hat auch er das Bedürfnis immer etwas Neues zu versuchen und sein Bestes zu geben. Du hast vorher gesagt, dass du Patriks Entwicklung bemerkenswert findest, ich bin der Meinung dass sich Linus sogar noch mehr verbessert hat als Patrik.

Mir fallen spontan fünf eigentlich großartige Bands ein, die sich musikalisch mit jedem Album enorm verändern, aber bei denen der Gesang beim Niveau des Debüts stehen bleibt.

Wir arbeiten extrem hart daran, viele verschiedene Stimmungen in unsere Musik zu bringen und wirklich dynamisch zu spielen. Alles andere wäre auch dumm. Nachdem niemand von uns nur eine einzige emotionale Stimmung hat, wollen wir die vielen verschiedenen Facetten so gut wie möglich rüberbringen und authentisch darbieten. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Album, auf dem uns alles hoffentlich noch besser gelingen wird.

Dieses Mal habt ihr in einem anderen Studio aufgenommen.

Ja, aber auch wieder mit Fredrik Reinedahl. Es war nur im Bohus Sound Studio, das liegt zwanzig Minuten außerhalb von Göteborg und gehört Dragan Tasmankovic, der Lazarus Bird auch gemastert hat. Es ist aber ansonsten dieselbe langweilige Geschichte, wie die anderen Male, als wir im Studio waren. Immer noch die gleichen Typen beim Basteln.

Ich finde aber, dass der Klang aus dem Bohus Sound Studio schon anders klingt, als auf euren anderen Alben. Ziemlich einzigartig, bisweilen rau und sehr altmodisch, auf jeden Fall keine moderne Metalcore-Produktion.

Wir wollten etwas, das wirklich heavy klingt, es sollte bodenständig und hart klingen, wir haben dabei viel an METALLICAs Black Album gedacht und an SLAYER. Der Sound von Origo war doch zu verwaschen und zu weich, es sollte in eine ganz andere Richtung gehen. Die Aufnahmen zu Lazarus Bird waren die Hölle, die erschöpfenste Erfahrung in meinem Leben. Wir hatten dieselbe Studiozeit gebucht wie zu Origo, weil Robert und ich Idioten sind und nicht daran dachten, dass die Songs auch doppelt so lange sind wie die von Origo. Wir mussten wie die Wahnsinnigen shredden um mit der Zeit zurecht zu kommen, jeder von uns hat pro Tag teilweise 23 Stunden gespielt, das ging brutal an die Substanz. Aber es ist gut geworden.

Auf Youtube gibt es einen Studioreport, bei dem du Patrik fragst: Was ist los, wir sind fünf Stunden hier und die Drums sind noch nicht fertig eingespielt. Gibt es Probleme?

Das trifft den Wahnsinn eigentlich ziemlich genau. So hat unser Zeitplan ausgesehen. Patrik hatte zwei Tage für die Drums, und Robert und ich hatten insgesamt zwei Tage für die Gitarren. Der einzige von uns, der ein wenig mehr Zeit hatte, war Linus, denn er nahm in einem anderen Raum, über einen anderen Computer, auf. Als wir die jeweiligen Gitarrentracks fertig hatten, luden wir sie auf seinen Computer, so dass er da schon arbeiten konnte.

Man hört das aber. Der Gesang ist sehr liebevoll produziert. Bei I Hold Vertigo gibt es zum Beispiel eine Stelle, an der über eine ruhige Gitarre, leiser Schreigesang gelegt wurde, der sich zu überschlagen scheint. Das ist wirklich sehr kreativ.

Du meinst nicht, dass es Roberts Gesang war? Vielleicht bin ich gerade ein wenig verwirrt, ich habe das Album schon ein paar Monate nicht mehr gehört. (lacht) Du weißt das momentan vermutlich besser als ich.

Hattet ihr Zeit im Studio mit anderen Instrumenten, wie Synthesizer zu experimentieren?

Es gibt auf Lazarus Bird eigentlich keine Synthesizer zu hören. Es gibt nur einen versteckten Einsatz davon, und zwar im Intro von Momentum. Alles andere sind Gitarren. Wir haben im Proberaum so ziemlich alles komplett ausgearbeitet. Deshalb können wir auch fast alles davon live projezieren, auch wenn so viele Gitarrenspielereien darauf zu hören sind. Origo hingegen hatte viel mehr spontane, experimentelle Passagen drin, die erst im Studio entstanden sind, es waren viele Orgeln, Akustikgitarren und ähnlicher Kram drauf. Lazarus Bird wurde auch mit drei Gitarren geschrieben und aufgenommen, aber es wird live viel besser klingen als das Material von Origo.

Das Saxophon in Nineteenhundred klingt aber doch sehr spontan. Das war wohl nicht geplant.

Ich bin Postbote und ein Kollege von mir hat das Saxophon eingespielt: Ulf Eriksson, der auch Schlagzeuger bei THE GREAT DECEIVER ist. Ich kann dieses Instrument nicht spielen, dennoch habe ich versucht, die erste, melodische Hälfte von dieser Stelle zu schreiben, danach sollte Ulf einfach nur durchdrehen. Es war schon geplant, dass er einen Gastauftritt haben sollte. Der Song erinnert irgendwie an MOS GENERATOR und KING CRIMSON, da passt so eine Stelle perfekt rein.

Kommen wir zum Artwork von Lazarus Bird. Am meisten verbreitet ist das von Orion Landau, welches ihr

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Vielleicht der größte Mist, der uns jemals passiert ist. Jonas Rydberg über die Verständigungsprobleme zwischen Label und Band beim Artwork.

auf der CD-Version von Relapse habt. Darauf ist nur eine direkte Interpretation des Titels zu sehen. Das Cover der LP, welches ich leider noch nicht in einer anständigen Auflösung gesehen habe, scheint viel interessanter und unkonventioneller zu sein.

(flippt geradezu aus) Vielen Dank, das freut mich wirklich sehr! Das Relapse-Artwork ist vielleicht der größte Mist, der uns jemals passiert ist. Wir haben mit unserer Plattenfirma an diesem Cover gearbeitet, haben Emails hin und her geschickt und schließlich erhielten wir dieses Artwork von Orion, das niemand von uns mag. Wir waren wirklich sauer, es ist furchtbar ein Cover zu haben, mit dem sich niemand identifizieren kann und das wirklicher Bullshit ist. Wir sind aber sehr glücklich, dass wir auf Vinyl zurückgreifen können und die eigentliche Version des Albums veröffentlichen können. Deshalb rate ich jedem, das Vinyl zu kaufen. Natürlich möchte ich generell, dass sich die Leute Lazarus Bird kaufen, aber wenn sie unsere Version des Albums haben möchten, dann müssen sie zur Schallplatte greifen. Die optische Interpretation der CD-Version ist kindisch, mit so einem dämlichen Vogel darauf – es geht doch gar nicht um einen Vogel, das ist nur eine Metapher. Das ist beschämend.

Das Cover der Schallplatte sieht sehr altmodisch aus, was ich gesehen habe erinnert mich an die Animationen alter Science Fiction-Filme. Ich liebe das.

Du bist schon auf dem richtigen Weg, es ist in dem russischen Sci-Fi-Look des frühen 20sten Jahrhunderts gehalten. Es unterstreicht das dunkele, kribbelige Gefühl der Musik sehr gut. Dieses Cover repräsentiert die Musik perfekt, es ist wirklich großartig geworden. Du wirst auch nicht lange warten müssen, die Schallplatte wird im Oktober diesen Jahres noch rauskommen. Vinyl ist uns auch sehr wichtig, wir haben eine größere Fläche für das Artwork und es hat viel bessere Klangqualität.

Was erwartet ihr euch eigentlich von den nächsten Monaten, speziell was die Veröffentlichung von Lazarus Bird betrifft?

Ich freue mich sehr darauf zu erfahren, was die Leute davon halten, wie überrascht sie sein werden. Mich interessiert, in welche Kategorien sie es packen. Einige werden sicher verwundert sein, dass wir anders klingen, als noch auf Origo und werden es seltsam und schräg finden, andere werden es hoffentlich mögen und supercool finden. Weil es das auch ist. (lacht) Wir freuen uns auch so viel wie möglich zu touren. Es geht in Skandinavien im Herbst und Winter diesen Jahres los, im Februar werden wir dann in Europa loslegen und weitermachen, bis die Festivalsaison beginnt. Wir werden diesbezüglich sehr hart arbeiten, weil wir auch extrem stolz auf Lazarus Bird sind.

Dann kommt ihr hoffentlich wieder als Headliner auf Tour.

Ja, das hoffe ich auch. Es wird wohl eine Co-Headliner-Tour mit einer anderen europäischen Band werden, aber da steht noch nichts fest.

Übrigens, auf eurer letzten Headliner-Tour im Frühjahr 2006 konnte ich euch leider nicht sehen, weil ich da komplett eingeschneit war und es unmöglich war, das Haus zu verlassen. Kannst du dir das vorstellen?

Wir waren auch eingeschneit, es war unglaublich. Das war in München, an einem Samstag. Wir haben den Club fünf Minuten vor dem Auftritt erreicht, nirgends ging mehr etwas, und das im März. Ich aß nur einen Schokoriegel und dann ging es los zu spielen. Morgens mussten wir unseren Van unter den Schneemassen ausgraben, nur um dann in Richtung Heimat zu fahren und irgendwann irgendwo zu schlafen. Es war ein Albtraum, das kann ich dir sagen.

Wie sieht es eigentlich mit einem Videoclip zu einem der Songs von Lazarus Bird aus?

Unsere geliebte Plattenfirma hat noch nichts verlauten lassen, ob wir das Budget für einen Clip zur Verfügung gestellt bekommen. Aber so wie es aussieht, wird Lazarus Bird gut anlaufen, die Presse liebt das Album, hoffentlich auch die Fans. Und dann werden wir so etwas schon durchboxen können.

Meine Prognose ist schon, dass ihr mit diesem Album deutlich nach vorne kommen werdet. Origo lief ja schon nicht schlecht, und ich bin mir sicher, dass ihr einige Fans dazu gewinnen werdet, auch weil ihr nun zeigt, dass ihr mehr seid als nur ein Metal-Hardcore-Hybrid.

Super, das ist gut zu hören. Wir hatten anfangs schon bedenken, dass sie Fans vor den langen Songs Angst haben würden und dass sie progressives Ausflippen erwarten würden. Aber inzwischen habe ich ein gutes Gefühl, weil wir einfach fünf Typen sind, die Rockmusik spielen. Und das ist alles.

Ein tolles Schlusswort. Jonas, wir sehen uns im Februar.