AKNE KID JOE: “Wir sind allergisch auf voll viel, vor allem auf ,Summer of 69’ von Bryan Adams”

Foto: Dan Brunke

Eine der lässigsten, überraschendsten und herzerfrischendsten Platten des frisch verblichenen Jahres ging auf das Konto von AKNE KID JOE. Auf ihrem Debütalbum „Karate Kid Joe“ schrammeln die Synthiepunks aus Nürnberg so dermaßen herzhaft einen auf, dass es eine wahre Freude ist.

Zwei Akkorde, dazu eine wepsige Kinderorgel, die Texte mit latentem fränkischen Zungenschlag sarkastisch herausgeschrien. Ließ die 7-Inch-Vinylsingle „haste nich gesehn!“, die an einem Wochenende entstand, schon aufhorchen, so ist die erste vollständige LP „Karate Kid Joe“ ein Volltreffer geworden. Was handwerklich fehlt, machen Sarah, Matti, Peter und Sven mit Enthusiasmus, Kreativität und jugendlicher Unbeschwertheit wett. Und: Die Band hat ein Händchen für Hits, wie nicht nur die Nummern „Hey Daniel!“ und „Die zündende Idee“ beweisen, zu denen sehr lustige Videoclips entstanden sind. In den 13 kurzen, wütenden Liedern auf „Karate Kid Joe“ kriegen der bayrische Ministerpräsident Markus Söder und Poetry Slammerin Julia Engelmann ebenso ihr Fett weg wie besorgte Bürger, weitgereiste Globetrottel und die Kleinstadt-Kumpels von früher.

Über sich selbst sagen AKNE KID JOE: „Wir sind der picklige kleine Scheißer aus der ersten Reihe und sind allergisch auf voll viel, vor allem auf ,Summer of 69’ von Bryan Adams. And after all, we’re your wonderwall.“ Ring frei für ein langes Gespräch mit Gitarristin und Sängerin Sarah.

Sarah, herzlichen Glückwunsch: „Karate Kid Joe“ ist ein Mörder-Debütalbum geworden. Die 7-Inch-Vinylsingle „haste nich gesehn!“ war schon cool, aber das Album ist echt ein Quantensprung. Seid Ihr zufrieden?
Sarah: Ja, wir sind auf jeden Fall zufrieden. Wir haben den kompletten Winter über daran gearbeitet, uns jede Woche getroffen, Aufnahmen gemacht, wieder verworfen, zusammen mit einem Freund am Layout der LP gebastelt, usw. Als wir dann endlich alles fertig hatten, war das schon eine sehr große Erleichterung. Man hört sich die Songs immer und immer wieder in (teilweise) minimalen unterschiedlichen Versionen an, am Ende wusste ich nicht mehr, ob das Album jetzt total gut oder super scheiße geworden ist. Aber mit ein paar Wochen Abstand hat sich das dann auch wieder gelegt und ich bin froh, dass das alles so gekommen ist. Das Feedback zum Album ist sehr positiv, die ersten 500 Exemplare waren nach nicht mal drei Monaten schon fast ausverkauft. Damit hätten wir vorher auf keinen Fall gerechnet, besser kann es also nicht laufen.

Dabei gibt es die Band gerade mal etwas mehr als zwei Jahre. Wie habt Ihr zusammengefunden?
Sarah: Wir haben uns in einer Kneipe namens „arsch&friedrich“ in der Nürnberger Südstadt am Tresen kennengelernt – schon lange vor AKNE KID JOE. Matthias und ich haben dort gearbeitet, Sven und Peter waren Stammgäste. So kam eins zum anderen. Wir wohnten damals alle im selben Stadtteil, keine 500 Meter voneinander entfernt, und hingen viel zusammen ab, gingen zusammen auf Konzerte usw. Dann hat mich Matthias irgendwann gefragt, ob ich Lust habe, mit ihm zusammen in einer Punkband zu spielen. Ich hab gesagt, dass ich zwar nichts kann, aber schon voll Bock hätte. Peter und Sven hatten auch Bock und so trafen wir uns eines Abends in einem schäbigen Proberaum zur ersten AKNE KID JOE-Bandprobe. Wir hatten überhaupt keinen Plan, außer dass es irgendwas mit Punk und Synthie werden sollte. Wir hatten uns aber geschworen, erst mal mindestens ein Jahr im Proberaum zu verbringen, bevor wir nur daran denken würden, das Ganze auch mal live zu präsentieren. Naja, wie das dann immer so ist mit den Vorsätzen: Alles kam anders als gedacht. Die schäbige Handyaufnahme von „Alles Bestens, danke!“ aus der ersten Bandprobe fanden wir dann irgendwie so witzig, dass wir spontan beschlossen, ein dazu passendes schäbiges Handyvideo zu drehen und das Ganze als Video zu “Alles Bestens, danke!” auf YouTube hochzuladen. So erblickte AKJ das Licht der Öffentlichkeit 1,5 Jahre früher als gedacht.

Die Frage, die Du noch nie gehört hast: Was steckt hinter dem Bandnamen? Purer Hass auf Hardrock, allen voran auf UGLY KID JOE?
Sarah: Nein, ich kann solchen Bands durchaus etwas abgewinnen. Ich bin kein Fan oder so, aber dieses völlig übertriebene 90er-Jahre-Hardrock-Image finde ich irgendwie unterhaltsam. Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, in der nachmittags auf MTV „Cats In The Craddle“ von UGLY KID JOE rauf und runter gespielt wurde. Sowas prägt einen natürlich, ob man will oder nicht. Die Entstehung unseres Bandnamens hat mit all dem aber gar nichts zu tun. Irgendwann ging es in der Kneipe mal um UGLY KID JOE und jemand – ich glaube es war Matthias – hat AKNE KID JOE verstanden, das fanden wir alle witzig. Das war schon die ganze Geschichte.

Gaben ihre ersten Konzerte gleich vor ausverkauftem Haus (Foto: Romona Nürnberger)

Mit Corporate Rock scheint Ihr es trotzdem nicht so zu haben. In Euerer stilistischen Eigenbeschreibung heißt es „Wir sind allergisch auf voll viel, vor allem auf ,Summer of 69’ von BRYAN ADAMS“. Wobei Ihr OASIS hingegen sehr zu schätzen wisst, wie man unter anderem im Abspann des „Hey Daniel!“-Videoclips erfährt. Wo ist da jetzt die Wahrheit?
Sarah: Wir sind alle auf Käffern aufgewachsen. Bei jedem Vereinsfest, bei jedem Faschingsball, in jeder Dorfdisco und sogar heute noch im Radio läuft ständig „Summer of 69“. Wie kann man das denn ernsthaft immer noch gut finden? Ich hab mich einfach totgehört daran. Stadionrock per se muss nicht unbedingt scheiße sein, aber meistens sind die Texte ziemlich billig und man hört der Musik einfach an, dass sie nur produziert wurde, um Kohle zu generieren. Das finde ich halt irgendwie langweilig. OASIS hingegen kann man überhaupt nicht in diese Kategorie stecken, die sind einfach nur voll geil. Wir warten sehnlichst darauf, dass sich Noel und Liam wieder vertragen.

Wieviel Wut, wie viel Ernst und wie viel Humor steckt in AKNE KID JOE?
Sarah: Jemand hat mal gesagt, dass unser Album ein einziger Disstrack ist. Das ist gar nicht so weit hergeholt, aber es fällt auch sehr schwer, in der heutigen Zeit Gute-Laune-Songs zu schreiben. Es gibt da draußen einfach zu viele Leute, die es verdient haben, dass eine Dilettantenpunkband ein Hasslied über sie schreibt. Von daher spielen Wut und Ernst natürlich eine große Rolle. Aber es war uns immer wichtig, das Ganze halbwegs reflektiert zu machen und zum Beispiel auch zu erkennen, dass wir uns oft genug selbst so verhalten wie die Leute, die wir kritisieren. Haben wir einen Song, der davon handelt, dass weiße privilegierte Hippies nerven, die mit ihrem Van die Welt bereisen, das aber nur können, weil sie eben privilegiert sind? Ja. Fahren wir als weiße privilegierte Hipster mit unserem alten Wohnmobil quer durch Deutschland, um in den Autonomen Jugendzentren dieses Landes Konzerte zu spielen und Spaß zu haben? Auch ja. Humor und Ironie sind ein wichtiger Teil dieser Band, anders würde sie gar nicht funktionieren und uns vermutlich auch niemand ernst nehmen.

Neulich in der Kneipe hast Du erzählt, dass die bisherige Bandgeschichte von AKNE KID JOE komplett von Zufall und Glück geprägt ist …
Sarah: Definitiv mehr Glück als Talent.

Stimmt die Geschichte, dass auch Kidnap-Music, Euere Plattenfirma (hinter der die Jungs von PASCOW stecken), auf Euch zugekommen ist?
Sarah: Ja. Das ist eine schöne Geschichte, vor allem weil sie wahr ist. Im April 2017 – wir hatten eben unsere EP „haste nich gesehn!“ auf 7‘‘-Vinyl und digital released – spielten wir unser erstes Konzert im Kunstverein, einem urigen Punkclub hier in Nürnberg. Wir waren super nervös, es waren sauviele Leute da undsoweiter. Wir hatten ein 20-Minuten-Set und fürs erste Mal lief es eigentlich echt ganz gut. Zwei Tage später finde ich in unserem Email-Postfach eine Nachricht, die angeblich von einem Alex von Kidnap Music/PASCOW stammt, der unsere EP im Internet entdeckt hat und uns anbietet, uns bei der Veröffentlichung zu unterstützen. Ich schicke direkt ’nen Screenshot in die WhatsApp-Gruppe, alle sind total aufgeregt, eine Stunde später gibt’s ein Sondermeeting der Band zum weiteren Vorgehen. Wir schreiben mit Alex ein paar Nachrichten hin und her, zwei Wochen lang sind wir uns aber eigentlich sicher, dass uns hier jemand sauber verarscht. Vor allem, weil Matthias ein paar Wochen vorher noch auf einem PASCOW-Konzert in Hamburg war und allen Leuten davon erzählt hat, wie geil das war. Naja, letztendlich stellte sich dann doch heraus, dass das alles kein Fake war, und so kam es, dass Kidnap Music die zweite Auflage unserer EP und jetzt unser Album rausgebracht hat. Dadurch haben sich dann natürlich auch gleich viele neue Möglichkeiten ergeben, zum Beispiel hat Alex gefragt, ob wir bei einem Konzert in Weinheim PASCOW supporten wollen. War halt erst unser 7. Konzert, aber klar, lass doch mal vor ausverkauftem Haus spielen! So viel zum Thema, dass AKJ bisher sehr viel Glück hatte …

Wie lief die Show im Vorprogramm von PASCOW?
Sarah: Das war krass. Vor so vielen Menschen hatten wir noch nie gespielt, wir waren super aufgeregt. Außerdem haben wir erst dort die ganzen Leute rund um PASCOW richtig kennengelernt, davor hatten wir uns erst einmal kurz gesehen. Auf der Hinfahrt war es so still wie sonst eigentlich nie. Aber alle waren super nett und wir wurden voll umsorgt. Und dann lief auch schon unser EMINEM-Showintro, es gab keinen Weg zurück, und ich hab’ noch schnell mit Peter einen Angstschnaps getrunken. Die Show lief eigentlich ganz gut, das Publikum war wirklich sehr nett zu uns, obwohl ja alle wegen PASCOW da waren. Die Erleichterung danach war auf jeden Fall groß. Das war wieder so ein kleiner Meilenstein für uns: Fünf Monate vorher war unser erstes Konzert und dann gleich das …

Ist PASCOW ein Einfluss für Euch?
Sarah: Naja, wer im DeutschPunk daheim ist, kommt an PASCOW nicht vorbei. Ich kenne niemand, der die scheiße findet, egal ob das jetzt die Studentenpunkerin oder der Iropunker is’, um mal ein paar Schubladen aufzumachen. Das finde ich gut und das hat auch Einfluss auf uns. Klar ist es wichtig, dass Leute unsere Musik gut finden, aber mindestens genauso wichtig ist es, dass man sich nicht wie das letzte Arschloch benimmt und zu schätzen weiß, was gerade in dieser ganzen DIY-Szene andere Menschen für einen machen.

AKNE KID JOE spielen überall, auch wenn’s eng wird (Foto: Ramona Nürnberger)

AKNE KID JOE spielt die entlegensten Jugendzentren der Republik, entsprechend lang seid Ihr unterwegs. Auf welche Musik könnt Ihr Euch im Bandbus einigen?
Sarah: Das ist tatsächlich ein Problem. Wir können uns im Prinzip auf gar keine Musik einigen. Deshalb gibt es eine inzwischen knapp 20 Stunden lange AKJ-Spotify-Playlist, in die jeder die Songs seiner Wahl reinmachen darf. Diese Playlist wird im Shuffle-Modus abgespielt und jeder Autoinsasse hat für die gesamte Fahrt genau zwei Vetos. Diese Vetos dürfen jeder Zeit eingesetzt werden, der Song muss dann ohne Diskussion schnellstmöglich geskipped werden. Dieses straffe Regelwerk zeigt, dass es da in der Vergangenheit schon zu der ein oder anderen Auseinandersetzung kam. In der letzten Zeit haben wir aber auch vermehrt Radioreportagen und Podcasts gehört, hauptsächlich so True-Crime-Geschichten. Das finden wir alle gut. Außerdem gibt’s die Regel, dass man währenddessen die Klappe halten muss, was auch mal ganz angenehm ist.

Stimmt es, dass bei Gründung der Band keiner von Euch das Instrument spielen konnte, das er bei AKJ aktuell bedient?
Sarah: Soweit die Legende, ganz richtig ist das aber auch nicht. Eigentlich stimmt es nur bei mir: Ich hatte bei der ersten Bandprobe tatsächlich zum ersten Mal eine Gitarre in der Hand. Alle anderen haben zumindest musikalische Grundskills und Banderfahrung.

Peter und Sven spielen bei der Nürnberger FolkPop-Band BOAT SHED PIONEERS, Matthias hat vorher bei einer bärtigen Punkband namens THE GIRLY BIRDS getrommelt …
Sarah: Der Trick ist: Jeder spielt ein anderes Instrument als gewohnt. Matthias trommelt eigentlich, spielt bei AKJ jetzt aber Gitarre, Peter spielt eigentlich Bass und bei uns jetzt Synthie und Sven ist eigentlich ein super Gitarrist und Sänger, spielt bei uns aber Schlagzeug und ist der einzige, der kein Mikrofon hat. Aber irgendwie haut das alles trotzdem ganz gut hin.

Noch ein Zitat von Dir: „Die Kompetenzen bei uns in der Band sind sehr gut verteilt. Jeder übernimmt, was er gut kann, deshalb funktioniert das auch so prima“ …
Sarah: Ja, und das finde ich sehr angenehm. Jedes Bandmitglied hat im Prinzip seinen eigenen Aufgabenbereich. Peter ist unser Techniker. Wenn ich Probleme mit meinem Equipment habe oder mir ’nen neuen Amp kaufe, dann frag ich ihn. Auch ums Studio kümmert sich der Peter, weil er sich in dem Bereich einfach auskennt. Das bedeutet aber auch, dass ich ihm glaube, wenn ich der Meinung bin, dass der Gesang an der einen Stelle irgendwie lauter sein müsste und er aber sagt, dass er das aus dem und dem Grund für keine gute Idee hält. Matthias kümmert sich um alles, was Grafiken, Layout und Social Media angeht. Sven ist der Musiker in der Band, der aus Songideen richtige Songs machen kann. Ich mache viel Orga, Booking und Social-Media-Kram. Natürlich ist das alles nicht immer super klar abgegrenzt, wir sind ja schließlich keine Behörde. Aber so im Kern erleichtert das sehr viel, weil nicht immer alles mit allen abgesprochen werden muss.

Dilettantenpunk schön und gut. Ich stelle es mir trotzdem schwierig vor, Musik so leicht und unbeschwert klingen zu lassen, als stecke da gar keine Arbeit hinter …
Sarah: Gut, dass das so rüberkommt. Es steckt natürlich schon viel Arbeit drin, aber es ist nicht diese quälende Art von Arbeit, sondern es macht uns allen sehr viel Spaß. Man macht das ja alles freiwillig und weil man Lust drauf hat. Vermutlich kommt diese Unbeschwertheit dadurch ganz von allein zu Stande.

Bemerkenswert finde ich, dass man bei AKNE KID JOE die Texte versteht. Um beim Beispiel PASCOW zu bleiben: Bei denen geht ohne Textblatt garnix, zumindest nicht bei mir …
Sarah: Das war uns sehr wichtig. Musikalisch haben wir jetzt gar nicht mal so viel Außergewöhnliches zu bieten, deshalb liegt schon ein Hauptaugenmerk darauf, dass die Texte nicht super platt sind und dass man sie vor allem versteht. Was bringt ein guter Text, wenn nachher sowieso alles in Geschrei untergeht? Live funktioniert das auch immer mehr, glaube ich. Man wird ja generell einfach besser, umso öfter man solche Sachen macht.

Bandfoto ohne Posing: AKNE KID JOE in der Nürnberger Südstadt (Foto: Michael Pengler)

Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber Ihr seid so unglaublich stilsicher in dem, was Ihr tut. Das Foto vor dem türkischen Supermarkt mitten in der Nürnberger Südstadt zum Beispiel … oder das Video, in dem Ihr auf Segways terrormäßig durch die Großstadt-Botanik brettert. Oder generell Eure Facebook-Posts. Da passt immer alles.
Sarah: Danke für die Blumen! Das haben wir jetzt schon ein paar Mal gehört, dass Leute unsere Musik gar nicht kennen, aber unsere Facebookseite aus Unterhaltungszwecken geliked haben. Find ich witzig.

Seid Ihr eine sehr optische Band?
Sarah: Peter meinte mal, dass wir so eine Mischung aus Punkband und Social Media Agentur sind. Da ist vermutlich was dran. Aber da sind wir wieder bei der Kompetenzverteilung: Natürlich kann man das nur so machen, wenn man Bock und gewisse Skills hat. Für viele ist Social Media ja eher eine nervige Begleiterscheinung – etwas, das man halt machen muss, weil man heutzutage nicht mehr ohne kann. Was ja auch nicht so ganz stimmt, wenn man sich zum Beispiel Bands wie PISSE anschaut, die sich diesem ganzen Social-Media-Zwang einfach komplett verweigern und trotzdem bekannt wie ein bunter Hund sind. Aber uns macht das Spaß. Das Internet ist neben der Nürnberger Südstadt sowas wie ein zweites Zuhause für uns, von daher ist alles cool.

Jetzt ist das nächste Stichwort gefallen: AKNE KID JOE und die wilde Nürnberger Südstadt – ich finde, das geht sehr geschmeidig zusammen …
Sarah (lacht): Die wilde Südstadt? Da muss wirklich deine Fantasie mit dir durchgegangen sein …

Vielleicht liegt es daran, dass Ihr echt die halbe Stadt mit AKJ-Aufklebern zugeschissen habt …
Sarah: Also dieses Südstadt Image was wir da immer so propagieren ist natürlich völlig an den Haaren herbeigezogen, aber wie schon erwähnt: Ironie und Sarkasmus ist ein wichtiger Teil des Ganzen. Mag sein, dass die Südstadt vielleicht ein bisschen wilder als die anderen Teile Nürnbergs ist, aber sobald man mal in einer Großstadt außerhalb Bayerns war, weiß man, dass wir hier trotzdem immer noch in der Provinzhauptstadt Frankens wohnen. Nichtsdestotrotz wohne ich gerne hier, was aber hauptsächlich daran liegt, dass 90 Prozent meines Freundeskreises hier lebt, meine Arbeitsstelle in der Südstadt ist, zwei gute Kneipen und der Z-Bau, ein großes alternatives Kulturzentrum, hier angesiedelt sind und ich das alles fußläufig erreichen kann.

Stell Dir vor, Du feierst eine Gartenparty und darfst drei Künstler einladen, die für Dich und Deine Freundinnen und Freunde aufspielen. Der Clou: Leichen willkommen! Musiker, die schon tot sind oder Bands, die es (so) nicht mehr gibt, dürfen für diesen Tag zurückkehren. Wer spielt auf Sarahs Gartenparty?
Sarah: Da muss ich mir erst mal einen Garten organisieren. Ich hab’ mich schon ein paar Mal geärgert, dass ich für viele gute Bands leider zu jung bin, aber das hol ich dann hiermit einfach nach. Die erste Band ist definitiv QUEEN. Ich bin schon immer Fan dieser Band und letztens hab ich mir den Film „Bohemian Rhapsody“ im Kino angeschaut, den ich im Übrigen hiermit wärmstens weiterempfehle. So viel zum Thema Stadionrock! Außerdem würde ich vermutlich noch NIRVANA einladen, einfach weil man sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen kann und ich Dave Grohl gerne zu einem Zeitpunkt sehen würde, als er noch bei einer guten Band gespielt hat. Zum Abschluss was fürs Punkerherz, ’ne Nummer kleiner als die eben genannten, aber nicht weniger wichtig: BIKINI KILL!

Eine schöne Gartenparty. Und damit wären wir durch. „Grüße an die Tante Anni & den Onkel Fritz nicht vergessen!“ hab’ ich mir noch notiert …
Sarah: Ich weiß nicht, ob die auch Vampster lesen, aber es kann nicht schaden. Danke!

Interview: Aggro Kid Stef