WELLE:ERDBALL: Nur tote Frauen sind schön

WELLE:ERDBALL: Nur tote Frauen sind schön

WELLE:ERDBALL sind schon echt ´ne große Nummer. Ich kenne so auf Anhieb keine Band die sich so in ihrem selbstinzenierten Retroflash suhlt. Schon das Vorgängeralbum Die Wunderwelt der Technik war der reinste Sprung in die An- und Unannehmlichkeiten der 80er Jahre. So dreht sich lyrisch, wahrscheinlich mit einem zwinkernden Auge, alles um die Errungenschaften meiner Jugend. Ob der VW-Käfer, Starfighter F-104G oder die Glorifizierung des guten alten C-64 von Commodore, welcher uns allen doch wunderbare Daddelabende bescherte bevor PS2 und XBOX das zu ersetzten wußten…brilliant! So ist das Wunderwelt-Album eigentlich schon ein echter Meilenstein, welcher durch echt geniale Soundelemente der 80er zu glänzen und definitiv zu unterhalten weiß.

Kennt einer von euch noch die legendären Bontempi-Orgeln, welche schon Leuten wie Nena oder Trio
in den 80ern zu elementaren Welthits verhalfen, weil ihre Soundprogramme so selten debil klangen, dass man die Songs einfach mögen mußte? Diese bewährte Produktionsmethode haben die Erdballermänner auch auf Nur Tote… zielstrebig weiter verfolgt. Alles klingt irgendwie nach Hubba Bubba und Plaste und Elaste.

Man muß schon einen gewissen Bezug zu dieser Epoche haben, um den Stylo der Band nachvollziehen zu können. Der vorerst fragwürdige Titel des Albums erklärt sich durch eine Homage an die großen der Show-/Filmwelt, a la Marlene Dietrich, die Monroe etc.p.p. Hat man aber eine gewisse Identifikation zu dieser Zeit, purzeln jede Menge minimalistische Retro-Pop-Perlen aus der Tracklist.

Wer seine ersten Gefühlsregungen bei Peter Schilling und Konsorten verspürte, wird hier nahtlos in seine Jugend zurückversetzt, und das ist doch echt spaßig. Ironie hin oder her, ernstnehmen kann man die Texte keinesfalls, aber schmunzeln ist immer drin und macht dieses Album definitv zu einer anderen, aber seriösen Geschichte. Wobei ich das Gefühl habe, dass die Texte dieses Albums im Gegensatz zum Wunderwelt-Meisterwerk etwas ernster ausgefallen sind und phasenweise an RAMMSTEIN auf Valium erinnern. So ist der musikalische Bereich diesmal auch etwas ruhiger und sphärischer ausgefallen, läßt aber immer noch genügend Platz für echte Knaller, wie 1000 weiße Lilien und Metal Dust welches teilweise sehr an die BOOMFUNK MC´s erinnert…hargh hargh-coool!

Ich denke allen hartgesottenen Besuchern unserer Review-Sektion kann ich dieses Album (leider) nicht empfehlen. Wer aber weiß wie man Spiele auf dem C-64 hochgeladen hat(…war das nicht: load spielxyz ,8,1 …hmpf???), gut gemachten/minimalistischen 80er Pop verehrt und einfach nur mal wieder eine etwas andere CD hören will, welche sich jenseits aller zeitlichen Konventionen bewegt, muß hier zuschlagen. Sowohl bei Wunderwelt der Technik als auch bei Nur Tote Frauen sind schön. Für mich persönlich bietet das Wunderwelt-Album zwar mehr Hymnen, aber das Frauen-Album ist auch definitv erwerbenswert. Checkt das bitte unbedingt aus und hört mal rein und schreitet in einer immer schneller werdenden Zeit ruhig mal 15-20 Jahre zurück. Fantastisch, kitschig und irgendwie morbid.

LABEL:

Synthetic Symphony/SPV

LINE-UP:

Frl. Venus-Gesang

Soraya VC-Gesang

Commodore C-64-Klänge

A.L.F.-Programmierung

Honey-Text/Gesang

TRACKLIST:

1000 weiße Lilien

8-BIT Märchenland

Susy hat Angst

Mensch aus Glas

Lieber Gott

Metal Dust

Das Präparat

The Screeching Miew

Feinsender

1000 weiße Lilien – der Film

C-64 Programme & Werkzeug

RUNNING TIME:

36:10 Min.

Homepage: http://www.welle-e.de