VITJA: Thirst

VITJA: Thirst

Der Wolf auf der Front ist ein wenig irreführend, denn die Zähne fletschen VITJA nur selten. Mit neuem Sänger an Bord drängt das Quartett vom Metalcore in den Modern Metal, wo Synthesizer und gefällige Melodien dominieren. VITJA haben sich für „Thirst“ fein herausgeputzt, lassen den Rotz komplett auf der Strecke.

Daher sind wir um jeden Wutausbruch und jeden Breakdown umso dankbarer. Denn wenn die vier Musiker ihr selbstauferlegtes Korsett ablegen und wie in „Silver Lining“ einen regelrecht schematischen Metalcore-Track dazwischenschieben, dann ist das zwar keine Revolution, aber immerhin gute Genrekost.

VITJA sind einem radiotauglichen Refrain nie abgeneigt

Schielt „Thirst“ dagegen in Richtung Massentauglichkeit und jagt seine poppigen Arrangements mit zuckrigen Synthesizern und Autotune-Effekten durch den Weichspüler, kommen wir bald an unsere Schmerzgrenze. VITJA übertreiben es glücklicherweise nie so sehr wie I PREVAIL auf „Trauma“, sind einem radiotauglichen Refrain allerdings nie abgeneigt („Mistakes“). Ähnlich schwer schlucken wir den Sprechgesang in „Instinct“, wenngleich der catchy Refrain dafür umgehend entschädigt.

Im Grunde haben VITJA an einer ähnlichen Problematik zu knabbern wie ihre Labelkollegen von DEADTHRONE: Da „Thirst“ weitgehend mit angezogener Handbremse unterwegs ist, passiert im Verlauf des Albums zu wenig, das uns Aufrütteln würde. Vor lauter Eingängigkeit und Freude über den durchaus variablen Sänger Gabriel Spigolon, haben VITJA ihr musikalisches Rückgrat vernachlässigt.

„Thirst“ hat ein wenig Übergangscharakter

Weder die Gitarren noch Bass oder Schlagzeug haben den Druck oder die Energie hinter sich, um dem poppigen Grundtenor etwas entgegenzuhalten. Screams wie in „Silence“ sind rar gesät und insgesamt zu wenig, um uns aus dem vorzeitigen Winterschlaf zu wecken. Insofern hat „Thirst“ letztlich ein wenig Übergangscharakter: Ein paar Metalcore-Überreste tummeln sich inmitten einer kunterbunten Modern Metal-Welt, die mit „What’s Next“ auch für verträumten Emo-Rock ein Plätzchen bereithält. Obwohl VITJA ein grundsätzliches Gespür für stimmiges Songwriting („Voices“, „Strangers“) beweisen, ist „Thirst“ daher mangels Elans eher das Schaf im Wolfspelz.

Veröffentlichungstermin: 6.9.2019

Spielzeit: 45:49

Line-Up:

Gabriel Spigolon – Gesang
Vladimir Dontschenko – Gitarre
Mario Metzler – Bass
Daniel Pampuch – Schlagzeug

Produziert von VITJA und Timo Bonner (Gesangsaufnahme, Mix und Mastering)

Label: Arising Empire

Facebook: https://www.facebook.com/vitjaband/

VITJA “Thirst” Tracklist

01. Light Blue
02. Silver Lining (Video bei YouTube)
03. Mistakes (Video bei YouTube)
04. Breathe
05. Instinct
06. Lost In You
07. Back (Video bei YouTube)
08. Silence
09. What’s Next
10. Those Years
11. Voices
12. One
13. Strangers

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.