VELO MISERE: Monomanía del Inexorable Vacío

Rauschender, rauschhafter Black Metal als fiebertraumartige Erfahrung – VELO MISERE faszinieren und verstören auf ihrem Debütalbum „Monomania del Inexorable Vacío“.

Was für ein Abgrund. So konsequent, finster und brutal, als hätten VELO MISERE den Nihilismus selbst erfunden. Nun sind AVERISO HUMANITATIS nicht gerade fröhliche Gesellen, aber Gitarrist S. und Bassist AM. können noch ätzender. Und zwar so sehr, dass VELO MISEREs Debütalbum „Monomania del Inexorable Vacío“ nahezu unerträglich ist. Ich könnte es kurz machen: Das “Gesicht” auf dem Artwork passt punktgenau zur Musik. Und auch DU siehst so aus, wenn VELO MISERE mit DIR fertig sind. Einladend ist das alles also nicht, und fast hätte ich das Album auch beiseite gelegt, weil die Band aus Madrid mir nichts gab. Dann machte es klick und ich verstand, dass die fünf Musiker genau wissen, was sie tun. Obwohl es zunächst nicht unbedingt so wirkt.

VELO MISERE sind musikalisch wenig beeindruckend – „Monomania del Inexorable Vacío“ wirkt erst in Verbindung mit dem Klangbild.

Es verwirrt, dass das Songmaterial trotz dem ganzen Hass und der Verzweiflung eher durchschnittlich ist. Sprich: Die Riffs gehen in Ordnung, sind aber nicht besonders aufregend, die Stücke sind konsequent brutal und desolat und anständig arrangiert. Was die Intensität über die Maßen anhebt, ist das extrem verwaschene Soundbild, das tatsächlich berauschend wirkt. Dieses Stilmittel wirkt sehr gut und hebt sich von den anderen Produktionen ab, für die sich Gitarrist S. in seinen Empty Hall-Studios verantwortlich zeigte. Poliert gab es in diesem Räumen noch nie, VELO MISERE klingen aber wirklich wie aus einer anderen Welt. Und wenn sich das Gehör auf diese Art des Black Metal einstellt, wächst auch das Album. Dann wird die Energie deutlich, die diesen sieben Songs innewohnt. Großen Anteil daran hat auch das extreme, gequälte und hasserfüllte Geschrei – die Performance von Sänger F. lässt mitunter die Nackenhaare zu Berge stehen.

„Monomania del Inexorable Vacío“ ist eine verstörende und faszinierende Einheit; VELO MISERE bedienen so am ehesten hartgesottene Hörer.

So wundert es nicht, dass der Black Metal von VELO MISERE wie ein Fiebertraum wirkt, der sich aus dem klassischen Sound aus Norwegen aus den Neunzigern, der zeitgenössischen isländischen-Szene und der Lovecraft-Atmosphäre von PORTAL zusammensetzt. Das erzeugt mal totalen Lärm („Velo Misere“, „Estéril“), mal finsterste Traurigkeit („Nostalgia“) und mal gibt es unter der rauschenden, rauschhaften Wand kleinere Finessen und Experimente zu hören („Ente de Muerte“, „El Devenir“). Alles zusammengenommen ergibt eine Einheit und ein Gesamtbild, das ebenso verstört wie fasziniert, als würden wir Mitternachts von einer bizarren Erscheinung in unseren Räumen heimgesucht werden. Ganz Hartgesottene könnten „Monomania del Inexorable Vacío“ verehren, alle anderen werden von diesem Inferno aber schnell übersättigt sein.

Wertung: 4 von 7 unfreundliche Geisterscheintungen

VÖ: 15. September 2021

Spielzeit: 38:28

Line-Up:
F. – Howls
S. – Guitar
H. – Guitar
AM. – Bass
G. – Drums

Label: Altare Productions / Lunar Apparition

VELO MISERE „Monomanía del Inexorable Vacío“ Tracklist:

1. Visión de la Sombra (Official Audio bei Youtube)
2. Ente de Muerte
3. Velo Misere
4. Nostalgia
5. Quietud (Official Audio bei Youtube)
6. Estéril
7. El devenir

Mehr im Netz:

https://velomisere.bandcamp.com/