UNTIL I WAKE: Inside My Head

So wirklich falsch machen UNTIL I WAKE nichts, außer, dass sie sich auf “Inside My Head” zu sehr an den derzeitigen Metalcore-Standard klammern. Weil das Debüt nicht einen einzigen originellen Einfall vorweisen kann, wird die Platte schnell zu einer schalen Angelegenheit.

In den meisten Köpfen ist hierzulande die Kombination aus Pasta und Tomatensauce als unkomplizierte Alltagsküche eingespeichert: schnell gemacht, wenn sonst nichts da ist. Dabei ist Tomatensauce nicht gleich Tomatensauce. Nimmt man hochwertige Zutaten und mehr als eine Viertelstunde Zeit zur Hand, wird das einfache Gericht schnell zur heimlichen Delikatesse. Es muss also nicht unbedingt ausgefallen sein, solange die Zubereitung stimmt.

Was für die Küche gilt, hat in der Musik nicht weniger Bestand. Und hier ist „Inside My Head“ eben nur das Fertigprodukt aus dem Glas: Stillt den Hunger, ist geschmacklich schon okay, aber weiterempfehlen würden wir das Ganze nicht unbedingt. UNTIL I WAKE haben mit ihrem Metalcore- / Post Hardcore-Gemisch schlicht kein eigenes Aroma, wenn wir die Bildsprache weiter bemühen wollen.

UNTIL I WAKE haben auf “Inside My Head” nicht einen einzigen originellen Einfall

Was sich schon auf der selbstbetitelten EP (2021) abgezeichnet hat, findet nun seine Bestätigung auf Albumlänge. Das Quartett spielt sich munter durch alle Facetten des Genres und hat dabei nicht einen einzigen eigenständigen oder gar originellen Einfall. Das ist im besten Fall ganz nett, wenn das poppig-eingängige „Octane“ mit Synthesizern und lieblichen Gesangslinien kurzzeitig von einem harten Ausbruch erschüttert wird. Ein Argument für die Repeat-Taste ist der Track indes genauso wenig wie Drumcomputer und Sprechgesang in „Reasons“.

Derartige Einschübe finden sich auf „Inside My Head“ in aller Regelmäßigkeit und obwohl der Pop-Appeal mancher Stücke für sich genommen nicht schaden muss, fehlt es an packenden Arrangements. UNTIL I WAKE schrecken zwar vor härteren Eskapaden nicht zurück, die meiste Zeit dümpeln die US-Amerikaner jedoch im unaufgeregten Midtempo vor sich hin, ohne irgendwelche Akzente setzen zu können („hope ur happy“, „Inside My Head“). Dem Klargesang Cody Johnsons fehlt es darüber hinaus trotz hörbarer Postproduktion an Charme, weshalb auch die Singstimme allein keinen Song schultern kann.

Die meiste Zeit über klammern sich UNTIL I WAKE an den Genre-Standard

Besser ergeht es UNTIL I WAKE, wenn sie zwischenzeitlich Gas geben: „Forsaken“, das walzende „Blue Beam“ und „Still Sinking“ verlassen sich zwar ebenfalls auf den Genre-Standard, bringen dafür zumindest etwas Leben in die Bude. Die tief gestimmten Gitarren mit ihrem verspielten, dabei groove-betonten Riffing entlocken allerdings heutzutage kaum mehr als ein kurzes anerkennendes Nicken. Bitter, da der einzige Fehler des Albums ist, einfach dem zu folgen, was sich die vergangenen Jahre im modernen Metalcore bewährt hat.

Doch mit vorgefertigten Rezepten und schablonenhafter Ausführung kommt man eben inmitten der zahlreichen Konkurrenz nicht mehr allzu weit. Oder um auf das eingangs angesprochene Beispiel zurückzukommen: Wir lieben zeitgemäßen Metalcore genauso wie gute Tomatensauce. Doch bevor wir im Laden zur Fertigmischung greifen, investieren wir unsere Zeit lieber in die vollmundigere Variante mit ihrem frischen und nicht zuletzt individuellen Aroma.

Veröffentlichungstermin: 09.09.2022

Spielzeit: 42:52

Line-Up

Cody Johnson – Vocals
August Lee Geitner – Guitar
Ryan Ridley – Bass
Alex Curtin – Drums

Produziert von Nick Matzkows und Jon Eberhard

Label: Fearless Records

Homepage: https://untiliwake.com/
Facebook: https://www.facebook.com/untiliwake

UNTIL I WAKE “Inside My Head” Tracklist

1. The Sacrifice
2. Forsaken (Lyric-Video bei YouTube)
3. Fake (Video bei YouTube)
4. Octane (Video bei YouTube)
5. Reasons
6. hope ur happy (Video bei YouTube)
7. Inside My Head (Video bei YouTube)
8. Still Sinking
9. Undeserving
10. Blue Beam
11. For the Record
12. Legacy
13. Marching Forward