TYR: Eric The Red

Ein Pflichtkauf für alle Viking-Metaller und Freunde der nordischen Folklore.

2003 ist ein gutes Jahr für alle Wikinger. Neben Meister Quortons Nordland II, Let Battle Commence von DOOMSWORD und dem überraschenden Dodsfard der Schweden MANEGARM gibt es mit Eric The Red, dem zweiten Album der Färinger TYR, einen weiteren Pflichtkauf für alle Freunde des nordisch geprägten Schwermetalls. Dabei würde man dem in Kopenhagen ansässigen Quartett aber nicht gerecht, steckte man sie einfach in die Viking Metal-Schublade, hat man doch bereits jetzt einen ganz eigenen und ungewöhnlichen Sound entwickelt, der zwar ab und an Erinnerungen an andere Bands des Genres aufkommen lässt, in seiner Gänze aber keine Vergleiche erlaubt.

Der fast achtminütige Opener The Edge enthält im Grunde sämtliche Elemente und Zutaten, die den Sound von TYR ausmachen. Im Midtempo gehalten, mit coolen Gitarrenharmonien wird hier in bester Power Doom-Manier ordentlich Druck erzeugt, dann folgen tolle, folkige Konzertgitarren, über denen liebliche Gesangsmelodien thronen, intoniert von Heri Joensen in einer wunderbar klaren, gleichsam kräftigen und ausdrucksstarken Stimme in mittelhoher Tonlage, um dann in einen von mächtigen Chören getragenen epischen Chorus zu münden, welcher in färingischer Sprache gesungen wird und so richtige Wikinger-Atmosphäre aufkommen lässt. Ja, TYR verstehen es, den Hörer vom ersten Moment an mitzunehmen durch ihre mitreißenden, epischen Gesangslinien, welche mal lieblich, dann wieder kämpferisch erklingen und bei aller Eingängigkeit immer fernab vom unsäglichen Tralala-Metal sind, da die Melodieführung sich immer durch die besondere Charakteristik der nordischen Folklore auszeichnet. Doch ist das noch nicht alles. Im Mittelteil verwandelt sich The Edge in ein hartes und schnelles Stück Prog Metal, versehen mit interessantem und variantenreichem, aber stets äußerst druckvollem Drumming.

Diese progressiven Einflüsse machen sich auch im weiteren Verlauf des Albums immer wieder bemerkbar. Bei Regin Smidur etwa, einem färingischen Traditional im Metalgewand, welches sich durch eine für die nordische Folklore typische Melancholie auszeichnet und ebenfalls wieder mit gekonnt arrangierten Chören aufwarten kann, gibt es ebenfalls progressiv anmutende Breaks und Zwischenspiele zu hören, die es dem unvorbereiteten Hörer den Konsum dieser Musik nicht eben erleichtern, dafür aber eine erfreuliche Langzeitwirkung haben, wie sie heutzutage leider nur noch die wenigsten Bands in der Lage sind zu erzeugen.

Dreams ist ein treibendes 80er-Metal-Stück im 6/8-Rhythmus, mit zweistimmigen Gitarrenleads in bester Maiden-Manier und wiederum verdammt eingängigen, mitreißenden Vocals und den für die Band typischen Chören. Mit einem solchen Kracher sollte es auch möglich sein, Fans von z.B. BLIND GUARDIAN auf seine Seite zu ziehen, denn das was die Krefelder bieten, gibt es bei TYR in Perfektion und ohne unnötigen Bombast.

Während TYR also ganz klar einen sehr eigenen Sound haben, wird doch Abwechlsung groß geschrieben, wie das doomig beginnende und mit vielen virtuosen Gitarrenläufen garnierte Rainbow Warrior, bei dem die Gesangsmelodie dem Gitarrenriff folgt, oder das sehr melancholische dänische Traditional Ramund Hin Unge belegen. Dass dabei eigentlich jeder Song ein echter Knaller ist und bei anderen Bands als DAS Albumhighlight durchgehen würde, unterstreicht die Klasse dieser Band. Die letzten beiden Songs gehen zwar nicht so gut ins Ohr und klingen auch nicht so typisch nach TYR wie der Rest des Albums, dafür aber gibt es für alle deutschen Hörer mit The Wild Rover, welches hier als Metal-Version daherkommt, eine kleine Nachhilfe in traditionellem irischen Liedgut, werden viele dieses Stück doch wohl nur das unsägliche An der Nordseeküste kennen.

Die Scheibe ist professionell produziert, knallt ordentlich und wurde glücklicherweise nicht glatt geschliffen, sondern klingt ordentlich rau. Alle Fans von epischem Viking Metal haben die CD sicherlich schon im Schrank stehen, wenn nicht gilt es dies sofort nachzuholen. Doch auch für Leute, die an Bands wie FEBRUARI 93 oder OTYG Gefallen finden, ist Eric The Red ein gefundenes Fressen, denn TYR sind nicht immer nur metallisch, sondern lassen es gerne auch mal ruhiger und melancholischer angehen. Wer Probleme hat, die Scheibe zu bekommen, sollte sich an den deutschen Vertrieb, Hellion Records, wenden.

VÖ: bereits veröffentlicht

Spielzeit: 60:20 Min.

Line-Up:
Terji Skibenæs – Guitar

Heri Joensen – Vocals and Guitar

Kári Streymoy – Drums

Gunnar H. Thomsen – Bass

Produziert von Jacob Hansen
Label: Tutl

Homepage: http://www.tyr.net

Email: band@tyr.net

Tracklist:
1. The Edge

2. Regin Smidur

3. Dreams

4. The Wild Rover

5. Styrisvølurin

6. Ólavur Riddararós

7. Rainbow Warrior

8. Ramund Hin Unge

9. Alive

10. Eric The Red