TOXIK: Dis Morta

TOXIK sind 33 Jahre nach “Think This” mit einem neuen Album am Start. Offensichtlich war Ihnen ihr altes Zeug zu primitiv. Mich überfordert “Dis Morta” stellenweise.

33 Jahre liegt “Think This”, das letzte Album der Techno Thrasher TOXIK nun schon zurück. Seit Mitte der 2010er gab es ein paar Singles und EPs, nun ist aber endlich das dritte Album der Band über Massacre Records erschienen. Laut Labelinfo soll “Dis Morta” dann auch gleich das bisher stärkste Album der Band sein. Na klar, die Erwartungen der Fans sind nach über drei Jahrzehnten sicher nicht hoch genug, da kann man ja noch ein wenig Kohle ins Feuer werfen. Eines kann ich mit Sicherheit sagen: Einfach haben es TOXIK sich und ihren Fans mit diesem Album nicht gemacht. Das vertrackte “Think This” war damals ja schon eine ganze Ecke komplexer als das Debüt “Wolrd Circus”, aber mit “Dis Morta” setzen TOXIK tatsächlich nochmal einen drauf. Techno Thrash ist ja an sich schon kein easy listening, was die Band hier aber abfeuert, wird viele Menschen schlicht und ergreifend überfordern.

Top Sänger, schwierige Songs – TOXIK machen es sich auf “Dis Morta” nicht einfach

Mit Ron Iglesias hat man einen sehr talentierten Sänger im Line Up, der stimmlich wandlungsfähig ist und sowohl hohe Screams als auch abgedrehte Gesangslinien problemlos raushaut. Das zeigt er alles schon im Titelsong, der das Album eröffnet. Und während der Gesang mich sofort begeistert, lässt der arg zerfahren wirkende Song mich eher reserviert zurück. Das folgende “Feeding Frenzy” ist da eine ganz andere Hausnummer. Hier geben TOXIK direkt Vollgas und liefern einen breaklastigen Thrasher mit viel Gitarrengewichse ab. So hab ich mir das schon eher vorgestellt, Wahnsinn! Was auffällt, ist der merkwürdig hohe, quietschige Sound der Leadgitarre, welcher das Hörerlebnis nicht unbedingt weniger fordernd macht.

Wenn sie wollen, schaffen TOXIK auch 2022 noch nachvollziehbare Songs – sie wollen nur nicht sehr oft

Mit “Power” und “Straight Razor” haben TOXIK auch noch ein paar solcher Granaten am Start. Vor allem “Straight Razor” ist ein völliger Abriss. Ok, ein Album komplett mit solchen Songs wäre wohl etwas eintönig geworden – die Alternative ist allerdings nicht besser, denn bei vielen Stücken verlieren TOXIK vor lauter – ohne Zweifel beeindruckenden – Fingerübungen leider das wichtigste aus den Augen: den Song! Das macht “Dis Morta” teilweise einfach nur anstrengend. Das Album wirkt irgendwie wie “Think This” auf Koks. Bei “Chasing Mercury” wechseln sich Mid Tempo-Passagen, Raserei und diverse Sprechparts ab und ergeben erneut eine wilde Mischung aus Theatralik und Skalengedudel, die hier allerdings tatsächlich mal funktioniert.

Etwas mehr Fokus auf guten Songs und weniger Frickel-Overkill hätte “Dis Morta” gut getan

Insgesamt also sowohl Licht als auch Schatten, was TOXIK auf ihrem dritten Album abliefern. Ich habe das Gefühl, dass die Band zu großen Teilen einfach wirklich zu viel wollte. “Think This” war auch wahnsinnig technisch und breaklastig, hat dabei aber trotzdem einen ganzen Haufen großartiger Songs wie “Greed”, “Spontaneous” oder “There Stood The Fence” an Bord gehabt. Auf “Dis Morta” gibt es auch ein paar, trotz aller Frickelei, relativ direkt zündende Songs und ein paar, die etwas länger brauchen, aber eben auch eine Menge Frickel-Overkill, von dem außer auditiver Überforderung wenig zurückbleibt. Es gibt sicherlich Menschen, die das völlig abfeiern, mir ist das zu großen Teilen einfach nicht nur eine Spur, sondern gleich ein ganzer Eimer zu viel. Trotzdem Respekt vor der spielerischen Leistung und dem Mut, so ein schwer zugängliches Album durchzuziehen!

Veröffentlichungsdatum: 05.08.2022

Spielzeit: 44:31

Line Up:
Ron Iglesias – Vocals
Josh Christian – Leadgitarre
Eric van Druten – Rhythmusgitarre
Shane Boulos – Bass
James DeMaria – Drums

Produziert von: Josh Christian & Martin Furia, Mastering by Maor Appelbaum
Label: Massacre Records

Homepage: https://toxikmetal.net
Facebook: https://www.facebook.com/toxikmetalofficial

TOXIK “Dis Morta” Tracklist

1. Dis Morta (Lyric-Video bei YouTube)
2. Feeding Frenzy
3. The Radical
4. Power (Lyric-Video bei YouTube)
5. Hyper Reality
6. Creating the Abyss (Lyric-Video bei YouTube)
7. Straight Razor
8. Chasing Mercury
9. Devil in the Mirror
10. Judas