THE SONIC OVERLORDS: Eternal Heroes (Last Days Of Babylon)

Da war die Freude groß, als Morgan Zocek 2017 mit THE SONIC OVERLORDS wieder eine neue Band verkündet hat. Seine SIDEBURN fand ich klasse, vor allem das 2012er Album „IV Movement“ ist auch heute immer wieder gern gesehener Gast im Player. Aber so richtig neu sind THE SONIC OVERLORDS gar nicht, zocken doch drei der vier Musiker gemeinsam bei OZZY – THE COVERBAND. Auch schon seit mindestens 2013 unterwegs und gut gebucht sagt der Bandname wohl schon alles. Lässt vermuten, wohin hier die musikalische Reise geht. Aber eben nicht, oder doch, nur anders! BLACK SABBATH doominieren den Bandsound ganz klar. Aber statt in deren frühen OZZY-Jahren zu wildern, was sie ja schon in der Coverband ausleben können, schauen die Stockholmer ein paar Jahre weiter. Und auch noch in andere Ecken des klassischen epischen Heavy Metal und Doom. Und das machen sie, ich habe nichts anderes erwartet, richtig gut!

THE SONIC OVERLORDS leben 80er BLACK SABBATH und klassischen epischen Heavy Metal

Der energische Opener „Utopia“ lässt gleich die Fäuste gen Himmel gehen. Auch wenn das Riffing und der Brummelbass schnell an 80er BLACK SABBATH denken lassen gibt es hier zudem eine gute Portion RAINBOW und bedingt durch die Gitarren auch MSG. Catchy, aber nicht zu aufdringlich, klassischer 80er Hard Rock vom Feinsten. Aber dann ist es schon Zeit für das erste Doom-Dancing. „In My Darkest Room“ könnte so auch aus der DIO-Aera mit „Dehumanizer“ oder der TONY MARTIN-Zeit von BLACK SABBATH stammen. Nimmt der Song zum Ende hin dezent Fahrt auf, dann schafft man sogar den Bogen zum Abschiedsalbum „13“. Hier wird schnell klar, dass Marcus die perfekte Stimme für diesen Sound hat. Kraftvoll, nicht zu hoch, nicht zu heavy, melodisch aber nicht plüschig, genau richtig.

„Eternal Heroes (Last Days Of Babylon)“ zeigt vier starke Musiker

Mit „Fools“ verbeugt man sich ganz deutlich vor MICHAEL SCHENKER und auch 80er RAINBOW. Aber am willkommensten sind weiter die Songs mit klarem Doom-Einschlag. „Lord Of No Tomorrow“ spielt mit zähem Groove, melodischen Parts, die auch OZZY solo gut gestanden hätten. Und ja, hier kann man auch gern mal an die Nachbarn von CANDLEMASS denken. Wunderschön die Powerballade „World On Fire“, typisch schwedisch möchte man sagen, einige ihrer 80er Hard Rocker fallen einem ein. Wäre in den 80ern sicher bei MTV in der Dauerrotation gewesen. Und bei Konzerten hätte es echte Feuerzeugflämmchen gegeben und nicht diese blöden Handylampen. Wieder spät-80er BLACK SABBATH bei „Sands Of Time“, episch, natürlich mit kraftvollem Groovepart, neu erfinden wollen THE SONIC OVERLORDS diesen Sound nicht. Beim ausgedehnten Soloteil zeigt Morgan deutlich, dass er oft seine Hausaufgaben auch bei Randy Rhoads gemacht hat.

THE SONIC OVERLORDS klingen auch gern mal sehr schwedisch

Aber überraschen können sie. Mit „Shine“ gibt es eine typisch schwedische 80er Hard Rock-Nummer, man wippt mit, hat Spaß, muss aufpassen, nicht versehentlich einen Refrain der tollen TREAT zu singen. Eine coole Abwechslung, die sich gekonnt auf dem ganzen Album breit macht. Den fettesten Doomsong des Albums präsentiert man mit „Children Of The Night“, der genau da Fahrt aufnimmt, wo man es erwartet. Hier kommen auch mal wieder SIDEBURN in den Sinn. Mit dem Titelsong bleibt man wieder in Schweden, verbeugt sich hier aber vor YNGWIE MALMSTEEN Ende der 80er, als der noch als Großmeister begeistern konnte. Auch hier sorgt Morgan mit seinem Gitarrenspiel für Begeisterung. Allein schon, weil er Elemente von MALMSTEEN einfießen lässt, aber nicht versucht, auf Teufel komm raus dessen Shraddering nachzumachen.

Das großartige, immer sehr aufgeräumte Spiel von Morgan zeigt sich als eigener Stil, in dem hörbar Leute wie ZAKK WYLDE, Michael Schenker, Rhandy Roads, dezent RICHIE BLACKMORE und einige Helden mehr ihre Spuren hinterlassen haben. Erstaunlich und zugleich erfreulich, dass der sympathische Kerl sich bei den Leads gar nicht so sehr an TONY IOMMI hält, dessen Vermächtnis tragen hingegen immer wieder seine Riffs. Das weiß auch TONY MARTIN zu schätzen, der unverständlich gern mal sehr weit hinter OZZY und DIO eingereiht wird als BLACK SABBATH-Sänger, obwohl er auch fünf Alben seine Stimme gegeben hat. Der Engländer hat zumindest 2016 mit der Coverband schon die Bühne geteilt. Und gibt sich beim CD-Bonustrack „Past The End Of Time“ die Ehre, dem Song seine Vocals zu verpassen. Hier muss man schon schauen, ob man nicht versehentlich einen Bonustrack von einem „Forbidden“ oder „Cross Purposes“-Re-Release hört.

Wer auf doomigen, epischen Metal/Hard Rock der 80er steht der ist bei THE SONIC OVERLORDS genau richtig

THE SONIC OVERLORDS sind irgendwie auch eine Coverband, man weiss immer, vor wem sie sich gerade verbeugen. Aber wie sie das zusammenbraten, und wie es die Herren rüberbringen, das macht verdammt Spaß. Der Sound ist sehr kraftvoll und aufgeräumt, kommt heavy aber nicht zu betont modern. Die Vocals sind klasse und ebenso abwechslungsreich wie die Gitarren. Und auch Bass und Drums hört man gerne zu. Erstrecht, wenn dann hoffentlich irgendwann die Vinylscheibe da ist. Wer auf doomigen, epischen Metal/Hard Rock der 80er steht und diesen in einem gefälligen Mix im zeitgemäßen Sound genießen möchte, der ist bei THE SONIC OVERLORDS genau richtig. Wer sich bei den oben genannten Bands wohl fühlt, der sollte die Schweden unterstützen und sich das Album sichern. Dass hier schon das mit Abstand meistgehörte des späten 2021 ist. Und das, wie von Morgan gewünscht, immer schön LAUT!

Veröffentlicht am 22.10.2021

Spielzeit: 50:14 Min.

Lineup:
Marcus Zachrisson Rubin – Vocals
Morgan Zocek – Guitar, Vocals
Daniel Ramírez – Bass, Vocals
Per Soläng – Drums

Label: M-Theory Audio

Mehr im Web: https://www.facebook.com/Thesonicoverlords

Die Tracklist von “Eternal Heroes (Last Days Of Babylon)”:

1. Utopia (Video bei YouTube)
2. In My Darkest Room (Video bei YouTube)
3. Fools
4. Lord Of No Tomorrow
5. World On Fire
6. Sands Of Time
7. Shine
8. Children Of The Night
9. Eternal Heroes (Last Days Of Babylon) (Video bei YouTube)
10. Past The End Of Time (feat. TONY MARTIN)