THE BRONX CASKET CO.: Antihero

"Antihero" wird sicher seine Nörgler finden, aber daran hat sich D.D.Verni wohl schon gewöhnt. Wem THE BRONX CASKET CO. bisher zu düster oder zuletzt zu langweilig waren, der sollte hier mal rein hören.

THE BRONX CASKET CO. ist ja bekanntlich die persönliche Spielwiese von OVERKILL-Basser D.D. Verni. Hier lebte er bisher seine dunkle musikalische Seite aus, die bei der Thrash-Legende aus New Jersey nur gelegentlich mal in einem Song auftaucht. Dass deren Fans lieber auf die Glocke kriegen, das zeigt ja auch der ziemliche Flopp des recht düsteren, langsamen 93er Album I Hear Black. Hier nun präsentiert D.D.Verni sein viertes Album seiner Düstercombo, wieder begleitet von seinen Sidekicks Jack Frost (u.a. SEVEN WITCHES, SPEEED, METALIUM) an der Gitarre und Charlie Calv (PLEASURE DOM, SHOTGUN SYMPHONY) an den Keyboards. Wie gewohnt mit neuem Drummer, diesmal Rob Pallotta (MIND ERASER), macht Verni ansonsten wieder alles selber und übernimmt nun auch das Mikro.

Egal, ob man nun das wirklich gute, angenehm düstere 99er Debüt im Ohr hat, das ebenfalls noch gelungene Sweet Home Transylvania oder das im Nachhinein doch recht schwache, gerade nochmal gehörte letzte Album Hellectric, das neue Album bringt doch ein paar Änderungen mit sich. Der Mix aus Metal, Gothic und doomigen Passagen hat einen kräftigen Energieschub bekommen, wie schon der Titeltrack als Opener zeigt, der einen Mix aus allen vier Alben auf den Punkt bringt. Der Großteil der Songs rockt direkt geradeaus und tritt ordentlich Popo, statt mit düsteren Klängen wird man eher mit modernem Tanz-Metal konfrontiert, der mal nach ROB ZOMBIE klingt, mal sogar nach RAMMSTEIN, oder auch z.B. Fans der alten Groovemonster CLAWFINGER ansprechen dürfte. Das kommt gut, der eigene Energiepegel steigt automatisch an, vieles passt sowohl in chromglänzende Edel-Rockschuppen als auch in finstere Gothic-Discos. Die düsteren, leicht morbiden Elemente oder gar doomige Passagen finden nur noch am Rande statt, die prägenden Elemente vom Debüt kann man fast vergessen. Dafür machen die ersten Songs treibend viel Spaß. Der Voodoo-Song Sally zieht einen schnell in seinen Bann, die unheilvolle sexy Stimme von Jenna Milano von den New Jersey-Poprockern TASTING GRACE lässt nichts Gutes erwarten. So steigert sich der Song, wie es sich für eine gepflegte Voodoo-Session gehört, von hypnotischen Grooves bis zum orgiastischen Showdown. Erfrischend oldschool ist Holy Mother, das dann doch mit einem doomigen Anfang entzückt und in einen traditionellen, flotten Metalsong ufert. Speziell bei solchen Songs erinnert einen der Gesang von Verni oft etwas an James Hetfield in der rockigen Phase von METALLICA, wie auch bei Selling My Soul. Allgemein kommt seine Stimme recht cool, etwas rau und sehr direkt. Das Mikro auch zu übernehmen war sicher eine gute Entscheidung, gerade wo einer der Schwachpunkte beim letzten Album die schwachen, lustlosen Vocals von Spy (MISFITS) waren. Diese Vocals hier passen gut zum energischen Gesamtbild des Albums, mit Spy am Mikro wäre das voll danebengegangen.

Sehr variabel geht der Bandkopf nicht vor, und auch im Laufe des Albums bleiben bei den Songs große Überraschungen aus, abgesehen vom bluesigen Memphis Scarecrow macht sich eine leichte Gleichförmigkeit breit, gab es den Song nicht eben schon mal? In Zeiten, wo viele Mega-Acts wieder Alben veröffentlichen, die gerade mal die Spielzeit einer Cassetten-Seite erreichen, hätte man bei THE BRONX CASKET CO. ruhig auf den ein oder anderen Song verzichten können, um die Spannung über das ganze Album zu halten. Für viele wären da sicher die Coversongs potentielle Kandidaten. Der QUEEN-Song Death On Two Legs wurde zwar gut in den Gesamtsound eingepasst, bleibt aber erwartungsgemäß weit entfernt vom Charme des Originals. Ähnlich ist es wohl auch mit dem PAUL ANKA/FRANK SINATRA-Oldie My Way, den wohl so oder ähnlich schon unzählige Rock/Punk/Metal-Bands gespielt haben. Nimmt man Antihero ernst und beschäftigt sich mit den Songs, dann kriegen hier allerlei Leute offen oder versteckt auf die Mütze, sodass My Way letztendlich doch Sinn macht. Hier zeigt D.D. Verni letztendlich einigen Leuten den Stinkefinger: das bin ich, das bleib ich, ich zieh mein Ding durch, ob es euch passt oder nicht! Andere Musiker hätten so weitestgehend erfolglose Projekte längst zu den Akten gelegt und sich erfolgversprechenderen Aktivitäten zugewandt. Dass Mastermind Verni THE BRONX CASKET CO. und damit sich selbst treu bleibt, das ist ehrlich. Dass nicht jeder Song grenzenlos begeistern kann, das kann man da gern hinnehmen. Aufgepeppt werden die Songs von erwartungsgemäß beeindruckenden Soli von Michael Romeo (SYMPHONY X), die teils fast schon overdressed wirken in den gradlinigen Songs, aber ausnahmslos absolut hörenswert sind. Hörenswert ist auch der Sound, die Produktion von Verni hat Jacob Hanson (u. a. MAROON, VOLLBEAT, DESTRUCTION) ordentlich aufpoliert.

Antihero wird sicher seine Nörgler finden, aber daran hat sich D.D.Verni wohl schon gewöhnt. Mir macht das Album Spaß, obwohl ich auch weiterhin oft lieber zum düsteren Debüt greifen werde. Wem THE BRONX CASKET CO. bisher zu düster oder zuletzt zu langweilig waren, der sollte hier mal rein hören. Der treibende, moderne Sound wird die kleine treue Fangemeinde nicht zu sehr verschrecken, aber durchaus neue Fans einbringen. Einzig die alte OVERKILL-Fraktion bleibt wieder außen vor, aber die kann sich ja mit D.D.Verni´s Hauptband vergnügen.

Veröffentlichungstermin: 04.02.2011

Spielzeit: 61:35 Min.

Line-Up:

D.D. Verni – Guitar, Vocals, Bass
Rob Pallotta – Drums
Jack Frost – Guitars
Charlie Calv – Keyboards

Gäste:
Michael Romeo – Guitar Soli
Dave Manheimmer – Slide Guitar (8)
Derek Tailer – Lead Guitar (14)

Produziert von D.D. Verni
Label: SAOL

Homepage: http://www.bronxcasketco.com

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/bronxcasketco

Tracklist:
1. Antihero
2. Bonesaw
3. You Look Like Hell
4. Sally
5. I Never Loved You Anyway
6. Holy Mother
7. I Am No One
8. Memphis Scarecrow
9. Selling My Soul
10. Death On Two Legs
11. Let Me Be Your Nightmare
12. NYC (Devil´s Playground)
13. Alive!
14. My Way