THE BLACK LEAGUE: Man´s Ruin Revisited

Wer sich die Mühe macht und sich mit Musik und Texten beschäftigt, wird mit einem grandiosen Album belohnt

Ganz ehrlich: Als ich noch ewig langem Warten endlich das neue Album von THE BLACK LEAGUE zum ersten Mal gehört habe, war ich zunächst enttäuscht. „Man’s Ruin Revisited“ erscheint im ersten Moment eindimensionaler als die Vorgängeralben Ichor und Utopia A.D., zunächst vermisste ich den Abwechslungsreichtum dieser Alben. Doch „Man´s Ruin Revisited“ braucht einfach nur Zeit und einen aufmerksamen Zuhörer, dann entdeckt man alles, was man von THE BLACK LEAGUE erwartet.

“Crusade Against A Plastic World” so lautete der Slogan zum letzten THE BLACK LEAGUE Album Utopia A.D.. Gemessen daran ist “Man’s Ruin Revisited” kein großer Stilbruch. Sicher, THE BLACK LEAGUE haben eine kleine Kurskorrektur vorgenommen und steuern jetzt gradliniger auf die dunkeln Momente im Leben zu, aber so neu ist das auch nicht, denn mit der 2001 erschienenen EP Doomsday Sun haben die Finnen schon einmal ihre rockige Seite gezeigt. Bei genauerem Hinhören wird dann auch deutlich, dass THE BLACK LEAGUE ihre ureigenen Trademarks keineswegs verlassen haben, im Gegenteil.

“Standing still now…

In the convulsing crowd

Like a monolith from some forgotten time”

so heißt es im Opener “Old-World Monkey” und deutlicher kann man fast nicht darauf hinweisen, was diese Band so besonders macht: Sie packt die Einsamkeit, die wohl jeder manchmal verspürt, in Songs. So sieht es nun mal aus auf dieser Welt, lass uns das Beste aus der verfahrenen Situation machen. Das ist eine Seite dieses Albums: ein Gefühl der Verlorenheit, das nichts mit süßlich-klebriger Melancholie zu tun hat. Die andere Seite sind wütende, trotzige Songs wie „Ain´t No Friend Of Mine“ – die alte Wut ist noch da, sie ist auch noch lange nicht abgekühlt, sondern bricht noch immer dampfend-heiß hervor.

Die einzige große, wirklich auffällige Veränderung ist der Gesang von Taneli Jarva. Er setzt seine Stimme etwas konventioneller ein als bislang – auf „Man’s Ruin Revisted“ überwiegt Gesang, früher nutze er alle Ausdrucksmöglichkeiten von leisen, verzweifelten Flüstern bis zu wütendem, anklagenden Schreien. Nicht, dass er seine Sache neuerdings schlecht macht. Aber bei „Better Angels (Of Our Nature)“ schimmert noch einwenig der alte Stil durch, und nicht nur dadurch wird genau dieser Song zum absoluten Höhepunkt der Albums. Viel dazu trägt auch das grandiose Gitarrensolo am Ende des Songs bei, bei dem BABYLON WHORES Gitarrist Antti Litmanen seine Finger an der Gitarre hatte.

Doch nicht nur „Better Angels (Of Our Nature)“ erinnert an früher. Inspirationsquellen, die den Sound von THE BLACK LEAGUE mitgeprägt haben, lassen sich auch auf „Man´s Ruin Revisited“ entdecken. „Lost In The Shadows / I Walk Alone“ erinnert an alte DANZIG-Songs. „The Healer“ hat was von den frühen MONSTER MAGNET und „Mad Ol´ Country“ handelt zwar von Finnland, versprüht aber gleichzeitig wohlig-warmes LYNYRD SKYNYRD-Feeling. „Cold Woman, Warm Beer“, ein Song der in Finnland als Single ausgekoppelt wurde und dort immerhin die Top Ten erreichte, betont einmal mehr die dreckige, rockige Facette der Band, doch trotz aller Eingängigkeit hat der Track genügend Tiefe, um auch mehrere Durchgänge zu überstehen. Aus dem Rahmen fällt das HURRIGANES-Cover „Hot Wheels“, der simple Finnen-Schweinerock bekommt aber trotzdem durch Jarvas Stimme den THE BLACK LEAGUE Stempel aufgedrückt.

„Man´s Ruin Revisited“ ist auf den ersten Blick kompakter als alles, was man von THE BLACK LEAGUE bislang gehört hat. Doch wer sich die Mühe macht und sich mit Musik und Texten beschäftigt, wird mit einem grandiosen Album belohnt. Vielleicht gibt es bessere Alben von THE BLACK LEAGUE, da bin ich mir immer noch nicht sicher. In einem Punkt bin ich dennoch sicher: Diese Band hat eine Seele.

VÖ: 15. Februar 2004

Spielzeit: 44:59

Besetzung:

Jarva – Gesang
Ranta – Gitarre
Luttinen – Schlagzeug
Valanne – Gitarre
Laurila – Bass

Produzent: Hannu Leiden

Label: Ranch/ Universal

THE BLACK LEAGUE: Man´s Ruin Revisited

Old World Monkey
Alive & Dead
Cold Woman & Warm Beer
Hot Wheels
Black Water Fever
Lost In The Shadows, I Walk Alone
Ain´t No Fried O´ Mine
The Healer
Crooked Mile
Mad Ol´ Country
Man`s Ruin … Revisited
Better Angels (Of Our Nature)