THE ALVARET ENSEMBLE: The Alvaret Ensemble

THE ALVARET ENSEMBLE: The Alvaret Ensemble

Leise. Ganz leise. Jedes Geräusch ist zu laut. Das Atmen, das Wackeln mit den Beinen unter dem Schreibtisch, das Tippen auf der Tastatur sowieso. THE ALVARET ENSEMBLE sind selbst am liebsten leise, und sie verlangen Stille. Das Debütalbum des europäischen Kollektivs schwebt dahin wie ein transparenter, wohlgesonnener Geist in einem bedrückenden Haus, in dem ansonsten nur die Angst zu Hause ist. THE ALVARET ENSEMBLE, diese geisterhafte Erscheinung, bestehend aus Pianist Greg Haines, Gitarrist und Soundbastler Romke Kleefstra, Sprecher und Dichter Jan Kleefstra, Percussionist Sytze Pruikskma sowie diverse prominente Gäste wie Hilary Jeffery von THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE und PETER BRODERICK, improvisiert um ihr vages Leben, ohne jedoch das große Ganze aus den Augen zu verlieren.

Über zwei CDs erstreckt sich diese Reise durch die Nacht, die immer dunkel ist, mal jedoch dunkel-jazzig und sehr sinnlich wirkt, und dann doch wieder etwas näher an Komponisten wie NILS FRAHM und MAX RICHTER zu sein scheint. Aber wie ein Geist durch die Wände eines alten Gemäuers hindurch transzendieren kann, wechseln auch THE ALVARET ENSEMBLE ständig Raum und Form. So düster The Alvaret Ensemble auch klingen mag, so unheimlich die mit viel Hall versehenen Percussions wirken, so vage die Produktion auch ist, ein Gefühl der Angst verbreitet das improvisierende Ensemble nicht. Eher so ein wohliges Schaudern.

Vielleicht liegt es an der Improvisation, dass THE ALVARET ENSEMBLE mal in ihrer dezenten Art packend sind, aber dann den Griff wieder etwas zu sehr lockern. Mit ausschließlich unsagbar schönen Momenten wie in EAC, DDE, OND, MOU und dem sich gewaltig steigernden WJU hätten die Musiker für ein Album sorgen können, das tief unter die Haut geht und keine Chance lässt, ihrer Welt zu entkommen. Je länger das über achtzigminütige Album dauert, umso improvisierter wirkt alles, umso leichter wird es, ein wenig den Faden zu verlieren. Wo die erste der beiden CDs noch durch Atmosphäre besticht, verliert sich das zweite, etwas neoklassischer wirkende Album doch ein wenig in sich selbst.

Greg Haines dominiert das Album über weite Strecken mit seinem schweren Klavier, ohne in kitschige Momente abzudriften. Des Weiteren sind mal die Violine, dann wieder die Posaune essentiell wichtig – allein das zeigt schon, dass THE ALVARET ENSEMBLE sich nicht limitieren lassen, aber sich trotz allem erfolgreich bemühen, einen geschlossenen Gesamteindruck zu erzeugen. Gänsehaut gibt es am meisten, wenn Jan Kleefstra mit seiner sonoren Stimme zur Musik seine kleinen Gedichte vorträgt – hier kann es stellenweise wirklich magisch werden. Insofern ist The Alvaret Ensemble besser als andere Improv-Alben, hat aber trotzdem hier und da mit leichten Schwächen zu kämpfen. Wer gerne atmosphärische Musik an der Schwelle zwischen Neoklassik, Jazz und Avantgarde hört, die nicht zu verkopft ist, sollte diesem ungewöhnlichen Ensemble freilich eine Chance geben.

Veröffentlichungstermin: 21. Dezember 2012

Spielzeit: 38:49 + 45:45 Min.

Line-Up:
Greg Haines – Piano, Accordian
Jan Kleefstra – Voice, Poems
Romke Kleefstra – Guitar, Effects
Sytze Pruiksma – Percussion

With
Hilary Jeffery – Trombone
Iden Reinhart – Violin
Peter Broderick – Violin
Martyn Heyne – Church Organ

Produziert von Nils Frahm
Label: Denovali Records

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/AlvaretEnsemble

Tracklist:
CD1:
1. BYD
2. EAC
3. DDE
4. ULC
5. OND

CD2:
1. YSJ
2. TEQ
3. MOU
4. WJU
5. GGI

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle