SUICIDE SILENCE: Become The Hunter

SUICIDE SILENCE: Become The Hunter

Der von Presse und Fans kontrovers aufgenommene Vorgänger „Suicide Silence“ hat seine Spuren hinterlassen. Dass das selbstbetitelte Album mit seinen Experimenten auch kommerziell nicht der größte Erfolg der US-Amerikaner war, ist kein Geheimnis. Dass SUICIDE SILENCE in der Folge verzweifelt nach altgedienten Formeln greifen, so erwartbar wie bedauerlich. Im Prinzip enthält „Become The Hunter“ 13 interessante Minuten und darüber hinaus acht weitere Mal den gleichen ausgelutschten Deathcore-Song in verschiedenen Variationen.

Dabei wollen wir weder die spieltechnische Leistung noch Fronter Eddie Hermida, dessen fiese Screams dem Wahnsinn eine Stimme geben, ankreiden. „Become The Hunter“ fehlt in der ersten Hälfte vielmehr Kreativität – mehr als tief gestimmte Gitarren, drückende Moshparts und das verspulte Solo zwischendurch dürfen wir nicht erwarten. Dem Songwriting fehlt es an markanten Einfällen: SUICIDE SILENCE wirken inmitten der trockenen, aber leblosen Produktion zumeist blutleer.

„Become The Hunter“ ist über weite Strecken kaum mehr als ein Gähnen wert

Hier und da lässt in „Love Me To Death” kurzzeitig die Leadgitarre aufhorchen, versumpft dann aber schnell wieder in einem zähen Breakdown. Das ist nicht unbedingt schlecht, aber im Jahr 2020 kaum mehr als ein Gähnen wert. Insofern horchen wir auf, als nach der Schlaftablette „In Hiding“ mit „Death’s Anxiety“ die zweite Albumhälfte mit Blasts und einer gehörigen Portion Groove ansprechend eingeleitet wird.

Das erste Highlight folgt schließlich mit „Skin Tight“, wo unverzerrte Gitarren eine geheimnisvolle Atmosphäre zeichnen, die von kontrollierten Ausbrüchen durchzogen ist. Hier funktioniert der Laut-Leise-Kontrast auch deshalb so gut, weil Eddie Hermidas keifende Screams sich wie ein roter Faden durch den Songaufbau ziehen, der schließlich in einem mächtigen Breakdown zusammenstürzt.

SUICIDE SILENCE agieren, als hätte sie der Mut verlassen

Eine ähnliche Dynamik untermauert das walzende „The Scythe“, wo einmal mehr die leisen Töne dem Material Profil geben. In „Serene Obscene“ erinnern SUICIDE SILENCE schließlich zwischen donnerndem Groove und mächtigen Growls in Auszügen an WHITECHAPELs „The Valley“. Ein Jammer, dass „Disaster Valley“ nach furiosem Auftakt in den gleichen Trott zurückfällt wie zu Beginn des Albums.

SUICIDE SILENCE wiederholen ihre einzige Pointe, als hätte sie nach der Kritik an der letzten Platte der Mut verlassen. Nur kurzzeitig blitzt das vorhandene Potenzial auf, das die Formation auf „Become The Hunter“ aber lieber zugunsten eingefahrener Deathcore-Konventionen opfert.

Veröffentlichungstermin: 14.02.2020

Spielzeit: 39:47

Line-Up:

Eddie Hermida – Vocals
Chris Garza – Gitarren
Mark Heylmun – Gitarren
Dan Kenny – Bass
Alex Lopez – Schlagzeug
Produziert von Steve Evetts, Josh Wilbur (Mix) und Ted Jensen (Mastering)

Label: Nuclear Blast

Homepage: https://ssarchives.com/
Facebook: https://www.facebook.com/suicidesilence/

SUICIDE SILENCE “Become The Hunter” Tracklist

01. Meltdown (Video bei YouTube)
02. Two Steps (Video bei YouTube)
03. Feel Alive
04. Love Me To Death (Video bei YouTube)
05. In Hiding
06. Death’s Anxiety
07. Skin Tight
08. The Scythe
09. Serene Obscene
10. Disaster Valley
11. Become The Hunter

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.