STRAPPING YOUNG LAD: Alien

Fans von HeavyDevy sollten tief Luft holen, sich die Hände reiben und sich auf dieses außerirdisch gute Album freuen.

Vielleicht kann man STRAPPING YOUNG LAD am ehesten nachvollziehen, wenn man Devin Townsends manische Depressionen und seinen übermäßigen Marjhuana-Konsum betrachtet. Irgendwie ist es schon bewundernswert, dass dieser Mann noch nicht unter der Erde liegt. Im Ernst, wer die Scheiben von STRAPPING YOUNG LAD hört wird doch selbst zu einer tickenden Zeitbombe, oder? Beruhigend, dass am vierten Album der verrückten Kanadischen Kapelle auch seine Kollegen mitgeschrieben haben. Beunruhigend, dass dieses Album noch viel wirrer und kränker ist als seine Vorgänger.

Beginnend mit einem brutalen, aber geradlinigem Thrash-Monster ziehen STRAPPING YOUNG LAD zunächst alle Aufmerksamkeit auf sich um sie im weiteren Verlauf für ihre miesen Machenschaften zu benutzen. Denn ab Skeksis kümmern sich die vier wild gewordenen Holzfäller nicht mehr um das, was der Hörer will, sie machen ihn von Grund auf fertig. Das fiese Geschrei von Devin Townsend, und die erbarmungslosen Riff könnten eigentlich sehr straight sein, doch STRAPPING YOUNG LAD formen die Musik nach ihren kranken Gedanken und erschaffen etwas, das ganz einfach nicht von dieser Welt zu sein scheint. Alien – einen besseren Titel für diese Scheibe gibt es nicht. Höchstens: Hostile alien that comes to destroy everything, denn hier wird kurzer Prozess gemacht.

Egal ob langsamere oder die Schallmauer durchbrechende Songs, Alien hackt alles kurz und klein, dass einem die Haare zu Berge stehen. Das total durchgeknallte Shitstorm, das ultraschnelle We Ride, der Midtempo-Kracher Love? oder das manische Zen, alles hat die Wucht einer Atombombe und der Hörer ist mittendrin. Leicht machen es STRAPPING YOUNG LAD keinem der Fans, sogar ich brauche hier und da Überwindung mir dieses kranke Etwas anzuhören, doch manchmal trifft das vierte Album der Psychopathen genau meinen Nerv. Im Gegensatz zu SYL, das man immer hören kann oder City, dass für die freakigen Momente im Leben die passende Unterlegung bietet werden die meisten Alien wohl seltener in den Player schmeißen, vielleicht eben weil es ein Bastard aus genau diesen Alben und genau diesen Prägungen ist.

Seis drum, Alien ist eine vorbildliche Attacke auf den kleinen Teil des Hörers, der sich an die Wirklichkeit klammert, sich nach der Realität sehnt. Dieser Teil wird nämlich in den 45 Minuten Lärm komplett zerstört. Einerseits durch die brillanten handwerklichen Fähigkeiten, schließlich mischt Gene Hoglan mal wieder mit und veredelt mit seinem unnachahmlichen locker-flockigem Drumming dieses hochanstrengende Werk und sorgt für den richtigen Tritt ins Gesicht. Was für eine Double-Bass! Doch auch die kranken Riffs und die mächtigen Basslinien sorgen für Wirbel und wenn schließlich der größte aller Schizophrenen beginnt zu schreien, zu stöhnen oder sogar zu singen bleibt kein Auge trocken. Die richtige Würze geben der Scheibe viele geschickt eingestreute Samples und kranke Synthie-Einlagen, die sich teilweise ganz gemein verstecken. Keine Frage, dies lässt diese Scheibe erst richtig abheben und sorgt für totale Verwirrung.

Verwirrend ist auch das ruhige, relaxte Two Weeks, das wie ein Vorbote zu den restlichen Wutausbrüchen klingt. Ebenso kaputt ist das 12minütige Info Dump, das im Wesentlichen aus Rauschen besteht, doch auch hier muss man genau hinhören. Erwartet ja kein Album, dass sofort im Gehör bleibt, auch wenn sich einige nette Melodien eingeschlichen haben. Und erwartet ja nicht, dass es keine Arbeit ist, diese Scheibe zu hören. Dass man am Ende jedoch eine Scheibe hat, zu der man bestens Hass, Frust und Wut abbauen kann solltet ihr nicht außer Acht lassen. Viele Leute werden Alien sicherlich hassen, doch die Fans von HeavyDevy sollten tief Luft holen, sich die Hände reiben und sich auf dieses außerirdisch gute Album freuen.

Veröffentlichungstermin: 21. März 2005

Spielzeit: 54:40 Min.

Line-Up:
Devin Townsend – Vocals, Guitars

Jed Simon – Guitars

Byron Stroud – Bass

Gene Hoglan – Drums

Produziert von Devin Townsend
Label: Century Media Records

Homepage: http://www.strappingyounglad.com

Tracklist:
1. Imperial

2. Skeksis

3. Shitstorm

4. Love?

5. Shine

6. We Ride

7. Possessions

8. Two Weeks

9. Thalamus

10. Zen

11. Info Dump