STIGMA: Concerto For The Undead

STIGMA: Concerto For The Undead

Die Zeiten, in denen THE BLACK DAHLIA MURDER noch einzigartig waren, sind definitiv vorbei. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Nachzüglern wechselhafter Qualität, ist doch die Symbiose aus skandinavischem Melodic Death Metal und dem technischeren amerikanischen Pendant so beliebt wie nie zuvor. In diesen aufstrebenden Reigen illustrer Gesellen reihen sich auch STIGMA aus Italien ein, deren zweites Album „Concerto For The Undead“ im Grunde eben wie die eingangs erwähnte Band klingt.

Große Abweichungen sollte man deshalb von dem Quartett nicht erwarten, außer vielleicht eine ausgeprägtere Affinität zum Metalcore, was sich in regelmäßigen Breakdowns sowie Moshparts niederschlägt, die jedoch niemals störend sind und mit dem stumpfen Gebolze anderer Bands rein gar nichts zu tun haben. Erwähnenswert sei außerdem die augenscheinliche Liebe zu Horrorgeschichten, denen STIGMA nicht nur auf dem Cover und dem Pressefoto im Inlay samt kultigem „Tales From The Crypt“-Comic huldigen. Neben dem stilsicheren Artwork ließ die Band sogar das zugrunde liegende lyrische Konzept im Booklet durch hochwertige Illustrationen, die genauso gut aus der bereits erwähnten Reihe um den legendären Crypt Keeper hätten stammen können, veredeln.

STIGMA entführen uns auf einen wilden Höllenritt

Ein diabolisches Lachen – und damit schlagen wir die Brücke zur eigentlichen Musik – ganz in dessen Stil eröffnet die nachfolgenden 42 Minuten, die im Grunde genau das verkörpern, was einem STIGMA erst in der Mitte des Albums mit „What About A Terror Ride?“ anbieten. Aber das ist ja nicht untypisch für das gemeine Horrorensemble: Gefragt wird, wenn überhaupt, erst später und selbst dann steht die Antwort ohnehin schon fest.

Zwischen verspielten Leads, technischem und doch songdienlichem Drumming und einer von AT THE GATES inspirierten Rhythmusgitarre geht es in einem wilden Höllenritt durch „Chop His Head Off!“, wo sich die stets wiederkehrende unheilvolle Grundstimmung in Metalcore-typischen Breakdowns entlädt. Überhaupt gehören Tempowechsel von groovenden Midtempopassagen hin zu schnellen Blasts zur Tagesordnung – wie beim Vorbild THE BLACK DAHLIA MURDER eben.

Viele Details auf „Concerto For The Undead“ erschließen sich durch wiederholtes Hören

Ganz nach diesem kommt auch die Leistung von Sänger Stefano. Während überwiegend hohe Screams die Songs dominieren, paaren sie sich doch regelmäßig mit markerschütternden Growls, wobei sich die beiden Stimmfarben wie in „Doctor Skeleton“ auch mal ein Duell mit Wechseln im Sekundentakt liefern. Eher verzichtbar und somit der einzig wirklich nennenswerte Fehltritt auf „Concerto For The Undead“ sind hingegen die kraftlosen Kindergartengangshouts, die nicht zum ansonsten gnadenlosen Gesamtbild passen wollen. Der Crypt Keeper würde sich in seiner Gruft herumdrehen, wäre er nicht sowieso schon untot!

Ansonsten formt „Concerto For The Undead“ jedoch ein homogenes und ansprechend produziertes Gesamtwerk, das mit „3000 Years And Still Keeping It Real“, „What About A Terror Ride?“ und „Doctor Skeleton“ nicht nur verdammt coole Songtitel, sondern auch eine ganze Reihe an Hits auffahren kann. Sicherlich könnte man diesen ankreiden, zu wenig Aufmerksamkeit auf das Ausarbeiten einer eigenen Note zu verwenden, aber was soll’s, das Horror-Genre arbeitet auch seit Jahrzehnten mit den immer gleichen Mitteln und macht nach wie vor Spaß. STIGMA gelingt jedenfalls ein durchweg starkes Horrorkabinett für alle Fans von THE BLACK DAHLIA MURDER, SHEEPHEAD sowie DYING HUMANITY und teilt nebenbei eine seiner größten Stärken mit den unsterblichen Horrorklassikern der Filmgeschichte: Auch bei diesen lernt man viele Details und Facetten erst mit wiederholtem Konsum wirklich zu schätzen.

Veröffentlichungstermin: 30.04.2010

Spielzeit: 41:53 Min.

Line-Up:

Stefano Vlad Ghersi – Vocals
Andrea Bailo – Guitars
Flavio Magnaldi – Bass
Stefano Ghigliano – Drums

Produziert von STIGMA und Jona Weinhofen
Label: Pivotal Rockordings

STIGMA „Concerto For The Undead“ Tracklist

01. Chop His Head Off!
02. Prove You Are A Man! (Audio bei YouTube)
03. …And They Died Happily Ever After!
04. A Monstrous Feeling
05. The Undertaker (Video bei YouTube)
06. What About A Terror Ride?
07. 3000 Years And Still Keeping It Real
08. A Grave Situation
09. Beat Me Maestro, Eight To The Dead!
10. Doctor Skeleton

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.