STAGWOUNDER: The Shrouded Muse Of The World’s Lament

STAGWOUNDER lassen uns in den Abgrund blicken: Viel Licht gibt es zwischen disharmonischem Black und Doom Metal samt Post-Rock-Einsprengseln nicht, aber entdecken lässt sich dennoch eine ganze Menge.

Niemand hat gesagt, dass es ein Spaziergang wird. Philosophie ist ein Kampf, ein mühsames Vordringen in und Aufbrechen unserer grundlegenden Gedankengänge. Die Konfrontation mit den sogenannten ‚letzten Fragen‘, auf die wir oftmals selbst keine befriedigende Antwort finden. Im Rahmen von STAGWOUNDERs musikalischer Auseinandersetzung mit Julius Bahnsens (1830-1881) „Pessimistenbrevier“ so etwas wie Easy Listening zu erwarten, wäre folglich mehr als vermessen.

Die Heidelberger Formation verbindet auf „The Shrouded Muse Of The World’s Lament“ Elemente des Black und Doom Metal mit einer getragenen Post-Rock-Note, die allerdings durch disharmonische Akkordfolgen stets etwas Unbequemes sowie Unbehagliches mit sich bringt. Das spüren wir schon im Instrumental-Intro „Du scheuchst von hinnen all das Gemeine“, bis STAGWOUNDER mit Blastbeats und Disharmonie nachfolgend die Daumenschrauben anziehen. Verspielte Leadgitarren, wie wir sie auch von HARAKIRI FOR THE SKY kennen, geben in “Der Eindringlichkeit unversöhnlichster Garotteur” zwischendurch Halt, während der Bass im Hintergrund erstaunlich warm abgemischt scheint.

STAGWOUNDER lassen uns in den Abgrund blicken

STAGWOUNDER bedienen sich einerseits typischer Genre-Muster, wenn sie etwa zwischen schwarzmetallischen Eruptionen und ruhigen, nachdenklichen Instrumentalpassagen wechseln. Gleichzeitig verschiebt die Band den Fokus aber in Richtung Abgrund: „The Shrouded Muse Of The World’s Lament“ suhlt sich nicht um seiner selbst willen in der eigenen Verzweiflung. Stattdessen wollen STAGWOUNDER offenbar, dass wir den inneren Konflikt einer pessimistischen Denkweise auch emotional fühlen können.

Anhand zähfließender, trostloser Passagen („Das Phantom zerrinnt“) sowie unbequemer Ausbrüche, die sich in „Ein Gewölbe Für den Sarkophag Ihres Hoffens“ zwischendurch zu einer regelrechten Kakofonie auftürmen, erstickt die Formation lange Zeit jegliche Hoffnung auf einen Ausweg aus dieser Abwärtsspirale. Erst die feinfühligen Gitarrenarrangements im instrumentalen „Monologe der Zerknirschung und der Selbstverachtung“ bringen – wenn auch kein Licht – ein wenig Raum, sich selbst zu sammeln.

“The Shrouded Muse Of The World’s Lament” ist eine Entdeckungsreise

Diese Zäsur ist auch deshalb wichtig, weil sie uns auf die zweite Albumhälfte vorbereitet, wo sich STAGWOUNDER ein wenig mehr öffnen und die Melodieführung deutlicher ins Zentrum rücken: „Der Moder heiligster Rechte“ spielt die harschen Vocals gegen die Leadgitarre aus, bevor „Der Erlösung durch Vernichtetwerden entrückte Kern unseres Wesens“ dank filigraner, unverzerrter Gitarren das pechschwarze Schlusskapitel „Petition Betreffend das Verbot des Schwerttragens“ umso härter landen lässt.

Um an diesen Punkt zu gelangen, setzen STAGWOUNDER jedoch einiges voraus: den Willen, Gewohntes aufzubrechen und sich mit Unbequemem auseinanderzusetzen; den Drang, auch in der Disharmonie eine Schönheit zu finden. Nein, „The Shrouded Muse Of The World’s Lament” ist kein Spaziergang, aber eine Entdeckungsreise.

Veröffentlichungstermin: 26.11.2021

Spielzeit: 45:32

Line-Up

JR – Vocals
Kohelet – Gitarre
Nein – Bass
DD – Drums

Produziert von STAGWOUNDER und Tobias „Schwarzton“ Schwarz (Mix und Mastering)

Label: The Crawling Chaos

Homepage: https://stagwounder.bandcamp.com/
Facebook: https://www.facebook.com/stagwounder/

STAGWOUNDER “The Shrouded Muse Of The World’s Lament” Tracklist

1. Du scheuchst von Hinnen all das Gemeine
2. Der Eindringlichkeit unversöhnlichster Garotteur
3. Das Phantom zerrinnt
4. Ein Gewölbe für den Sarkophag ihres Hoffens
5. Monologe der Zerknirschung und der Selbstverachtung
6. Das Leben längsversenkter Todten
7. Der Moder heiligster Rechte
8. Der Erlösung durch Vernichtetwerden entrückte Kern unseres Wesens
9. Petition betreffend das Verbot des Schwerttragens