SONIC FRONT: Depart

Die Klangfront könnte eigentlich gesammelt zum Ansturm auf Ohr und Herz der Hörerschaft ansetzen…wenn Sänger Kai da nicht eine Lücke in die sonst so forschen, energiegeladenen eigenen Reihen reißen würde.

Mit Depart präsentiert sich SONIC FRONT als äußerst gut aufeinander eingespieltes Team. Die Band frönt moderner Rockmusik mit Gitarren, die heftig genug wummern, um sie von dem Einerlei der bekannteren Acts der Szene abzuheben. Depart lebt von der wunderbar funktionierenden Rhythmusgruppe, die eine pulsierende, mehr als solide Basis für die erwähnten Gitarrenriffs bildet. Die Synthies geben ihren Senf dazu noch in Gestalt von passenden, unaufdringlichen Melodien und atmosphärischen Teppichen, so dass die Klangfront eigentlich gesammelt zum Ansturm auf Ohr und Herz der Hörerschaft ansetzen könnte…tja, wenn da nicht Sänger Kai eine Lücke in die sonst so forschen, energiegeladenen eigenen Reihen reißen würde. Auch wenn er nun keineswegs schlecht singt, so passt sein uncharismatisches, dünnes Timbre trotzdem nicht wirklich zum Rest der kraftvollen Mannschaftsleistung. Auch stilistisch fügt sich sein am ehesten an Mike Patton erinnerndes Organ nur schwerlich in die weitaus härtere Musik ein. Man erhofft sich von ihm ständig Ausbrüche, Herzblut und aggressions-, frust- oder sonstwasgetränkte Hooklines, wie es der Sänger von VEX RED beispielsweise hinbekommt, doch stattdessen versucht er es mit der stets gleichen klaren Klangfarbe und mit für meinen Geschmack zu konventionellen Melodiebögen. Klitzekleine Ausnahme ist da noch das ausladende Disturban, bei dem auch er nicht mehr um ein paar Variationen und etwas mehr Schmackes rumkommt. Das macht Depart nun keineswegs zu einer schwachen Platte, doch hindert das erwähnte Manko die Band daran, zumindest zu den nationalen Größen des Genres aufzuschließen. Die Substanz dazu hätten die zehn Tracks auf der Scheibe ansonsten allemal, nicht zuletzt dank der beachtlichen Tightness, die Kohle in Sekunden zu Diamanten pressen könnte.

Spielzeit: 48:47 Min.

Line-Up:
Kai Hornung – Gesang

Christoph Renne – Gitarre

Oliver Weinitschke – Gitarre

Arman Gregor – Synthies

Sebastian Lindner – Bass

Stefan Reese – Schlagzeug

Produziert von Willi Dammeier, Christian Hawellek und SONIC FRONT
Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.sonicfront.de

Email: kai@sonicfront.de

Tracklist:
This Is Where I Start to Breathe

Comatose

Dump and Chase

Walk Away

Trying

Red Cookie

Unlikely

Every Passing Light A Reminder

Speeding Time

Disturban

Depart