SECOND MOON OF WINTER: One For Sorrow, Two For Joy [EP]

Improvisieren in seltsam avantgardistischen Welten – SECOND MOON OF WINTER lassen den Rezipienten nicht wirklich in ihren elitären Kreis.

Ein Bandname wie ein Hexenritual. Und tatsächlich widmen sich SECOND MOON OF WINTER bizarren, auf gewisse Weise rituellen musikalischen Exkursionen. One For Sorrow, Two For Joy ist das erste Lebenszeichen des irischen Projektes, das in seltsam avantgardistischen Welten dezent improvisiert und Erinnerungen an THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE, beziehungsweise THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION aufkommen lässt, auch wenn sie oberflächlich betrachtet nur wenig gemeinsam haben. Es ist der ätherische Soprangesang, der über den flächigen Synthesizern, Klarinetten, Posaunen und Gitarren schwebt, der dieses Trio immerhin ähnlich bizarr wirken lässt. Einerseits klingen SECOND MOON OF WINTER sehr intim und zurückhaltend, andererseits ist der Gesang, der an die Lieder der Sirenen, die aus dem Nebel zu einer verirrten Seele dringen, auch ausladend und kann laut und sehr verstörend werden.

Meist wirkt die Musik von SECOND MOON OF WINTER wie Rauchschwaden, die an dir vorbeiziehen, darin verborgen sind bizarre Bilder, Farben und Formen, die sich nur schwer erkennen lassen. One For Sorrow, Two For Joy ist überraschend kompakt mit seinen sechs kurzen Tracks, dennoch ist hier keine Spur von Zugänglichkeit gegeben: Durch die Spontaneität im Songwriting und bei den Aufnahmen – dieses kleine Album entstand in vier jeweils einstündigen Sessions und wurde live aufgenommen – stehen klar die Emotion und die Atmosphäre im Vordergrund. Stellvertretend dafür steht Cigarette, das mit krachenden Riffs und Soprangesang beginnt, was von jazziger Klarinette und sakralen Orgeln abgelöst wird. So kreativ und grenzüberschreitend SECOND MOON OF WINTER zwischen Ambient, Neoklassik und Jazz auch vorgehen mögen, es fehlen die Momente, die unter die Haut gehen und sich im Gehirn verankern. Gespielt ist das alles exzellent und je genauer man hinhört, umso mehr kleine Details machen sich bemerkbar, aber so richtig lassen die Musiker den Rezipienten nicht in ihren elitären Kreis. Freunden improvisierter Musik sei der Probedurchlauf vorsichtig empfohlen.

Veröffentlichungstermin: 16. Januar 2015

Spielzeit: 27:14 Min.
Label: Denovali Records
Mehr im Netz: https://www.facebook.com/secondmoonofwinter

Tracklist:
1. Those Days Are Gone
2. Come Around
3. Ghandi Missed The Train
4. Two Magpipes
5. Cigarette
6. Where The Blue Meets The Green