RUNEMAGICK: Envenom

Gut gemachter, minimalistisch arrangierter Death-Doom mit einigen Sound-Experimenten.

Was sich auf den letzten Veröffentlichungen schon abzeichnete, findet auf Envenom seine konsequente Fortsetzung: RUNEMAGICK gehen weitaus doomiger und extremer vor als noch vor einigen Jahren, und wer die Band für einige Zeit aus den Augen verloren hatte und sich nun mit dem neuen Album beschäftigt, wird sicherlich zunächst einmal überrascht sein. Die Musik ist ebenso minimalistisch wie das Booklet – sehr rau produziert, ergeben die kriechenden, oft disharmonischen Gitarrenriffs, die nur hin und wieder eingestreuten Leads sowie der dröhnende Bass und das über weite Strecken im Zeitlupentempo hämmernde Schlagwerk ein abgrundtief böses Gebräu, dem die okkulten Texte, welche in Form hasserfüllter Grunts dargeboten werden, die Krone aufsetzen. In einer guten Stunde bringt man es dabei auf gerade einmal fünf Songs. Langweilig ist Envenom trotzdem nicht, auch wenn es einiger Zeit bedarf, die Hürde der minimalistischen Arrangements zu durchdringen und die Songs wirken zu lassen. Vultures ist ein extrem schleppendes Stück, welches schon fast als Funeral Doom durchgeht und dank einer wiederkehrenden Hookline davor bewahrt wird vor sich hinzuplätschern. Der Song geht fast nahtlos in das titelgebende Envenom (Laterna – Magica) über, welches mit einem beschwörenden, klaren Singsang beginnt und dank vieler Tempowechsel mit Ausflügen in schnellere Gefilde erfreulich abwechslungsreich daherkommt. Einfache Gitarrenleads, dröhende Powerchords und effektive Stakkato-Riffs und Breaks zeichnen dieses Werk aus.

Envenom ist eine herrlich altmodische, extreme Death-Doom-Scheibe, bei der aber auch mit Einflüssen aus anderen Bereichen experimentiert wird, wodurch die Musik durchaus einen eigenen Charakter gewinnt. So wird Nebulous, ein Song, der eine der wenigen Passagen enthält, in denen es Gitarrenharmonien zu hören gibt, durch coole Flanger-Effekte angereichert. Maelstrom (Sin Eater) hingegen zeichnet sich durch einen extrem knarzenden, angezerrten Bass aus und endet mit minutenlangen lärmenden, effektbeladenen Gitarren und einer Feedback-Orgie. So etwas kennt man eher von Bands wie ELECTRIC WIZARD, wirkt aber im Death-Doom-Kontext ziemlich überraschend.

Etwas bahnbrechend Neues haben RUNEMAGICK trotz einiger ungewöhnlicher Experimente zwar nicht erschaffen, songwriterisch und handwerklich ist Envenom aber wirklich gelungen und besitzt zumindest eine eigene Note. Die Zielgruppe – Leute, die auf minimalistisch instrumentierten, noisigen Death-Doom der extremen Variante stehen und offen für einige Soundexperimente sind – ist vermutlich nicht allzu groß. Wer sich zu dieser Sorte Mensch zählt, sollte sich aber mit Envenom auf jeden Fall näher befassen.

Veröffentlichungstermin: 31.01.2005

Spielzeit: 61:11 Min.

Line-Up:
Nicklas Rudolfsson – guitars, vocals

Emma Karlsson – bass

Daniel Mojjo Moilanen – Drums

Produziert von Nicklas Rudolfsson
Label: Aftermath Music

Hompage: http://www.runemagick.se

Email-Adresse der Band: mail@runemagick.se

Tracklist:
1. Vultures

2. Envenom (Laterna – Magica)

3. Nebulous

4. Omnivore

5. Maelstrom (Sin Eater)