RUIN LUST: Choir of Babel

RUIN LUST:  Choir of Babel

Die Strafe, welche die Bibel für die Blasphemie des Turmbau zu Babel beschreibt, sah folgendermaßen aus: „Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!„ (1. Mose, 11, 7).  Aus all diesen unterschiedlichen Sprachen haben sich RUIN LUST  für ihren „Choir of Babel“ gleich zwei gleichzeitig ausgesucht, nämlich die der in Lärm gegossenen Gewalt und die der in Musik gegossenen Gewalt. Ein Grund-Konflikt, den die Band leider nicht ganz lösen können wird.

Die New Yorker (mit M. Rekevics von YELLOW EYES an den Drums) veranstalten auf den fünf Tracks dieses Releases eine kleine Orgie aus Blastbeats, tiefem Geröchel und Geschrei, sowie  einer immens dichten Wand aus gefühlt 50 blutverschmierten Gitarren. Riffing und Songstrukturen sind zwar immer noch Death Metal der rüden Art, atmen aber auch den Pesthauch von Bestial Black Metal. Und hier und da ist auch etwas Crust erkennbar. Gesangliche Phrasierungen erinnern hier manchmal gar an Barney Greenway.

Eine Orgie aus Blastbeats, tiefem Geröchel und Geschrei

Musikalisch ist also keine Filigranität zu erwarten, anderseits ist man aber auch nicht völlig stumpf unterwegs. Manchmal klingt es, als könnten die Musiker einfach nicht verhindern, ab und zu so was wie Anspruch zu integrieren.  Mit „Prison of sentient Horror“  ist gar so etwas wie ein Ohrwurm gelungen, was bei dem musikalischen Ansatz eigentlich ausgeschlossen zu sein scheint.

Eigentlich ist alles da, was mir in dieser unappetitlichen Ecke des Metal gefällt: ranziger, aber fetter Sound, der nicht völlig verhallt ist, gute Riffs, HM2-Gitarren, erkennbare Drums, abartiger Gesang –  und dennoch will der Funke nicht so recht überspringen.     

RUIN LUST bewegen sich irgendwo zwischen der Abgedrehtheit und morastigen Düsterheit von TOMB MOULD und der Durchschlagskraft von CARNAL TOMB und versuchen damit zwei Welten zu bedienen, die sich eigentlich nicht wirklich verstehen. Zwei Sprachen, wenn auch aus derselben Sprach-Familie.

Das ist einerseits ein interessanter Ansatz  aber anderseits liegt vielleicht genau hier auch das Problem, warum diese Platte nicht völlig begeistert kann. Wenn ich die Welt hassen will, kann ich das mit REVENGE nunmal besser als mit „richtiger“ Musik. Für ein modriges Death Metal Album ist „Choir of Babel“ dann aber wiederum etwas zu stumpf geraten und für ein „normales“ Death Metal Album viel zu widerborstig und chaotisch. Ein schwieriger Spagat, der mit diesem Album noch nicht so ganz gelungen ist, aber vielleicht auf dem nächsten Album garstige Früchte tragen kann. Das Potential zu einem eigenständigen Weg hat die Band auf jeden Fall.

Für jeden Freund anständigen Gescheppers ist Reinhören aber in jedem Fall empfohlen.

Release Date: 13.03.2020

Label: 20 Buck Spin

RUIN LUST: Choir of Babel

1. The Choir Of Babel (4:54)
2. Prison Of Sentient Horror (4:23) 3. Worm (5:30) (Audio auf Youtube)
4. Bestial Magnetism (5:45) (Audio aud Youtube)
5. Rite Of Binding (8:53)

Line-Up:
J. Wilson – Guitar, Vocals
M. Rekevics – Vocals, Drums
S. Bennet – Guitars, Bass

https://ruinlust.bandcamp.com/