RPWL: Live – Start The Fire

RPWL fahren alles auf, was eine Live-Platte einer Progrock-Band interessant und lohnenswert macht.

Na, auch PINK FLOYD wiedervereinigt bei Live 8 im Fernsehen gesehen? Jepp, die alten Säcke können´s noch. Doch auch wenn dieser denkwürdige Auftritt der alten Herren des Progrocks komplett in die Hosen gegangen wäre, wäre die Rettung nicht fern gewesen. Denn mit Start The Fire veröffentlichen die größten Verehrer der britischen Institution ein Doppel-Livealbum: RPWL. Dabei sollte man jedoch Verehrung nicht mit blankem Nachäffen verwechseln, schon auf Alben wie Trying To Kiss The Sun und World Through My Eyes zeigten die als Coverband gestarteten Bajuwaren, dass ihnen sehr wohl eigene Ideen durch die Gehirnwindungen schießen. Daraus entstehen überaus opulente Klanggemälde, die zusätzlich zur hohen Klangkunst eben mit diesem ganz besonderen warmen PINK FLOYD-Gefühl veredelt werden. Dies ist vor allem der leicht melancholischen David-Gilmour-Stimme von Yogi Lang und der einfühlsamen Gitarrensprache von Karlheinz Wallner geschuldet. Doch wollen wir die Herren nicht zu sehr mit dem immergleichen Vergleich quälen. Dafür ist ihre Musik viel zu tiefgründig und facettenreich, auch wenn sie die Parallelen mit gleich drei Coverversionen der Großmeister selbst herausfordern: dem voller Drehungen und Wendungen steckenden Cymbaline, dem unspektakulären Opel und dem weithin bekannten Welcome To The Machine. Doch zunächst bekommt der Hörer auf CD 1 einen Mitschnitt zu hören, dessen Schwerpunkt eindeutig auf der letzten CD World Through My Eyes liegt. Hier sticht vor allem Roses heraus, bei dem Ex-GENESIS-Sänger Ray Wilson wie schon auf dem Album die Band verstärkt. Je öfter man dieses Kleinod anhört, desto emotionaler und trauriger klingt es. Doch auch die restlichen Songs haben es in sich. Mr Wilson wurde beispielsweise gleich für Not About Us von seinen ehemaligen Arbeitgebern auf der Bühne behalten, einer ruhigen Ballade, die von Rays rauchiger Stimme lebt. Ansonsten regieren Opulenz und Elegie, dass es eine helle Freude ist. Einziges Manko: Die Übermacht der aktuellen Songs drängt das erstklassige, fast noch begeisterndere ältere Material an den Rand. Stücke wie Home Again und Waiting For A Smile hätten der Abwechslung sicherlich zusätzlich gut getan. Trotzdem ist es beeindruckend, wie kraftvoll RPWL die Live-Energie ins heimische Wohnzimmer transportieren. Bei aller Perfektion hört man doch stets dem Material die authentische Live-Atmosphäre an.

CD 2 entführt den Hörer anschließend mit den erwähnten Coverversionen und einigen zusätzlichen Schmankerln in unbekanntere RPWL-Gefilde. World Through My Eyes wird in einer sehr relaxten Variante dargeboten, während die erwähnten drei Coverversionen der großen Vorbilder behutsame Neuinterpretationen darstellen und als Anspielung auf die Ursprünge der Band voll und ganz ihre Berechtigung auf Live – Start The Fire haben. Abschließend bekommt der Progrock-Freund mit dem zwölfminütigen Studiosong New Stars Are Born ein äußerst wohlschmeckendes Dessert serviert, sodass das Fazit rundum positiv ausfallen kann. RPWL fahren alles auf, was eine Live-Platte interessant und lohnenswert macht, persönliche Vorlieben ausgenommen. Daher kann Live – Start The Fire sowohl als Einstiegsdroge für all jene, denen die Band bislang entgangen war, als auch als spannende Ergänzung der Sammlung für Fans dienen.

Veröffentlichungstermin: 17.10.2005

Spielzeit: 61:28/67:05 Min.

Line-Up:
Yogi Lang – Gesang, Keyboards

Karlheinz Wallner – Gitarre

Chris Postl – Bass

Manfred Müller – Schlagzeug

Gäste:

Ray Wilson – Gesang

Markus Jehle – Keyboards

Produziert von Yogi Lang
Label: Inside Out/SPV

Homepage: http://www.rpwl.de

Email: rpwl@farmlands.de

Tracklist:
CD 1:

Sleep

Start The Fire

Who Do You Think We Are

Day On My Pillow

Roses

Not About Us

The Gentle Art Of Swimming

Wasted Land

Crazy Lane

Trying To Kiss The Sun

CD 2:

World Through My Eyes

Opel

Cymbaline

Welcome To The Machine

I Don´t Know

Hole In The Sky

New Stars Are Born