RIOT: Army Of One

RIOT: Army Of One

Mit RIOT und mir ist das so eine Sache. Natürlich ist mir klar, dass die Zeiten von „Thundersteel“ und „The Privilege Of Power“ längst vorbei sind und die Mannen seit Jahren Musik machen, die mit der Mucke meiner beiden RIOT-Faves nichts mehr zu tun hat. Ich habe mich damit abgefunden und Alben wie „Nightbreaker“ oder „Inishmore“ waren ja durchaus der Beweis, dass sie nach wie vor das gewisse Gespür für richtig geile Songs haben und den Spagat zwischen Eingängigkeit und Anspruch perfekt beherrschen. Bei den letzten beiden Alben hatte aber zumindest ich das Problem, dass das Bonbon RIOT manchmal ausgelutscht schien. Die Songs boten kaum Neues und das Aufgewärmte hatte man schon mal besser gehört, nicht einmal die Produktionen unterschieden sich großartig voneinander.

Bei „Army Of One“ darf man ganz vorsichtig (aber nicht zu tief) aufatmen. Zwar hat sich am bewährten Rezept nichts geändert und einige typische RIOT-Melodien (wie z. B. ganz deutlich im Pre-Chorus von „One More Alibi“) glaubt man auch schon mal auf älteren Alben gehört zu haben, aber im Gesamtkonzept gesehen wirken die Stücke etwas frischer und unbeschwerter, als auf den beiden letzten Werken. Experimente gibt es keine und das hat wohl auch niemand erwartet, das Klampfenspiel insbesondere von Mark Reale ist aber natürlich wie eh´ und je unantastbar, die Stimme von Mike DiMeo nach wie vor Charisma pur! Was die Produktion betrifft, klingt ebenfalls alles wie gehabt: Sehr erdig und natürlich, aber nicht unbedingt das, was man heutzutage als druckvoll oder modern bezeichnen würde – hier zeigen sich die bluesigen 70s Wurzeln mit am deutlichsten und das geht für mich auch in Ordnung.

Wenn man auf die einzelnen Songs eingeht, habe ich ähnliche Probleme wie mit „Through The Storm“ und „Sons Of Society„. Am Stück funktioniert alles ganz prima und ich ertappe mich immer wieder beim Mitwippen, richtige Hits sind aber irgendwie Mangelware. RIOT bieten ein durchgängiges Niveau ohne richtige Ausfälle, aber gerade im Bereich der Vocallines ist mir das viel zu sehr auf der 08/15-Schiene festgefahren. Mitsummen ja – Gänsehaut leider nein!

Da rein stilistisch betrachtet Alben wie „Army Of One“ monatlich nicht gerade zu Dutzenden auf den Markt geworfen werden, kann ich die CD allen Liebhabern von erdigem und groovigem Hard Rock bis hin zum Uptempo-Melodic Metal empfehlen, einen richtigen Klassiker bekommt man aber nicht zu hören und ich glaube auch nicht, dass die New Yorker noch genügend Feuer unterm Arsch haben, um uns irgendwann nochmals einen solchen präsentieren zu können! RIOT-Maniacs schlagen natürlich so oder so zu, Neueinsteiger haben aber an einem der oben erwähnten älteren Highlights sicherlich mehr Freude und können ja bei Bedarf immer noch zuschlagen!

Veröffentlichungstermin: 27.10.2006

Spielzeit: 66:06 Min.

Line-Up:
Mike DiMeo – vocals
Mark Reale – guitars
Mike Flyntz – guitars
Pete Perez – bass
Frank Gilchrist – drums
Label: Metal Heaven

Homepage: http://www.riotsweb.com

Tracklist:
1. Army Of One
2. Knockin At My Door
3. Blinded
4. One More Alibi
5. It All Falls Down
6. Helpin Hand
7. The Mystic
8. Still Alive
9. Alive In The City
10. Shine
11. Stained Mirror
12. Darker Side Of Light

Ulle