REVEREND BIZARRE: II: Crush The Insects

Fans von klassischem Doom mit einer ordentlichen True Metal-Schlagseite machen mit diesem Album ganz sicher nichts verkehrt.

Nachdem die Harbinger Of Metal-EP dem übermächtigen Debüt mit Ausnahme der Spielzeit nicht das Wasser reichen konnte, melden sich REVEREND BIZARRE nun endlich mit ihrem zweiten Album zurück, welches sogar ein paar Sekunden kürzer als die randvolle EP ausgefallen ist. Bevor es zur Sache geht noch einige Worte zum geschmacklosen Infoblatt. Da heißt es:

So you thought that what Catholic priests do to little boys is worst what can happen to humanity?

[..]
You thought nothing could beat the horrors of WWII?

You believed you had seen it all when Twin Towers felt (sic) down to earth?

You were wrong.

[..]
Reverend Bizarre have returned and the message they bear has the keys to total and final DOOM of humanity!

Solche Gräueltaten zu verharmlosen, um für eine Musik-CD zu werben, ist eine Entgleisung, die nun wirklich nicht sein muss und die Opfer verspottet.

Aber kommen wir zur Musik. Schon die ersten Takte von II: Crush The Insects machen klar, dass REVEREND BIZARRE am Werk sind, da braucht es keinen Blick auf das abermals sehr gelungene Cover – der typische, rohe Gitarrensound und der knarzende Bass klingen einfach einzigartig. Wer sich mit der Band bisher nur oberflächlich beschäftigt hat, dürfte nach dem doomigen Intro allerdings überrascht sein. Doom Over The World ist eine flotte Metalhymne im beschwingten Shuffle-Feel, ausgestattet mit einem tollen Mitgröl-Refrain. Albert geht hier richtig aus sich heraus, zeigt neue Facetten seiner Stimme und macht auch als Sänger einer kauzigen 80er-Metal-Band eine gute Figur. The Devil Rides Out geht mit seinem galoppierenden Rhythmus dann noch etwas mehr in die traditionelle Metal-Richtung, fällt gegenüber dem Opener aber etwas ab. Das billige Gitarrensolo, welches aus wenigen, lang angehaltenen Tönen besteht, macht mal wieder eines deutlich: Große Techniker sind sie nicht, die drei Finnen. Dass sie trotzdem in der Lage sind, interessante Heavy Metal-Songs zu kreieren, spricht für sie. Mit Cromwell folgt dann wieder ein richtiger Gassenhauer, der straight nach vorne geht und sich schnell zu einem echten Ohrwurm entwickelt. Dass REVEREND BIZARRE nicht nur auf Zeitlupen-Doom schwören, ist ja keine neue Erkenntnis und zeigte sich schon auf dem Debüt mit dem Song Doomsower sowie auf der 7 mit RITUAL STEEL. Dass sie die Vorliebe für kauzigen True Metal nun aber so konsequent ausleben würden, könnte einige Leute dennoch vor den Kopf stoßen.

Und doch kommen die Zeitlupen-Fetischisten auf II: Crush The Insects nicht zu kurz. Slave Of Satan kriecht förmlich dahin mit seinen zähen, minimalistischen Riffs, oft unisono mit dem ergreifenden, klagenden Gesang von Albert, der zwischen Verzweiflung und purer Bosheit pendelt. Letztere bekommt der Hörer immer dann zu spüren, wenn die beängstigenden, aggressiven Ausbrüche von Albert die bewusst aufgebaute Monotonie durchbrechen. Council Of Ten steht dem in nichts nach, schließt aber mit einem verdammt coolen, SABBATH-artigen rockenden Part im Shuffle-Feel ab. Das Album endet schließlich Fucking Wizard, einem Song, bei dem wohl Black Sabbath Pate stand. Das Stück besteht eigentlich nur aus einem Riff und lebt von der Laut/Leise-Dynamik, bevor es dann in einen schnelleren Part übergeht – wenig originell, aber als Hommage an die Großmeister des Doom durchaus angemessen.

II: Crush The Insects steckt die Harbinger Of Metal-EP locker in die Tasche. Zugeben: In den Zeitlupen-Passagen fehlen die ganz großen Momente und Melodien des Debüts, man hat oft das Gefühl, genau zu wissen, welcher Ton als nächstes kommen muss. Doch bietet das Album ein solch intensives Hörerlebnis, dass diese Schwäche zu verzeihen ist. Für das Album spricht zudem, dass es keine bloße Kopie des Debüts ist, sondern musikalisch ein breiteres Spektrum abdeckt. Wenn die drei Finnen sich am traditionellen Metal versuchen, klingt zwar manches ein wenig unbeholfen und holprig, doch hat das, was sie auf CD gebannt haben, einfach Charme. Fans von klassischem Doom mit einer ordentlichen True Metal-Schlagseite machen mit diesem Album ganz sicher nichts verkehrt.

Veröffentlichungstermin: 15.07.2005

Spielzeit: 73:24 Min.

Line-Up:
Albert Witchfinder – Vocals and Bass

Peter Vicar – Guitars

Earl of Void – Drums
Label: Spikefarm Records

Hompage: http://www.reverend.shows.it

Tracklist:
1. Doom Over The World

2. The Devil Rides Out

3. Cromwell

4. Slave Of Satan

5. Council Of Ten

6. By This Axe I Rule

7. Eternal Forest

8. Fucking Wizard