RELIQUIAE: Babylon

RELIQUIAE: Babylon

Zum Ende werden sie tatsächlich politisch. Die Art und Weise, wie RELIQUIAE den „Prinz von Babylon“ in Szene setzen, weist deutliche Parallelen zu den Methoden diverser populistischer Staatenlenker auf. Damit wir den Fingerzeig auch ja nicht übersehen, hat die Osnabrücker Mittelalter Rock-Band gleich das passende Audiosample mitgeliefert. Warum nicht das Kind beim Namen nennen und dem amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten den Spiegel vorhalten? Den Turmbau zu Babel als ein immer höher werdendes Bollwerk aus Lügen zu inszenieren, ist clever und erfrischend.

Ein solcher Ansatz ist auch bitter nötig, schließlich bewegen sich RELIQUIAE in einem Genre, das seit Jahren durchgekaut scheint. Unweigerlich zehrt dieser Umstand auch an „Babylon“, das musikalisch mehr auf Abwechslung setzt, denn auf Innovation. Die sieben Musiker bedienen sich am üblichen Instrumentarium aus Geige, Sackpfeifen, Schalmeien und Flöten, um dem satten Rock-Fundament eine markige Note zu verpassen.

„Babylon“ bekommt seine Wertigkeit durch das versierte Handwerk seiner Musiker

Was wir eigentlich schon zur Genüge gehört haben, bekommt seine Wertigkeit letztlich durch das solide Handwerk des Septetts. „Babylon“ spielt zwar nicht in einer Liga mit den großen Genreklassikern wie „Narrenkönig“ (SCHANDMAUL), „Aus der Asche“ (SALTATIO MORTIS) oder „Mein Rasend Herz“ (IN EXTREMO), ist aber zweifelsohne durchweg gut arrangiert.

RELIQUIAE treffen dabei stets den richtigen Ton: Im laut rockenden „Feuertanz“ dürfen die Gitarren knurren, während „Hölle“ einen gelungenen Spagat zwischen mittelalterlicher Romantik und straightem Rock schlägt. Auch die leisen Töne machen eine gute Figur („Scheintod“) inmitten eines vorrangig gitarrenlastigen Repertoires.

RELIQUIAE müssen keinen Vergleich scheuen

Dass „Enigma“ rhythmisch an SCHANDMAUL erinnert, während sich „Die Motte“ die Energie von SALTATIO MORTIS einverleibt hat, liegt dagegen in der Natur der Sache. RELIQUIAE sind kein abgehalfterter Klon, können sich von den genannten Referenzen allerdings auch nicht lösen. Da das angenehm differenziert abgemischte „Babylon“ diese Gegenüberstellung nicht scheuen muss, darf das gerne als Kompliment gesehen werden. Zumal RELIQUIAE mit ihrer clever verpackten Gesellschaftskritik in „Prinz von Babylon“ genau das demonstrieren, womit SALTATIO MORTIS auf „Brot & Spiele“ zuletzt kläglich scheiterten: nämlich bei brisanten Themen mit Fingerspitzengefühl als geistreiches Sprachrohr zu dienen.

Veröffentlichungstermin: 30.8.2019

Spielzeit: 39:32

Line-Up:

Bastus – Gesang, Cister
Breacán – Gitarren, Gesang
Coluber – Dudelsäcke, Schalmeien, Flöten, Akustikgitarre
Svea Elderthal – Geige, Gesang
Comatus – Keyboard, Percussion, Gesang
Morti – Bass
Lasko – Schlagzeug

Produziert von Heartstrings, Simon Michael und Christoph Beyerlein (Mastering)

Label: Metalville

Homepage: http://reliquiae.de/
Facebook: https://www.facebook.com/ReliquiaeBand/

RELIQUIAE “Babylon” Tracklist

1. Engelmacher
2. Hölle
3. Liebesglut
4. Die Sonne scheint
5. In 80 Stunden um die Welt
6. Feuertanz (Video bei YouTube)
7. Die Motte
8. Scheintod
9. Enigma
10. Verboten
11. Ohne Dich (Video bei YouTube)
12. Prinz von Babylon

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.