RAUNCHY: A Discord Electric

RAUNCHY wandeln weiter zwischen Modern Metal und Pop. Nicht mutig, aber routiniert.

Zugänglich und süßlich waren RAUNCHY schon immer, weshalb es eigentlich wenig verwunderlich war, dass “A Discord Electric” aus den Tugenden des Vorgängers “Wasteland Discotheque” vor allem diejenigen herauspicken würde, die schon 2008 für discotaugliche Hits gesorgt hatten. In der Folge präsentieren sich die Dänen auf ihrem fünften Werk noch ein Stück eingängiger und poppiger als auf besagtem “Wasteland Discotheque“. Nicht nur hat der Klargesang die Screams nun endgültig als dominante Gesangsform abgelöst, auch die Synthesizer und Keyboardteppiche sind auf “A Discord Electric” tragender als je zuvor.

Eigentlich also eine konsequente Entwicklung und dennoch muss man diese Feinjustierungen erstmal verdauen, haben sie doch einen gewaltigen Effekt auf das letztliche Klangbild. RAUNCHY treiben ihren Modern Metal sprichwörtlich bis zum Extrem, stoßen damit sicherlich an einigen Ecken an, bleiben sich selbst aber erstaunlicherweise immer noch treu, verlieren nie ihr Gesicht. Dass hier RAUNCHY zu hören sind, kann zu keinem Zeitpunkt bezweifelt werden, was nicht zuletzt eine Folge dessen ist, dass man den Jungs ihre Musik nach wie vor abnimmt. Wo SONIC SYNDICATE den Charme eines Industrieprodukts besitzen, bleibt die Motivation hinter “A Discord Electric” eine natürliche.

RAUNCHY vernachlässigen den Abwechslungsreichtum

Lässt man die neue Schwerpunktsetzung beiseite, so hat sich allerdings im direkten Vergleich zu “Wasteland Discotheque” nicht allzu viel getan. Die Stilmittel blieben unverändert, die Harmonien ebenfalls unangetastet und melodietechnisch knüpfen Leadgitarren wie Synthesizer nahtlos an den Vorgänger an. “Rumors Of Worship” und “Nght Prty” etwa hätten dort genauso gut ihren Platz gefunden, ohne groß Aufsehen zu erregen.

Vielmehr sticht da eine krasse Zäsur wie “Big Truth” hervor, wo sich RAUNCHY in den Pop-Bereich vortasten und zuckrige Keyboards mit ebenso zuckrigen Gesangslinien verkleben. Darf man hassen, aber sollte man trotzdem als Zeugnis dafür anerkennen, dass “A Discord Electric” auch mal in andere Gefilde vorstoßen will. Dies bleibt nichtsdestotrotz die Ausnahme, klingt das Material ansonsten nämlich sehr homogen und wenig vielschichtig. Die übliche Herangehensweise aus harter Strophe und klar gesungenem Refrain findet sich nicht nur in “Street Emperor” und “Shake Your Grave” wieder. Und genau das darf man RAUNCHY diesmal vorwerfen. In Sachen Eingängigkeit und Hit-Appeal schöpfen sie aus dem Vollen, vernachlässigen dafür allerdings den Abwechslungsreichtum, wodurch sich einige Songs merklich in die Länge ziehen und berechtigterweise die Frage aufkeimen lassen, ob es aufgrund der ohnehin üppigen Spielzeit nicht auch ein bis zwei Songs weniger hätten sein können.

“A Discord Electric” hat genügend Höhepunkte, um seine Ausrutscher zu kompensieren

Eine Grundvoraussetzung für den Genuss von “A Discord Electric” ist folglich, dass man sich mit den massentauglichen Elementen der bisherigen RAUNCHY-Alben identifizieren kann. Dann finden sich unter den zwölf Songs mit Sicherheit genügend Höhepunkte, um auch den einen oder anderen Hänger zu kompensieren. Das mag nicht besonders euphorisch klingen, aber manchmal ist der nüchterne Blick eben der angemessene.

Veröffentlichungstermin: 08.10.2010

Spielzeit: 64:51 Min.

Line-Up:
Kasper Thomsen – Vocals
Jesper Tilsted – Guitar
Lars Christensen – Guitar
Jeppe Christensen – Keyboards, Vocals
Jesper Kvist – Bass
Morten Toft Hansen – Drums

Produziert von Jacob Hansen
Label: Lifeforce

RAUNCHY “A Discord Electric” Tracklist

01. Dim The Lights And Run
02. Rumors Of Worship
03. Nght Prty (Video bei YouTube)
04. Street Emperor
05. Blueprints For Lost Sounds
06. Shake Your Grave
07. Tiger Crown
08. Big Truth
09. The Great Depression
10. The Yeah Thing
11. Ire Vampire
12. Gunslingers And Tombstones