PSYOPUS: Our Puzzling Encounters Considered

PSYOPUS: Our Puzzling Encounters Considered

Ein Puzzle, 10.000 Teile, ihr davor, am Verzweifeln, von der anfänglichen Entspannung ist nichts mehr zu merken, ihr dreht vollkommen durch und würdet das Teil am liebsten aus dem Fenster werfen. Herzlich willkommen in der Welt von PSYOPUS, die es uns nicht ganz leicht machen, durch diese hindurch zu finden. Klar, wenn man auf Durchzug schaltet ist das kein Problem. Da rauscht es ein paar Minuten im Hirn und gut ist es. Aber das will doch niemand ernsthaft, oder? Wo PSYOPUS drauf steht ist Herausforderung drin und als Belohnung gibt es die beste Mathcore-Scheibe seit Jahren.

Die Wahnsinnigen aus dem Staat New York brillieren durch unglaubliche musikalische Fähigkeiten – es wird dermaßen wüst an Gitarre und Bass gefrickelt, es wird so unfassbar mit angejazzten Blast Beats um sich geschossen, dass man nur mit offenem Mund dastehen und sich fragen kann: Woher haben die Jungs den Zugang zu solchen Drogen und warum habe ich diese nicht? Ernsthaft, Our Puzzling Encounters Considered ist ein einziger Adrenalinkick, brutal wie sonst nichts, verrückt und hyperaktiv, höllisch intensiv. Ich dachte anfangs, ich würde nie durch die Songs durchsteigen, aber nach unzähligen Durchgängen ist die Scheibe verinnerlicht. Und ich liebe sie.

Mit The Pig Keepers Daughter und 2 zeigen PSYOPUS gleich wo es lang geht und dass sie im direkten Vergleich THE DILLINGER ESCAPE PLAN an die Wand spielen. Doch danach geht es erst richtig los, Scissor Fuck Paper Doll ist das, was ich wirklich unter Ausflippen und Zerstörungswut verstehe, ich kann mir gut vorstellen, dass live da mehr als nur eine Nase blutig sein wird. Insects klingt als würde ein Schwarm Killerbienen auf den Hörer zufliegen und ihn erst jagen um schließlich drohend auf ihm herumzukrabbeln. Kill Us mit seinem neoklassisch anmutendem Zwischenteil, Happy Valentine´s Day und Whore Meet Liar lassen den Hörer dann endgültig am Rad drehen, gerade der Gesangseinsatz der Junkiefrau in letzterem Lied ist irre bis dorthinaus.

Aber PSYOPUS sind nicht so blöd, dass sie ohne Unterlass prügeln wie die Wahnsinnigen. Das Quartett glänzt mit Imogen´s Puzzle pt.2 und Siobhan´s Song, bei denen es progressiv und teils sogar sehr ruhig zugeht. Bei Imogen´s Puzzle pt.2 ist jedoch noch ein wenig Metal und Grind versteckt, allerdings so dezent, dass der Song dennoch vergleichsweise beruhigend wirkt, bis diese verfluchten kranken Puppen zu kichern beginnen. Siobhan´s Song hingegen besteht nur aus Gitarrenspielereien, aber nicht gnadenlos verfrickelt, sondern sphärisch und schön, ein wenig kommen mir dazu alte OPETH in den Sinn. Der Einstieg in den Rest des Albums fällt danach umso schwerer.

Aber PSYOPUS meistern auch diese Hürde und kommen zum Ende mit einem Hidden Track, der schwer an den Nerven des Hörers nagt: 20 Minuten lang das geloopte Wort Annoying? Das ist zuviel des Guten meint ihr? Aber übersteht ihr auch das, gibt es noch einen witzigen, gejammten Song zu hören, über den jede Menge sinnloses Proberaumgequatsche liegt. Das ist nicht essentiell, aber schließt die Platte würdig ab: Mit geballtem Wahnsinn. Was bleibt nach dem Genuss dieses Albums übrig? Ein Hörer der die Fresse so dick hat, wie selten zuvor. Eine Band, die bewiesen hat, dass ihr Album Ideas of Reference noch zu übertreffen war. Eine Mathcore-Szene, die einen neuen Anführer hat. Our Puzzling Encounters Considered ist ohne Übertreibung das Beste, was diese Musik zu bieten hat. Also liebe Verrückten – Kaufen!

Veröffentlichungstermin: 23. Februar 2007

Spielzeit: 65:58 Min.

Line-Up:
Adam Frappoli – Vocals
Arpmandude – Guitar
Fred DeCoste – Bass
John Cole – Drums

Label: Metal Blade Records

Homepage: http://www.psyopus.com

Tracklist:
1. The Pig Keepers Daughter
2. 2
3. Scissor Fuck Paper Doll
4. Whore Meet Liar
5. Insects
6. Imogen´s Puzzle pt.2
7. Play Some Skynyrd
8. Kill Us
9. Siobhan´s Song
10. Happy Valentine´s Day
11. Our Puzzling Encounters Considered