POWER FROM HELL: Shadows Devouring Light

Hits aus der Hölle: POWER FROM HELLs siebtes Album „Shadows Devouring Light“ ist weniger angestaubt als es zunächst den Anschein macht und liefert einige Hits.

Drei Viertel der Musiker hinter ANARKHON, die vergangenes Jahr mit ihrem Lovecraft-Album „Phantasmagorical Personification Of The Death Temple“ noch dem räudigen Death Metal huldigten, haben ein weiteres Eisen im Feuer. Im Höllenfeuer natürlich. POWER FROM HELL, seit über zwanzig Jahren aktiv, haben sich von einer Black-Thrash-Band mit BDSM-Thematik hin zu einem soliden Black Metal-Act entwickelt, bei dem man etwas genauer hinhören darf, um überrascht zu werden. Auf den ersten Eindruck mag „Shadows Devouring Light“ eher bieder klingen, hat aber dann doch einiges zu bieten.

Ein südamerikanisches Original: POWER FROM HELL nähern sich auch mit „Shadows Devouring Light“ nicht aktuellen Strömungen im Black Metal an.

Zugegeben, ein Black Metal-Highlight mag „Shadows Devouring Light“ nicht sein, aber diese gute Dreiviertelstunde hat einige starke Momente. Derb und hässlich, aber auch mit einer gewissen Finesse prügeln sich POWER FROM HELL durch ihre neun Songs plus Intro, passend zum Artwork: In Sachen Geschmack fragwürdig dargestellte Blasphemie ist hier einfach gut gemacht und schaut äußerst frisch aus. Dabei beginnt das Album eher zäh: Der Auftakt „Silence“ präsentiert noch ein paar thrashige Versatzstücke und poltert ungestüm und auch etwas ungeschickt los. Doch spätestens ab dem starken Titelsong, der wie eine schmutzige Version von DARK FORTRESS klingt, wird klar, dass die Brasilianer doch einiges können.

So wird das Material im weiteren Verlauf des Albums immer kräftiger und konsequenter, als müssten sich POWER FROM HELL anfangs finden, um zu wahrer Form aufzulaufen. Vor allem aber: Sie laufen als Band zu den besten Leistungen auf. Es sind nicht nur die Riffs, die funktionieren, „Shadows Devouring Light“ zeigt eine Formation, die als Ganzes stark ist, eben eine eingespielte Einheit. Mit einer lebendigen Performance, wenn auch technisch nicht überdurchschnittlich, überzeugen die vier Musiker durch Kraft und Attitüde und lassen ihre Songs sehr lebendig wirken. Dass das nicht selbstverständlich ist, weiß jeder, der hier und da in Alben von internationalen Projekten investiert hat.

Auch wenn POWER FROM HELLs Black-Thrash-Tage gezählt sind, stehen auf „Shadows Devouring Light“ einige Hits mit beachtlicher Durchschlagskraft.

Richtig stark agieren POWER FROM HELL, wenn sie sehr direkt sind. „Primordial Impurity“ reicht von einem schleppenden Start über pfeilschnelle Blast Beats hin zu Uptempo-Grooves, immer mit perfekt treffenden Riffs, niemals das Gefühl hinterlassend, der Song wäre im Baukastenprinzip entstanden. Erfreulicherweise stehen mit „Wings Of Perdition“ und „Eve’s Holy Vulva“ noch weitere kleine Hits auf „Shadows Devouring Light“. Doch nicht immer sind POWER FROM HELL so zwingend, gerade in den letzten beiden Stücken schleichen sich einige Längen ein.

So polarisierend wie der Albumtitel es vermuten lässt, ist „Shadows Devouring Light“ also nicht, denn sowohl Licht als auch Schatten finden sich auf diesem Album, wobei ersteres deutlich überwiegt. Auch wenn POWER FROM HELL nicht mehr so assi sind, wie zu ihren Black-Thrash-Zeiten, „Shadows Devouring Light“ ist weit davon entfernt ein poliertes, kalkuliertes Album zu sein. Dafür lebt die Band als südamerikanisches Underground-Phänomen den Spirit schon viel zu lange. Vielleicht ist das auch der Grund, warum „Shadows Devouring Light“ Spaß macht, eine Menge Anderes aus diesem Bereich aber verzichtbar ist: POWER FROM HELL versprühen Authentizität und damit stecken sie an. Genau wie bei ANARKHON ist aber auch hier der Weg an die Spitze noch ein gutes Stück entfernt.

Wertung: 7 von 10 Peitschenhiebe

VÖ: 30. September 2022

Spielzeit: 47:29

Line-Up:
Sodomic – Guitars and Vocals
Bloodhunter – Guitars
Tormentor – Bass
T. Splatter – Drums

Label: Debemur Morti Productions

POWER FROM HELL „Shadows Devouring Light“ Tracklist:

1. Forsaken By The Father (Intro)
2. Silence (Official Audio bei Youtube)
3. The Serpent’s Earthly Throne
4. Shadows Devouring light
5. Primordial Impurity (Official Audio bei Youtube)
6. Mother Of Abominations (Official Audio bei Youtube)
7. Wings of Perdition
8. Eve’s Holy Vulva
9. Adversary of Creation
10. Summoning The Abjection

Mehr im Netz:

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