PART CHIMP: Drool

Manchmal ist da so ein Gefühl in mir, da brauche ich einfach ein Noiserock-Album. Da gibt es keine Alternative zu UNSANE und Co., da muss es schmutzig, wild und treibend-pulsierend sein. Und manchmal wirkt es so, als würden keine neuen Bands mehr nachkommen. Das lässt mich etwas traurig werden, obgleich dieser Sound ja sowieso untrennbar mit den Neunzigern verbunden ist, und schon bald sowas wie ein Retro-Ding sein könnte. Doch es tauchen auf meinem Radar immer wieder Formationen auf, die schon ewig unterwegs und trotzdem noch nie auf meinem Plattenteller gelandet sind. PART CHIMP gehören dazu. Doch vorweg sei eine Warnung ausgesprochen: Klassischen New York-Sound gibt es auf ihrem sechsten Album “Drool” nicht zu hören.

Stattdessen orientieren sich PART CHIMP eher an den SOUTHERN-Bands der 2000er – ich denke an TODD – und klingen ziemlich englisch. Vielleicht liegt es am Gesang, der ohne diese verzerrte Soundwand wie typisch britisch gequäkt klänge. PART CHIMP leihen sich darüber hinaus immer wieder Elemente aus dem Grunge aus, verneigen sich vor den MELVINS, und fertig sind knapp vierzig Minuten Freude am Lärm mit primal energy. Was dann doch besonders ist – und sicherlich auch zum Klang beiträgt – PART CHIMP haben zwei Bassisten im Einsatz. Da beide ihre Instrumente in Sachen Verzerrung ebenso an den Anschlag bringen, wie die Gitarristen Tim Cedar und Iain Hinchliffe, ist das Klangbild nicht eben als „sauber“ zu bezeichnen.

PART CHIMP machen vieles richtig, durch die Gleichförmigkeit kann „Drool“ allerdings keine Akzente setzen.

Aber genau so muss das ja in diesem Genre. Ebenso die Spontaneität: Vierzehn Tage Songwriting, dann einen Tag aufnehmen. Wenn das nicht Rock ‘n’ Roll ist! Entsprechend wirkt das Album auch wie ein verschwitztes Livekonzert. Trotzdem bin ich mir sicher, dass Konzerte von PART CHIMP noch eine Spur rauer und wilder rüberkommen. „Drool“ macht mit seinen zwölf kompakten Songs Spaß, hat aber eine unübersehbare Schwäche: Die Stücke klingen alle recht ähnlich. Das ist natürlich die Gefahr, wenn man in zwei Wochen ein Album raushaut. Auf der anderen Seite zeigen PART CHIMP eine erstaunliche Heaviness, die es selbst in diesem Genre selten zu hören gibt. Gemischt mit einer gewissen Verschrobenheit, knüppeln sich die Londoner ins Herz.

PART CHIMP machen also vieles richtig, aber in letzter Konsequenz fehlt es an durchgängig packendem Songmaterial. Sprich, die Songs sind ordentlich, aber wirklich besonders dann auch wieder nicht. Glücklicherweise gibt es einige Nummern, die hervorstechen und Spaß machen: „Wallow“ mit seinem hypnotischen Riff und der hysterischen Leadgitarre, das fast schon fröhlich-punkige „Up With Notes“ und „It’s True Man“ mit dem grantigen Gastsänger Timothy Farthing, den ich gerne auch auf dem restlichen Album gehört hätte. Vielleicht ist es Altersstarrsinn, aber insgesamt ist „Drool“ nicht mehr als ein kurzweiliger Nostalgieritt, der dem Genre eine gewisse Frische einhaucht, aber keine neuen Akzente setzen kann oder will. Aber eben auch nicht weniger.

Wertung: 8 von 12

VÖ: 4. Juni 2021

Spielzeit: 38:44

Line-Up:
Tim Cedar – Vocals, Guitar
Jon Hamilton – Drums
Iain Hinchliffe – Guitar
Robin Freeman – Bass
Joe McLaughlin – Bass
Timothy Farthing – Vocals on „It’s True Man“

Label: Wrong Speed Records

PART CHIMP „Drool“ Tracklist

1. Back From The Dead (Official Video bei Youtube)
2. Wallow
3. One In The Eye
4. Clever
5. Timbolina
6. Drool (Official Video bei Youtube)
7. Up, With Notes
8. Howboutakiss
9. Dirty Bird
10. It’s True, Man
11. USisA
12. Worms

Mehr im Netz:

http://partchimp.com/wp2/
https://partchimp.bandcamp.com