O: When Plants Turn Into Stones

Der Kreislauf aus Leben und Sterben in verstörend schöne musikalische Form gegossen – ◯ zeigen, wie Post Rock heute klingen muss, um relevant zu sein.

Heute noch ein wichtiges Glied der Gesellschaft, morgen schon Pflanzendünger: Die Natur ist grausam, denken wir zumindest. Weil wir nicht das große Ganze sehen. Sind wir einmal nicht mehr, dienen wir noch für etwas Anderes. Und irgendwann, wenn unsere Überreste etwas düngen, das anderen als Nahrung dient – was bei der Ruhestätte des konventionellen Friedhofs eher unwahrscheinlich ist – und aus dem Vergangenen wieder Leben wird, dann sind wir doch wieder beim Kreislauf und sogar als Atheist unsterblich, weil´s ja doch immer irgendwie weiter geht. Wollen auf ihrem Zweitwerk When Plants Turn Into Stones darauf hinaus? Das Post Rock-Kollektiv lässt sich treiben, so wie sich die Existenz eines Lebewesens treiben lässt, das sich der Vergänglichkeit nicht bewusst ist.

Es ist ein surrealer Trip durch eine – je nach Einstellung – endlose Hölle oder das ewige Leben, den bieten. Der Kreis als Bandname ist ein guter Hinweis auf das Konzept hinter When Plants Turn Into Stones, und mehr noch: Statt einen ellenlangen, nichtssagenden Bandnamen zu wählen, der sich proportional zur Belanglosigkeit der Musik verhält, erzeugen ihre Dynamik nicht mittels plumper Gitarrenausbrüche, sondern durch die Herangehensweise, die ansonsten im Ambient zu finden ist. Die Gitarren surren nur selten wie im Post Rock dahin, orientieren sich eher an TANGERINE DREAM als an EXPLOSIONS IN THE SKY. Nicht selten wird hier allerdings Artrock präsentiert, der am ehesten wie ein dunkler Bruder von SIGUR RÓS oder TALK TALK klingt. Das Flair der Musik ist sozusagen retrofuturistisch, der Großteil von When Plants Turn Into Stones basiert auf purer Atmosphäre, es springt dich nicht durch offensichtliche Melodien an, sondern lauert und lauert. Kurz: Dieses Album muss man sich hart erarbeiten.

Es herrscht Kopfhörerpflicht bei , nur so wird die reichhaltige Instrumentierung wirklich erkennbar. In den sechs Stücken gibt es eine Fülle an Details zu entdecken, nichts davon ist offensichtlich. Und wenn mal laute Gitarren auftauchen verbergen diese manchmal nur den Reichtum, der dahinter steckt. Ob orchestral und ausladend wie in der zweiten Hälfte von Entstanden im Schatten wie Wasser und Sometimes I Forget To Breath, ob zurückhaltend und märchenhaft wie How Polished Boulders Carried Us Along oder zugänglich wie Lack Of Interest In Things They Used To Do, in dem auch PLANKS-Sänger Ralph einen schönen Gesangsauftritt hat, alles fasziniert und verstört gleichermaßen. Die Welt, in die uns entführen, ist surreal und abstrakt, bildschön und düster. Statt klassische Songs zu schreiben, steht jedes der sechs Stücke für eine gewisse Phase im Leben eines Wesens, weshalb der Fluss des Albums von der Schmerz der Geburt und dem Wunder des Lichts hin zur Schwärze des Todes mit all seiner Bitterkeit und seinem Trost reicht. Das ist durchaus anstrengend und verlangt in all seiner Subtilität dem Hörer einiges ab.

When Plants Turn Into Stones ist mehr als nur die konsequente Weiterentwicklung des Debütalbums. haben sich von einer relativ einschläfernden Post Rock-Band zu einem Kollektiv gemausert, das durch Reduktion extrem intensiv wird und viel Faszination ausstrahlt. Die fünf Musiker aus dem belgisch-niederländisch-deutschen Grenzgebiet sind auf ihrem Zweitwerk ebenso schwer zu definieren, wie sie nach kurzer Eingewöhnungsphase unter die Haut gehen. Wer denkt, dass dieses Genre am Ende ist, darf sich freuen, dass , ohne wirklich mühevoll alle möglichen Mittel ausschöpfen zu müssen, ein fantastisches Album wie aus einem Guss erschaffen, das wirklich eigenständig klingt und nebenbei noch eine beachtliche visuelle Aufmachung hat. Das alles wiegt schwer, das ist harte Arbeit – auch für den Hörer -, das ist ungemein lohnend und darf keinesfalls überhört werden.

Veröffentlichungstermin: 6. Juni 2014

Spielzeit: 46:26 Min.

Line-Up:
Levi
Kay
Jan
Ben
Yves

Label: Golden Antenna

Homepage: http://otheband.tumblr.com/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/O.theband

Tracklist:
1. Entstanden im Schatten wie Wasser
2. How Polished Boulders Carried Us Along
3. Lack Of Interest In Things They Used To Do
4. When Plants Turn Into Stones
5. Sometimes I Forget To Breathe
6. I Offer My Hands To The Shades