NUCLEUS TORN: Nihil

NUCLEUS TORN: Nihil

Schön, dass man sich auf gewisse Labels noch verlassen kann. Prophecy ist diesbezüglich ein gutes Beispiel, schließlich produziert das deutsche Label keineswegs Stangenware, sondern lässt mit interessanten und nicht immer einfach zu konsumierenden Veröffentlichungen aufhorchen. Und Nihil ist wieder ein solcher Release. Hier geben sich Folk, Progressive Rock, Avantgarde Metal und sogar etwas Neo-Klassik die Klinke in die Hand, um die Pforte zu einem interessanten Klangerlebnis zu öffnen.

Projekt-Initiator Fredy Schnyder, der NUCLEUS TORN als Soloprojekt bereits 1997 aus der Taufe hob, versucht durch die Reihe an unterschiedlichen Musikstilen vor allem die große Bandbreite an verschiedenen Emotionen abzudecken. Das gelingt jedoch nur phasenweise, denn vieles gerät durch beabsichtigte Disharmonien und abrupten Übergängen zu einem eher analytischen Klangstudium als zu einer emotionalen Berieselung. Davon sind insbesondere die avantgardistischen Songpassagen betroffen, die mit rückkoppelnden Gitarrenlauten eine verstörende Wirkung erzielen, während sich dazu sacht Percussion- und Akustik-Gitarren-Klänge im Soundwind wiegen (Summer Bled). Zu all den progressiven und unbequemen Teilen mischen sich auch eingängigere Passagen, die einmal nach Grunge oder Alternative Rock klingen und ein andermal wie eine A cappella-Nationalhymne (Close) oder wie ein unschuldig süßer Folk-Song (Glass Spirit).

Insofern zeigt sich die Schweizer Formation sehr abwechslungsreich, wobei ihr die vielfältige Instrumentierung ebenso behilflich ist wie die gesangliche Aufgabenverteilung zwischen Patrick Schaad, der mitunter an FAITH NO MORE-Fronter Mike Patton erinnert, und Maria D´Alessandro, deren elfenhafter Gesang wunderbar zu den – idyllische Bilder heraufbeschwörenden – Folk-Songs passt. Den sprichwörtlich roten Faden gibt es beim Album – rein musikalisch (über die Lyrics kann ich leider nur mutmaßen) – jedoch nicht zu finden, wenngleich Nihil der erste Teil einer konzeptionellen Trilogie darstellen soll.

Veröffentlichungstermin: 24.11.2006

Spielzeit: 37:11 Min.

Line-Up:
Patrick Schaad – Vocals
Maria D´Alessandro – Vocals
Rebecca Hagmann – Cello
Christoph Steiner – Drums
Christine Schüpbach-Käser – Violin
Anouk Hiedl – Flute
Fredy Schnyder – Everything else

Produziert von Fredy Schnyder
Label: Prophecy

Homepage: http://www.nucleustorn.ch

Email-Adresse der Band: fred.schnyder@freesurf.ch

Tracklist:
1. Glass Spirit
2. Traveller´s Rest
3. Night´s Grace
4. Summer Bled
5. Close
6. The Sunclad
7. Peregrina Sublime

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Symphonic Metal, Doom, Melodic Death und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Symphonic Metal, Gothic Metal, Melodic Death Metal, Doom.