NIGHTMARE: Aeternam

NIGHTMARE: Aeternam

Zuletzt gab es immer wieder einmal etwas Neues oder Beiläufiges, das man im Rahmen einer NIGHTMARE-Rezension unterbringen konnte. So auch beim aktuellen Album „Aeternam“, dem elften Album der Franzosen in ihrer langen Bandgeschichte.

So findet die Band weiterhin Geschmack an einer Frontfrau, wenngleich die letzte Sängerin Magali Luyten (FRAMESHIFT, Ex-VIRUS IV) nach nur einem Album wieder den Platz räumen musste. Dies geschah zu Gunsten von Marianne „Madie“ Dien (FAITH IN AGONY). Auch die Drummer-Position war zwischenzeitlich wieder vakant. Hier ersetzte Niels Quiais (OSSONOR) Olivier Casula – ebenfalls nach nur einem Album. Es handelt sich somit um jene Aufgaben, die Joe Amore (KINGCROWN) viele Jahre bei NIGHTMARE ausgefüllt hatte – jedoch niemals parallel.

NIGHTMARE halten Balance zwischen Power Metal mit thrashigen Einsprengeseln

Am Stil haben NIGHTMARE diesmal jedoch weniger Hand angelegt. Wozu auch? Die Balance zwischen Power Metal mit Chor-Passagen, thrashigen Einsprengeseln und erhabeneren Passagen passte auch schon bei „Dead Sun“ ganz gut. Weiterhin umschifft die Band aus Grenoble dadurch die Gefahr, nebst Größen benachbarter Genres unterzugehen. Denn zöge die Band nur die Trumpfkarte Power Metal mit Frontfrau aus dem Hut, müsste mehr Kraft und Opulenz in den Kompositionen und der Stimme von Madie stecken. Letztere macht ihre Sache nicht schlecht und kann ihr Timbre auch variieren, doch ist sie nicht auf ein höheres Podest zu stellen als ihre Vorgängerin Magali Luyten, die für mich den Pluspunkt der angerauten Stimme hatte.

NIGHTMARE spielen daher ihre eigene Trumpfkarte aus – und das nicht zum ersten Mal: den Thrash, der sich bei cirka der Hälfte der Songs einschleicht. Manchmal ausgiebiger und songfüllend wie im gefälligen Titeltrack, ein anderes Mal kurzzeitig und songdienlich wie im starken „Downfall of a Tyrant“, das dank der oben angesprochenen Kombination von Power, Thrash und Opulenz überzeugt und dadurch eine dramatische Wirkung erhält. In Ansätzen überaschen zudem auch Tracks wie das abschließende „Anneliese“ mit männlichen Vocals und Growls sowie mit etwaigen Keyboard-Flächen.

Ein Ausbruch aus dem Mid-Tempo wäre auf „Aeternam“ wünschenswert

Im Endeffekt ist „Aeternam“ ein gelungenes Album, welches das hält, was man sich von NIGHTMARE in den letzten Jahren erwartet: Gute Gitarren-Arbeit mitsamt einer Reihe von Soli, routiniertes Songwriting, bei man sich ab und zu etwas mehr Mut fürs Ungewöhnliche wünschen würde, und eine klassisch ausgewogene Produktion. Auch wenn man sich bei dem einen oder anderen Song einen Ausbruch aus dem Mid-Tempo wünschen würde („Temple of Acheron“, „The Passenger“), so überwiegt ein positives Gefühl, wenn man die knapp 50 Minuten des Albums hinter sich gebracht hat.

Veröffentlichungstermin: 02.10.2020

Spielzeit: 48:43 Min.

Line-Up:
Marianne „Madie“ Dien – Gesang
Franck Milleliri – Gitarre
Matt Asselberghs – Gitarre
Yves Campion – Bass
Niels Quiais – Schlagzeug

Produziert von Simone Mularoni (DGM) @ Domination Studio

Label: AFM Records

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/nightmareOFFICIAL

NIGHTMARE „Aeternam“ Tracklist

01 – Temple Of Acheron
02 – Divine Nemesis (Video bei YouTube)
03 – The Passenger
04 – Downfall Of A Tyrant
05 – Crystal Lake
06 – Lights On (Lyric-Video bei YouTube)
07 – Aeternam (Video bei YouTube)
08 – Under The Ice
09 – Black September
10 – Anneliese

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Doom / Death / Black / Thrash und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Death Metal, Doom-Death Metal, Doom Metal, Symphonic Metal, Gothic Metal, Sludge.