NECROPSY: Exitus (EP)

Death Metal hat es ja auch nicht einfach heutzutage. Um von der “Szene” ernst genommen zu werden, muss man sich in eine Höhle zurückziehen, dort eine 4km-lange Hall-Spirale installieren, um dann sein okkultes Text-Konzept in disharmonisch-kunstvollen Lärm zu verwandeln.

Um erfolgreich zu sein (sofern man in dem Genre überhaupt von Erfolg sprechen kann), muss man alle Innovation hinter sich lassen, den HM2 aufdrehen, aber auch nicht zu sehr, den Superior-Drummer aus der Drum-Clinic abholen, schön-schwedische Melodien rezitieren, immer nett sein und den Kutten-Kumpel geben. Dann schafft man es ins Nachmittags-Programm nach Wacken.

Zugegebenermaßen gefällt mir die erste Variante meistens besser, aber beides ist irgendwie merkwürdig und oftmals wenig authentisch.

Songs abseits der Klischees

Zwischendurch gibt es jedoch immer wieder Platten, wie die vorliegende EP von NECROPSY, die in keine dieser Kategorien fallen, sondern auf der sich Musiker einfach nur darauf konzentrieren, gute Songs zu schreiben und anständige, ernsthafte und richtig gute Musik zu machen. Dankeschön –  mehr davon!

Die Finnen zelebrieren nach einigen Personal-Rochaden nun ihren Death-Metal auf dieser neuen EP mit nahezu klerikaler Langsamkeit und einer Schwere, die manchmal an BOLT THROWER, aber vor allem an alte ASPHYX oder alte SIX FEET UNDER, aus den guten Zeiten von “Warpath” (also vor der Cannabis-Apocalypse), erinnert. Beides ist hier durchaus im positiven Sinne gemeint, denn es geht auf „Exitus“ nicht um komplizierte Musikalität, sondern es geht um richtiges Heavy-Riffing von ganz unten aus dem Beton-Fundament der Bunkeranlage. Direkt und ohne Schnörkel. Garniert wird das Ganze hier und da lediglich mit packenden zweistimmigen Gitarren-Melodien, die allerdings eher britischer als schwedischer Prägung sind.

NECROPSY machen Panzerketten-Death Metal

Als Einstieg sei hier „206 Motives“ genannt, das die genannten Trademarks der Band geradezu exemplarisch zelebriert. Langsam, getragen und was für eine Heavyness! Einzig das schnelle, abschließende „Butcherado“ fällt aus dem Rahmen und auch qualitativ etwas ab.

Perfekt abgestimmt zum doomigen Ansatz  gibt es eine klare, aber nicht sterile Produktion, die den Bässen schön Raum lässt, ohne künstlich zu wirken.

Dass die Jungs schon einige Jahre dabei sind, sieht man nicht nur relativ deutlich auf den Bandfotos, sondern man hört es in jeder Sekunde. Hier spielen Musiker, die wissen, was sie tun und die wissen wie es richtig geht. Keine Trends, kein Kommerz – einfach langsamer, Panzerketten-Death Metal, der sofort in den Nacken geht und zum Zeitlupen-Banging geradezu herausfordert.

Ich bin mal gespannt, wie es mit der Band weitergeht, aber diese EP ist schonmal ein kleines, frühes Jahres-Highlight.

Label: Xtreem Music

Release Date: 21.01.2020

Länge:23 Min.

NECROPSY “Exitus” Tracklist

1. Meat Ceremony
2. Fucking Dead
3. 206 Motives (Lyric Video)
4. Butcherado

Besetzung:

Tero Kosonen – vocals
Janne Kosonen – guitars
Sami Heinonen – guitars
Ville Vartiainen – bass
Hannu Väänänen – drums

Mehr im Netz
facebook.com/NECROPSY