NAEVUS: Sun Meditation

An Doom kann ich mich dumm hören und deshalb ist es schon wieder schade, dass die Serie guter Doom-Veröffentlichungen wohl wieder sein Ende gefunden hat. Zumindest ist das Pulver in meinem CD-Schrank mit der Kritik zu NAEVUS zunächst mal verschossen und dass in den nächsten Wochen noch was Spektakuläres aus dem Genre auf den Markt kommen sollte, ist mir nicht bekannt.

Aber ich beklag mich nicht weiter und komm lieber mal zum Wesentlichen. Bei der Band NAEVUS handelt es sich witzigerweise um die zweite Hälfte der True-Metaller SACRED STEEL, die sich wie ihre Kollegen mit DAWN OF WINTER dem Doom-Metal verschrieben haben. Da fragt man sich natürlich, warum sich die vier Burschen nicht gleich zusammengeschlossen haben, aber hört man sich beide Werke im Vergleich an, so tritt der Grund ziemlich schnell zu Tage. Während sich DAWN OF WINTER dem epischen Doom-Metal à la CANDLEMASS verschrieben haben, frönen NAEVUS dem groovigeren Doom-Sound early-BLACK SABBATHs oder CATHEDRALs.

NAEVUS haben ein gutes Gespür für ohrwurmartige Melodien

Und genau in der Schnittmenge dieser beiden Bands darf man NAEVUS ohne schlechten Gewissens einordnen und mit ihrem Sound müssen sich die Teutonen erfreulicherweise in keiner Weise verstecken. Im Gegenteil, ‘Sun Meditation’ hört sich absolut undeutsch an und man kann es eigentlich schon als ungewöhnlich bezeichnen, welches relaxte und groovige Feeling die vier Jungs zustande bringen. Das beginnt beim Siebziger-Gitarrensound, geht weiter beim klassischen Sabbath-Schlagzeugspiel und endet beim sehr an Ozzy angelegten Gesang.

Hinzu kommt, dass das Songwriting völlig unverkrampft wirkt und NAEVUS ein sehr gutes Gespür für ohrwurmartige Melodien haben, mit denen sie den vielen Stoner-Rock-Bands um einiges voraus sind, da diese halt doch oft sehr schnell tiefgreifende Langeweile erzeugen. Ich gehe sogar soweit und behaupte, dass sich NAEVUS mit so manchem Song bereits in absolutem CATHEDRAL-Hitsong-Gebiet befinden und für Herrn Dorian eine echte Konkurrenz darstellen könnten.

“Sun Meditation” klingt trotz Retro-Schiene erstaunlich frisch

Trotz der Tatsache, daß ich mich mit diesem ganzen Retro-Zeug immer schwerer tu, begeistert mich ‘Sun Meditation’ durch die Frische und Unbekümmertheit mit der sich so eine junge Band eine echte Ohrwurm-Scheibe aus dem Ärmel geschüttelt hat und die einem so manche sommerliche Autofahrt zu einer kurzweiligen Angelegenheit verwandelt.

Spielzeit: 40.57 min.

Produziert von Stefan Bruggemann & Naevus

Erschienen bei Music for Nations

Line-Up

Uwe Groebel – vocals / lead guitar
Sven Heimerdinger – bass / vocals
Oli Grobhans – Rythm Guitar
Mathias Straub – drums

NAEVUS “Sun Meditation” Tracklist

  1. Intro (Forest)
  2. Sun Meditation
  3. Sky Diver
  4. Dreamrider
  5. Mirrordancer
  6. Gallery of Fantasy
  7. Dreamworld Wizard / The Sleeping
  8. The 3rd Sun
  9. Intense Perception
  10. Palace of the Winds
  11. The Art to Love