MY DYING BRIDE: The Voice Of The Wretched (Live)

Bei MY DYING BRIDE mag sich die Frage nach der Berechtigung einer Live-CD durchaus stellen, denn eine Live-Atmosphäre wie man sie von den meisten Bands kennt, stellt sich bei den Engländern kaum ein. Trotzdem (oder gerade deshalb) ein tolles Album!

Bei MY DYING BRIDE mag sich die Frage nach der Berechtigung einer Live-CD durchaus stellen, denn eine Live-Atmosphäre wie man sie von den meisten Bands kennt, stellt sich bei den Engländern kaum ein. Statt mitsingender oder mitgröhlender Fans – je nach Talent – sieht man bei den Konzerten der Briten eher in sich versunkene Fans, die mit geschlossenen Augen die Musik auf sich wirken lassen. Und diese Atmosphäre lässt sich nun mal nicht einfach auf CD brennen, wie das bei anderen gelungen Livescheiben wie „Live after Death“ der Fall ist. Demzufolge gäbe es auch keinen Grund, das Livealbum der Briten zu kaufen. Doch was logisch erscheint, entspricht nicht der Wahrheit.

Es gibt sehr wohl Gründe, sich dieses Album in die Sammlung zu stellen. Fans werden ohnehin zugreifen, und auch für Neueinsteiger lohnt sich die Anschaffung, bietet „The Voice Of The Wretched“ doch einen schönen Überblick über das Schaffen der Ausnahmeband. Insgesamt fehlen zwar all die Standards wie kultige Ansagen, Mitsingspielchen oder abgeänderte Lyrics – doch all das kann man von MY DYING BRIDE auch nicht erwarten, all das braucht man von dieser Band auch nicht zu erwarten. Stattdessen bietet „Voice Of The Wretched“ einen durchgehend rauen und erdigen Sound, die Studioaufnahmen klingen im Vergleich zu den in Belgien mitgeschnittenen Tracks einfach etwas dünner, was weniger an den regulären LPs/CDs liegt, sondern vielmehr am direkten, warmen Klang der Liveaufnahmen liegt. „She Is The Dark“ ist sehr nahe am Original, klingt auf „The Voice Of The Wretched“ aber viel eindringlicher. Dasselbe gilt für den Klassiker “Cry Of Mankind” – doch den größten Anteil an der Intensität der Liveaufnahmen hat Sänger Aaron Stainthorpe. Auch wenn er bei „The Fever Sea“ etwas gewöhnungsbedürftig gepresst klingt, sind die Wechsel zwischen Growls und klarem Gesang beachtlich. Stainthorpe ist zwar weit von einem technisch perfekten Sänger entfernt, doch strahlt er live eine Intensität und Leidenschaft aus wie nur sehr wenige. Und genau diese Intensität und Leidenschaft findet sich auch auf „The Voice Of The Wretched“ wieder. Auch bei „A Cruel Taste Of Winter“ klingt er etwas unsicher, wobei man ihm allerdings zugute halten kann, dass der Song zur zeit der Aufnahme recht neu gewesen sein muss und erst ein halbes Jahr später für das „The Dreadful Hours“ Album aufgenommen wurde

Ziemlich überrascht hat mich die Live-Version von „Under Your Wings And Into Your Arms“ von nach wie vor umstrittenen „34.788% Complete“ Album, die für mich zu den Glanzpunkten des Albums gehört. Ob es ein cleverer Schachzug war oder ein glücklicher Zufall, sei mal dahingestellt – es wäre der Band jedenfalls zu gönnen, wenn über die Livescheibe einige Zugang zum schwierigen „34.788% Complete“ Album bekommen würden. Auffallend ist außerdem, dass MY DYING BRIDE eine der wenigen Bands ist, die auch heute noch eine gemischte Setlist spielt, und nicht nur ein, zwei Alibi-Songs aus früheren Tagen präsentiert. Dabei wäre es im Falle von MY DYING Bride durchaus verständlich, wenn auf Songs wie „Your River“ oder „A Kiss To Remember“ verzichtet werden würde, schließlich leben diese Songs im Original zu einem nicht geringen Teil von Martin Powells Geigenspiel. Doch Martin ist bekanntlich schon seit 1998 nicht mehr bei der Band. Bei „A Kiss To Remember“ fällt die fehlende Violine nicht sehr auf, denn die Gitarrenarbeit fängt den Song auf. Anders ist das bei „Your River“. Ich kann mir nicht helfen, aber es schmerzt, statt der wehmütigen Geige „nur“ simple Keyboards zu hören. Dafür entschädigt die etwas gebremste Version des Uralt-Songs „Symphonaire Infernus Et Spera Empyrium“, die das „Greatest Hits“ Programm beschießt – leider sind 75 Minuten Spielzeit viel zu schnell vorbei, denn ich hätte noch gerne „Crown Of Sympathy“ gehört.

Tracklist:

She Is The dark

Turn Loose The Swans

The cry Of Mankind

Snow In My hands

A Cruel Taste Of Winter

Under Your Wings And Into your Arms

A Kiss To Remember

Your River

The Fever Sea

Symphonaire Infernos Et Spera Empyrium

Besetzung :

Aaron Stainthorpe – Gesang

Ade Jackson – Bass

Andrew Craighan – Gitarre

Hamish Glencross – Gitarre

Shaun Steeles – Schlagzeug

Yasmin Ahmed – Keyboard

Spielzeit: 74:57

Label: Peaceville

Veröffentlichungstermin: 29.04.2002