MÖRSER: V

Die Bremer Altmeister haben ihr Handwerk nicht verlernt und erleben auf "V" gerade ihren zweiten Frühling.

Die Bremer Schule lebt – nach gefühlten hundert Jahren (in Wahrheit fünf, was an dem eher niedrigen Output der Bremer Musikszene liegt) schicken ihre letzten Mohikaner MÖRSER mit V den vierten Longplayer ihrer doch insgesamt beeindruckenden Karriere ins Rennen.
 
Musikalisch macht die wohl berüchtigste Extrem-Metal-Großfamilie der Bundesrepublik dort weiter, wo sie auf 1st Class Suicide aufgehört hat – es werden die besten Zutaten aus Death- und Thrash Metal sowie Grind-, Metal- und Hardcore durch den Fleischwolf gedreht, anschließend auf ein Stück Vinyl gepresst und fertig ist das neue MÖRSER-Album. Zwar setzt die Band auch hier auf diese bewährte Rezeptur, doch funktioniert das frische Songmaterial auf V als Gesamtwerk wesentlich besser als das auf dem Vorgänger noch der Fall war, was nicht zuletzt an dem ausgefeilteren Songwriting liegt.
 
Obwohl die neue Platte wie gewohnt von der Brutalität nur so strotzt, setzen die Jungs nun häufiger mal ihr Köpfchen anstatt der Muskelmasse ein und haben wenig Scheu davor, wo nötig, auch mal die Handbremse anzuziehen, ohne dass die Songs nur einen Bruchteil ihres Zerstörungspotentials einbüßen – das beste Beispiel dafür ist der kongeniale Midtempo-Brecher Absorbing, der zunächst mit einem langsamen dissonanten Riff beginnt und sich dann zu einem Schädelspalter erster Güteklasse entwickelt.
 
Auch wenn sich MÖRSER seit ihrem ´97-er Debüt (aus meiner Sicht nach wie vor die beste MÖRSER Scheibe aller Zeiten) spieltechnisch enorm gesteigert haben, lebt V nicht ausschließlich von seiner zweifellos erhabenen technischen Raffinesse oder irgendwelchen Geschwindigkeitsrekorden, sondern von dem Mördergroove und dem unglaublichen Wahnwitz, den man sonst nur von den Bands wie ANAAL NATHRAKH oder SOILENT GREEN kennt. Mit anderen Worten, hier werden jegliche Konventionen, sobald  man auf diese stößt, ganz schön konsequent mit Benzin übergossen und angezündet – fucked up war music eben und im Krieg sind bekanntlich alle Mittel gut. SOULFLY spielen Nu-Metal? Trotzdem können wir eine ihrer Riff-Ideen gut gebrauchen (All To Suffer). Ach, und schöne Grüße an LAMB OF GOD (Dead Run). Zwar lässt sich diese Liste  mit Bands wie FUCK THE FACTS, BOLT THROWER oder sogar PIG DESTROYER noch beliebig weit fortsetzen, hier werden jedoch nicht blind fremde Passagen übernommen und dann mit MÖRSER-Etikett weiterverkauft, sondern MÖRSER schaffen es wirklich, die unterschiedlichsten Einflüsse, die sich in der freien Wildbahn womöglich  gegenseitig annihilieren würden, unter einen Hut zu bringen und daraus ein Album zu zimmern, das tatsächlich nach MÖRSER klingt. Chapeau.
 
Das einzige nennenswerte Manko, welches das Gesamtbild schon ein wenig trübt, ist das äußerst künstlich produzierte Schlagzeug, dessen klinisch steriler Sound eher an einen Drumcomputer erinnert.
 
Ansonsten lehne ich mich dann ganz weit aus dem Fenster und sage, dass MÖRSER auf V gerade ihren zweiten Frühling erleben.

 

Veröffentlichungstermin: 27.02.2015

Spielzeit: 38:14 Min.

Line-Up:
André – Drums
Sven – Guitar
Svenion – Guitar
Matze – Bass
Denny – Vox
Grabi – Vox
Chaco – Vox
DC – Vox

Label: Speck Flag Records

Homepage: http://www.morser.de/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Morser.Bremen

Tracklist:
1. All To Suffer
2. Lost In The Days
3. Absorbing
4. The Surface
5. Closed Hatches
6. Dead Run
7. Alle Nach Grabi Hin
8. Dirt Crawler
9. Carol
10. Of Grenades
11. Patina Reminder
12. Greatful (,) Dad
13. Outro