MIDNATTSOL: Where Twilight Dwells

MIDNATTSOL: Where Twilight Dwells

MIDNATTSOL konnten ja schon mit ihrem Song Desolate, der bei der Download-Plattform mp3.de über 4000 mal heruntergeladen wurde, für einige Aufmerksamkeit sorgen. Handelt es sich nun aber um eine weitere gehypte Gothic Metal-Band mit Frauengeträller, die eigentlich kein Mensch braucht? Nein, denn MIDNATTSOL sind anders und haben Qualitäten, die man bei vielen vermeintlich vergleichbaren Bands vermisst. Das deutsch-norwegische Sextett hat sich dem nordischen Folk Metal verschrieben, allerdings nicht dem der momentan so angesagten tanzbaren Sorte, wie er etwa von FINNTROLL oder KORPIKLAANI zelebriert wird. Where Twilight Dwells ist vielmehr getragen, melancholisch und episch.

Für die skandinavische Folklore typische Melodiebögen finden sich auf diesem Album zuhauf, welches sowohl stimmungsvolle, verträumte Akustikgitarren mit dezenter Keyboard-Untermalung enthält, wie etwa in Unpayable Silence, als auch mit nordisch-kalten Viking Metal-Elementen aufwarten kann. Der Opener Another Return mit seinem treibenden 6/8-Rhythmus und den fast schon blackmetallischen Schrammel-Gitarren ist ein Beispiel für diesen Aspekt der vielseitigen, aber doch homogen wirkenden Klangwelt von MIDNATTSOL.

Der ganz große Trumpf der Band ist auf jeden Fall Sängerin Carmen, deren Gesang in mittlerer Stimmlage weit entfernt vom elfenhaften Gepiepse ist, mit dem so manche Gothic-Chanteuse mehr schlecht als recht versucht den Hörer zu verzaubern. Technisch ist sie zwar nicht perfekt und manchen der etablierten Frontfrauen wahrscheinlich unterlegen. Ihre Stimme hat jedoch das gewisse Etwas, das den Hörer sofort fesselt und transportiert hörbar echte Emotionen.

So schaffen es die Musiker scheinbar mühelos, den Hörer in eine andere Welt zu entführen, in der Trolle und andere Fabelwesen der norwegischen Mythologie zuhause sind. Doch Atmosphäre ist nicht alles. Wo andere diese dadurch erkaufen, dass die Musik nur vor sich hinplätschert, haben MIDNATTSOL gleichzeitig auch wirklich gute Songs am Start, mit vielen Hooklines, die einem so schnell nicht mehr aus dem Ohr gehen, professionell arrangiert und mit weder zu simplen noch zu komplexen Strukturen. Ausfälle gibt es auf Where Twilight Dwells nicht zu verzeichnen. Besonders gelungen sind jedoch das schon bekannte Desolation mit seinen majestätisch-düsteren Keyboards, das rein akustisch instrumentierte Tårefall, bei dem auch eine Maultrommel zum Einsatz kommt, sowie das abschließende Tapt Av Håp, welches mit Meeresrauschen und akustischen Gitarren anfängt und sich dann immer weiter steigert und in eine tolle Interpretation von Edvard Griegs Solveigs Sang übergeht.

Einziges Manko dieser Scheibe ist die teilweise auftretende rhythmische Gleichförmigkeit vieler Songs. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Band mit Where Twilight Dwells einen mehr als gelungenen Einstand feiern kann. Für Freunde des skandinavischen Folk Metals ist dieses durch und durch norwegisch klingende Album ein gefundenes Fressen. Dass es in Deutschland entstanden ist, tut dabei nichts zur Sache. Zum Probehören empfiehlt sich der Demo-Song Desolate, der noch immer bei mp3.de zum Download zur Verfügung steht.

Veröffentlichungstermin: 31.01.2005

Spielzeit: 51:13 Min.

Line-Up:
Carmen Elise Espanæs – Gesang

Daniel Droste – Gitarre, Akustik-Gitarre

Christian Hector – Gitarre, Akustik-Gitarre, Maultrommel

Chris Merzinsky – Schlagzeug

Birgit Öllbrunner – Bass

Daniel Fischer – Keyboard
Label: Napalm Records

Hompage: http://www.midnattsol.com

Email-Adresse der Band: chris-h@midnattsol.com

Tracklist:
1. Another Return

2. Lament

3. Unpayable Silence

4. Haunted

5. Desolation

6. Enlightenment

7. Tårefall

8. Infinite Fairytale

9. På Leting

10. Dancing With The Midnight Sun

11. Tapt Av Håp