MEKONG DELTA: Tales Of A Future Past

MEKONG DELTA: Tales Of A Future Past

Sechs Jahre nach dem letzten MEKONG DELTA-Album “In A Mirror Darkly” haben Ralf Hubert und seine Entourage das nächste Werk fertiggestellt. Eine ungewohnt lange Pause zwischen zwei Alben für MEKONG DELTA – beim Hören des Albums beschleicht mich eine Ahnung, weshalb das Komponieren des zwölften Albums der Band so lange gedauert hat. Komplex war die Musik von MEKONG DELTA natürlich schon immer. Ich kann durchaus verstehen, warum einige Leute überhaupt nicht mit der Truppe warm werden. Der Zugang zum Werk der Band ist nicht einfach, selbst dann, wenn man prinzipiell aufgeschlossen gegenüber vertrackter Musik ist. Die Kompositionen auf “Tales Of A Future Past” wirken in Ihrer Gesamtheit eher wie ein klassisches Orchesterwerk, bei dem halt auch eine Metalband beteiligt war, als ein normales Metal-Album mit Orchesterparts. Hier ergänzt nicht das Orchester die Metalband, hier stehen auch nicht beide gleichberechtigt nebeneinander – nein, hier verschmelzen Metalband und Orchester zu einem großen Ganzen, mal nach- mal miteinander.

Metalband und Orchester greifen perfekt ineinander

Nach dem kurzen Intro “Landscape 1 – Into The Void” eröffnet “Mental Entropy” das Album mit rhythmisch vertracktem Techno Thrash, dem Martin LeMar allerdings einen melodische, griffigen Refrain verpasst hat. “A Colony of Liar Men” tritt etwas auf die Bremse. Die Strophen warten mit ähnlicher Rhythmik wie der Opener auf, doch Bridge und Refrain sind eine ganz andere Nummer. LeMar zeigt sich hier stimmlich wandlungsfähig, von zärtlichem Säuseln zu aggressiven Shouts. Ganz allgemein liefert der Mann eine verdammt starke Performance ab, die sich hinter den Eskapaden der Instrumentalfraktion keinesfalls verstecken muss. Beim Instrumental “Landscapes 2 – Waste Land” greifen Orchester und Metalband perfekt ineinander. Stoisch treibende Riffs und Schlagzeugrhythmen sowie Leadgitarre tanzen eng umschlungen mit dem Orchester und der klassischen Gitarre. Über sechseinhalb Minuten perfekter Soundtrack-Stoff. “Mindeater” holt einen danach überfallartig wieder auf den Boden der schwermetallischen Tatsachen zurück und spielt uns im Team mit dem folgenden “The Hollow Men” wieder Knoten in die Gehörgänge.

Das große Finale avanciert zum Highlight von “Tales Of A Future Past”

“Landscape 3 – Inharent” unterscheidet sich von den bisherigen Intrumentalstücken dadurch, dass hier die klassischen Instrumente nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen und der Band Raum für eine über sechs Minuten lange Prog Thrash-Abfahrt lassen. Mit dem knapp zehn Minuten langen “When All Hope Is Gone” folgt das abwechslungsreichste und komplexeste Stück des Albums. Martin LeMar liefert hier eine beeindruckende Leistung ab, passt sich gesanglich den vielen, wechselnden Stimmungen des Songs an. Dieser wird  wieder deutlich mehr vom Orchester dominiert. Nach diesem Monster wirkt das hauptsächlich von Akustikgitarre und Martins Gesang getragene “A Farewell To Eternity” geradezu leichtfüßig und hätte eigentlich einen guten Ausklang des Albums gegeben. Doch MEKONG DELTA machen es uns nicht so einfach und kommen noch mal mit einem virtuosen Instrumental namens “Landscape 4 – Pleasant Ground” zurück. Das wirkt nach den vorausgegangenen Stücken etwas antiklimaktisch, vielleicht hätte man einfach die Position der letzten beiden Stücke tauschen sollen.

Es lohnt sich, “Tales of A Future Past” zu erforschen

“Tales of A Future Past” ist kein einfaches Album, selbst nach Prog- und Tech Metal-Maßstäben. Ganz sicher kein Album zum Nebenbeihören, sondern eine Platte zum konzentrierten Erforschen, am besten unter dem Kopfhörer, ohne Ablenkung von außen. Kein Album, das ich mir jeder Zeit und zu jeder Stimmung anhören kann, doch definitiv ein weiteres, beeindruckendes Opus aus der Feder von Ralf Hubert. Respekt für diese künstlerische Leistung jenseits jeglicher kommerzieller Ambitionen, denn das Potential an Hörern für diese Form von Musik dürfte recht begrenzt sein. Gerade in diesen schnelllebigen Zeiten, in denen jede Woche eine neue Sau durch das Metal-Dorf getrieben wird.

Veröffentlichungsdatum: 08.05.2020

Spielzeit: 55:41

Line Up:
Martin LeMar – vocals
Peter Lake – guitar
Ralf Hubert – bass, classic guitar
Alex Landenburg – drums

Produziert von: Ralf Hubert

Label: Butler Records / Bertus Musikvertrieb GmbH

Bandhomepage: http://www.mekongdelta.eu/
Facebook: https://www.facebook.com/mekongdeltagermany

MEKONG DELTA „Tales of a future past“ Tracklist

01. Landscape 1 – Into the Void
02. Mental Entropy
03. A Colony of Liar Men (Audio bei YouTube)
04. Landscape 2 – Waste Land
05. Mindeater
06. The Hollow Men
07. Landscape 3 – Inharent
08. When all Hope is Gone
09. A Farewell to Eternity
10. Landscape 4 – Pleasant Ground

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.