MEGA COLOSSUS: Riptime

Leute, ich sag’s mal wie’s is: Die Welt braucht mehr Bands wie MEGA COLOSSUS! Fünf vor juveniler Energie strotzende Heavy Metal-Weirdos, spielfreudig wie IRON MAIDEN, kraftvoll wie 3 INCHES OF BLOOD, kauzig wie THE LORD WEIRD SLOUGH FEG und gesegnet mit einer positiven Ausstrahlung wie ein grinsendes Honigkuchenpferd. MEGA COLOSSUS sind im Herzen kleine Bengel, die auf manchen Bildern aussehen, als ob man sie von ihrem heißgebliebten Fantasy-PC-Spiel weggezerrt hat, um in spontanen Posen halbwegs den an sie herangetragenen Bandfotoauftrag zu erfüllen.

Der selbst ernannte “Adventure Metal” strotzt auf “Riptime” schon bei den ersten Klängen des tight galoppierenden “Razor City” vor Endorphin gesteuerten, hymnischen Melodien, die wohl dem ehrenhaften Rittersmann VISIGOTH viel zu kindisch-naiv wären, aber von seinem schelmischen Hofnarren dankbar aufgenommen werden. Damit wir uns nicht falsch verstehen: die Jungs aus North Carolina, die sich 2005 ohne den übergroßen Zusatz schlicht als COLOSSUS gegründet haben, zocken waschechten, ernstzunehmenden klassischen Metal, machen aber aufgrund ihrer gelegentlich durchschimmernden nerdigen Verschrobenheit, welche schon beim nachfolgenden “Midnight Zone” deutlicher in Erscheinung tritt, extrem viel Laune.

“Riptime” ist mit einem Hauch von THIN LIZZY betupfert

Dass MEGA COLOSSUS auch spielerisch einiges auf dem Kasten haben, lässt sich insbesondere in “Vigilo Confido” (dt.: ich wache und vertraue), ein Slogan aus der Computerspielserie X-Com, ausmachen: stark gedeckelte BLIND GUARDIAN-Progressivität trifft auf ausgeklügelte und flüssig durchrauschende Griffbrettwanderungen, welche in Maiden-Manier auch beim speedigen “Run To The Fight” die knapp sieben Minuten äußerst kurzweilig erscheinen lassen. Bill Fischer und Neuzugang Chris Millard sind diejenigen, die sich mit ihren kongenialen Doppelleads die Lorbeeren für frivoles Saitenspiel mit angenehmen Schrägheitsgrad verdienen und welche die “Riptime”-Kreationen mit einem Hauch von THIN LIZZY betupfern.

Natürlich muss man in dem Zusammenhang auch den eigenwilligen Gesangsstil von Sean Buchanan erwähnen, der in mittlerer bis halbhoher Tonlage eine originelle Klangfarbe im epischen Machtbereich in die sieben Songs platziert und sich auf der dritten Scheibe auch dank der bis dato druckvollsten Produktion eines MEGA COLOSSUS-Tonträgers (zu Buche stehen darüber hinaus auch noch drei EPs) gegen die Omnipräsenz der eigenbrötlerischen Gitarrenharmonien behaupten kann. High-pitched Screams und wohltemperierte Hansi Kürsch-Dramatik (z.B. auch in “Tinker Tanner”, der ohnehin eine starke Krefelder Schlagseite aufweist) erweitern Buchanans Portfolio und bereichern das ungekünstelte und aus dem Bauch heraus agierende Fabrikat der Oststaaten-Truppe, welche von Drummer Doza Mendoza nach allen Regeln der Kunst angetrieben wird und der in den rasanten “Boiling Seas” und “Razor City” auch mal seine thrashige Ader ausleben darf.

MEGA COLOSSUS haben auf allen Ebenen aufgerüstet

Abgerundet wird “Riptime”, mit dem sie bei Rafchild Records gelandet sind, vom achteinhalbminütigen “Iron Rain”, welcher in punkto angefolkte Melodien wohl am nähesten an den verqueren Landsmännern THE LORD WEIRD SLOUGH FEG verortet werden kann. Neben bereits genannten Gruppierungen dürfen sich übrigens auch Fans von RIOT, TRAVELER, ETERNAL CHAMPION und den Epigonen wie MANILLA ROAD oder BROCAS HELM diese Scheibe unter den Nagel reißen.

Ihr habt eure Jahresbestenlisten schon auf allen möglichen Kanälen gepostet? Pech gehabt, denn diese Glanzleistung hat sich gerade noch so in 2021 reingemogelt und wird auch so manches mühevoll ausgearbeitetes Ranking nochmals umkrempeln.

Die Science Fiction-Maniacs MEGA COLOSSUS haben jedenfalls fünf Jahre nach “HyperGlaive” und zwei Jahre nach der bockstarken EP “V” auf nahezu allen Ebenen aufgerüstet und mit “Riptime” ein megamäßiges Statement abgeliefert, wie unverbraucht und unberechenbar der Heavy Metal-Schalk im Nacken ein nahezu komplett erforschtes Metier aufbereiten kann.

Veröffentlichung: 17. Dezember 2021

Label: Rafchild Records

Spielzeit: 40:48 Minuten

Line-Up:
Sean Buchanan – Vocals
Bill Fischer – Guitar
Chris Millard – Guitar
Anthony Micale – Bass
Doza Mendoza – Drums

MEGA COLOSSUS “Riptime” Tracklist

1. Razor City (Audio bei YouTube)
2. Midnight Zone
3. Vigilo Confido
4. Tinker Tanner
5. Run To The Fight (Audio bei YouTube)
6. Boiling Seas
7. Iron Rain