MAKE THEM SUFFER: How To Survive A Funeral

Ist es Mut oder knallhartes Kalkül? Einfach so opfert man als Band schließlich nicht sein großes Alleinstellungsmerkmal. Was MAKE THEM SUFFER in der Vergangenheit dank Keyboarderin Booka Nile an ätherischen Klangteppichen in ihren Metalcore gewoben haben, war nicht selten hochspannend. Diese sphärischen Anflüge und die verspielte Pianobegleitung, die für die einzigartige Atmosphäre in der Musik der Australier gesorgt hatten, werden nun in den Hintergrund verbannt.

„How To Survive A Funeral” degradiert Booka Nile zwar nicht zum Beiwerk, richtet den Schwerpunkt aber wesentlich stärker auf klassische Genre-Ansätze aus. Die Synthesizer verzieren jetzt etwa die ruhigen Momente, wie in „Falling Ashes“ oder setzen in der Single „Bones“ zwischendurch kleinere Spitzen, bevor sich der Refrain schließlich doch etwas vom Boden löst. Frontmann Sean Harmanis greift hier wie im starken „Soul Decay“ nun öfters auf Fry Screams zurück, was in diesen Momenten eine gewisse Nähe zu ARCHITECTS, HEART OF A COWARD oder BLEED FROM WITHIN erzeugt.

MAKE THEM SUFFER machen sich typische Genre-Trademarks zu eigen

Im Allgemeinen gibt sich der Sänger auf „How To Survive A Funeral“ aber so variabel wie nie, dringt im schleppend-drückenden „Drown With Me“ sogar in neue Tiefen vor. Die gewaltigen Growls im abschließenden Breakdown sind dann auch der krasse Kontrast zu Bookas fast schon engelsgleicher Stimme, die hier und in „Erase Me“ zwei naiv-betörende Refrains beisteuert.

Das hat durchaus Klasse, ist kompetent geschrieben und zeigt zudem, wie leicht sich MAKE THEM SUFFER typische Genre-Trademarks zu eigen machen können. „Erase Me“ ist gleichzeitig jedoch symptomatisch für das Identitätsproblem, das sich auf diesem Album auftut. Rockende Gitarren, knallende Blast Beats und ein hoher Adrenalinpegel machen Spaß, sind aber selbst für Metalcore-Verhältnisse überaus generisch. Tatsächlich ist das Synthie-Piano letzten Endes doch das einzige Stilmittel, das dem Song etwas Profil gibt.

“How To Survive A Funeral” leidet unter der noch besseren Konkurrenz

Selbst auf einer kompakten Platte wie „How To Survive A Funeral“ finden sich in der Folge die typischen Eckpfeiler des Genres: Die brachiale Abrissbirne „Fake Your Own Death“ bringt uns im letzten Drittel auf Spur, bevor uns der Titeltrack mit seiner ‚Beauty and the Beast‘-Struktur mit der Melancholie vertraut macht, in die schließlich die Quasi-Ballade „The Attendant“ vollends eintaucht.

Es ist selbstverständlich die Ruhe vor dem Sturm, den „That’s Just Life“ zum Abschluss noch einmal heraufbeschwört. Knackiges Riffing, giftige Screams und jede Menge Moshpotenzial versichern uns, dass MAKE THEM SUFFER ein durchaus gutes Album abgeliefert haben, das allein angesichts der noch besseren Konkurrenz ein wenig Federn lassen muss. Ob die konservativeren Arrangements nun tatsächlich Mut oder eiskaltes Kalkül darstellen, ist deshalb letztendlich auch nebensächlich. In erster Linie handelt es sich nämlich im starken Metalcore-Jahr 2020 schlicht um unglückliches Timing.

Veröffentlichungstermin: 19.6.2020 (Digital) / 10.07.2020 (Physisch)

Spielzeit: 35:09

Line-Up

Sean Harmanis – Vocals
Nick McLernon – Gitarre, Backing Vocals
Booka Nile – Keyboards, Vocals
Jaya Jeffery – Bass
Jordan Mather – Drums

Produziert von Drew Fulk

Label: Rise Records

Homepage: https://www.makethemsuffer.com.au/
Facebook: https://www.facebook.com/makethemsufferau/

MAKE THEM SUFFER “How To Survive A Funeral” Tracklist

01. Step One
02. Falling Ashes
03. Bones (Video bei YouTube)
04. Drown With Me (Audio bei YouTube)
05. Erase Me (Video bei YouTube)
06. Soul Decay (Audio bei YouTube)
07. Fake Your Own Death
08. How To Survive A Funeral
09. The Attendant
10. That’s Just Life