LETZTE INSTANZ: Ewig

LETZTE INSTANZ: Ewig

Mensch, das dauert aber. Fast drei Minuten zieht sich die Einleitung, ohne dass etwas passiert. Man könnte fast sagen, bis das Album in Fahrt kommt, dauert es ewig. In der Tat ist die größte Schwachstelle des finalen Kapitels der Albumtrilogie um „Schuldig„, „Heilig“ und nun „Ewig“ schnell ausgemacht. In den 61 Minuten Spielzeit lässt die LETZTE INSTANZ zu viel Leerlauf aufkommen, zu oft plätschert das Material vor sich hin, kommt schlicht nicht auf den Punkt.

Derweil ist „Ewig“ eigentlich als krönender Abschluss gedacht, der die beiden dominanten Facetten der Vorgängerplatten zu einem farbenreichen Finale zusammenführt. Herausgekommen ist leider über weite Strecken ein formloses Grau – dort treffen sich Schwarz und Weiß eben in der Mitte. „Ewig“ ist kein schlechtes Album, das sollte nicht falsch verstanden werden. Es enttäuscht allerdings seine eigenen Ambitionen, indem es zwischendurch immer wieder in austauschbare, wenig erinnerungswürdige Folk-Rock-Bahnen zurückfällt. Insbesondere „Regenbogen“, „Tausendschön“ und dem unsäglichen Gothic-Industrial-Stampfer „Sing!“ aus dem Schablonenheft fehlt es an Persönlichkeit.

Wenn Schlagzeuger David Pätsch Mal aufspielt, wird „Ewig“ schnell zur One-Man-Show

Überraschenderweise sind gerade die poppigen Rockstücke die treibende Kraft, die „Ewig“ besonders gut zu Gesicht steht. Sicherlich grüßt hie und da der Graf (UNHEILIG) aus der Ferne, das von Streichern gepushte Duett „Blind“ ist längst im Mainstream verankert und auch die unbeschwerte Single „Von Anfang An“ könnte die LETZTE INSTANZ problemlos ins Radio hieven. Schlimm ist das keineswegs, schließlich hat die Band den Grundstein einer solchen Entwicklung in der Vergangenheit selbst gelegt.

Zwischen beschwingter Strophe und lautem Refrain tanzt „Wieder Einmal Rot“ vor einem verspielten Bass – sozusagen der Gegensatz zur härteren Seite der Band, die auf „Ewig“ natürlich gleichermaßen bedient wird. Der Industrial-Anstrich von „Schwarzer Sand“ und dem metallischen Instrumental „Et In Arcadia Ego“ profitiert in dieser Hinsicht vom akzentuierten wie versierten Drumming von Schlagzeuger David Pätsch (Ex-SUBWAY TO SALLY, Ex-BLUE MAN GROUP). Vor allem Letzteres wird schnell zur beeindruckenden One-Man-Show.

Zwischen harten Rockern Marke „Schuld“ und versöhnlichen Pophymnen formiert sich die oben aufgezählte Ausschussware insgesamt jedoch in einer Dichte, die „Ewig“ angesichts der üppigen Spielzeit deutlich nach unten zieht. Nicht auszuschließen, dass das ambitionierte Trilogie-Konzept zum Ende hin zur Last geworden ist. Das beschließende Kapitel ist für Gothic- / Folk-Rock-Sympathisanten zwar nach wie vor einen Blick wert, ob die Band beim nächsten Output wieder so unbefangen und locker aufspielen wird, wie wir es eigentlich gewohnt sind, muss sich im Gegenzug erst noch zeigen. Möge es bis dahin nicht ewig dauern.

Veröffentlichungstermin: 31.08.2012

Spielzeit: 61:16 Min.

Line-Up:
Holly Loose – Vocals
Oli – Guitar
Holly D. – Guitar, Backign Vocals
M.Stolz – Violine
Benni Cellini – Cello
Michael – Bass
David Pätsch – Drums

Produziert von Oli Schmidt und Simon Michael Schmitt
Label: Drakkar

Homepage: http://www.letzte-instanz.de/
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/letzteinstanz

LETZTE INSTANZ „Ewig“ Tracklist

01. Aeternitas
02. Ewig
03. Nur Für Uns
04. Blind
05. Regenbogen
06. Wieder Einmal Rot
07. Tausendschön
08. Schwarzer Sand
09. Et In Arcadia Ego
10. Von Anfang An
11. Wo Das Meer…
12. Schuld
13. Unterwegs
14. Sing!
15. Mein Kind

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.