LED ZEPPELIN: Houses Of The Holy [Re-Release][2CD Deluxe Edition]

Total unterbewertet, vielleicht auch damals einfach nicht verstanden – höchste Zeit also, "Houses Of The Holy" neu zu entdecken.

Die vorerst letzte Runde der Re-Releases der LED ZEPPELIN-Alben gehört dem fünften Album von 1973, das damals sogar einen offiziellen Titel erhielt. Fast passend für die schräge Welt der Sex, Drugs und Rock`n´Roll-Flugmaschine, dass der Titelsong Houses Of The Holy es nicht auf das Album schaffte, sondern erst auf dem Folgealbum Physical Graffiti landete. Überhaupt blieb LED ZEPPELIN nach dem gigantischen vierten Album eigentlich nicht viel übrig, als alles wieder mal anders zu machen. Das Highlight zu kopieren oder gar toppen zu wollen, das kam für die Engländer eh nicht in Frage. Statt einem vielleicht noch härteren Rockbrocken abzuliefern, überraschten und erschreckten sie mit einem locker-flockigen Album, dass in den 80ern wohl das No Go-Wort kommerziell abbekommen hätte. Catchy, verträumt, tanzbar, spinnig, entspannt – hatte man LED ZEPPELIN durch die heavy Songs kennen- und lieben gelernt, dann hatte Houses Of The Holy verloren. Oder man musste genauso drauf sein wie die Band, dann verstand man, was die Engländer hier machten. Wer das nicht kapiert hat und das Album ignoriert hat, der kann sich hier mit dem Re-Release, wieder von Jimmy Page selbst überarbeitet und mit einer Zusatz-CD mit alternativen Versionen der Songs versehen, eines Besseren belehren lassen. Natürlich gibt es wieder verschiedene Versionen des Re-Releases, aber die Zusatz-CD lässt für echte LED ZEP-Fans eigentlich nur den Griff zur 2CD-Version zu.

The Song Remains The Same als Auftakt rockt dezent, mit leicht sperrigem Raga-Flow, Country & Westerngitarren und Southern Rock-Touch könnte man auch hineindichten, das mit dem indischen Elementen teils mehr Hippie-Flair als je zuvor in sich trägt. The Rain Song, die vielleicht kuscheligste Ballade der Bandgeschichte, zarte Gitarren, zarte Vocals, ein schwebendes Mellotron, das Album denkt gar nicht daran, Fahrt aufzunehmen. Over The Hills And Far Away beginnt ebenfalls zart und blumig, rockt dann doch etwas lauter. Wieder denkt man etwas an den Rock der US-Südstaaten, Jimmy Page war damals sicher auch Fan der ALLMAN BROTHERS BAND. Dass LED ZEPPELIN mittlerweile mehr in den USA sind als in der britischen Heimat, das betont auch The Crunge, das zappelig-funky ein musikalisches Shake Hands für JAMES BROWN ist. Oh je, da verrenkten sich die englischen Rockfans sicher die Beine. Was Dancing Days von uns will, keine Frage! Sicher kein Highlight mit einem irgendwie lustlos klingenden ROBERT PLANT, aber tanzbar, catchy und spinnig. Dafür scheint bei D´yer Mak´er wieder sie Sonne, Chillen mit einem kühlen Cocktail im Strandkorb, Hüftschwingend beim Hausputz, die Hommage an Jamaika macht mit dem entspannten Reggae-Groove einfach Spaß und gute Laune. Wie wichtig der immer im Schatten von Page und PLANT stehende John Paul Jones ist, das zeigt sich wieder beim langen No Quarter. Wabbernde Synthie-Sounds, verträumtes Pianospiel, Momente, die auch mal an ganz frühe PINK FLOYD denken lassen, der sicher psychedelischste Song der Bandgeschichte. Das doch erfreulich rockende The Ocean beendet das Album, gewidmet den zahllosen Fans, die der Band trotz aller Kritiken und Skandalen immer treu blieben, und vor allem ROBERT PLANT´s damals dreijährigen Tochter. Nicht schön, aber neu sind bei diesem Song die Backing-Vocals von Drummer John Bonham.

Hört man sich heute diese ach so kitschige und kommerzielle Scheibe an, dann weiß man, wie viel man verpasst hätte, sich das Album nicht noch mal vorzunehmen. LED ZEPPELIN waren einfach frei von allen Zwängen, die ihnen das Musikbusiness so gern reingedrückt hätte, und haben richtig gute Songs präsentiert, die sie eben genau so damals haben wollten, weil es ihrer Stimmung entsprach. Daran heute teilzuhaben macht Spaß, man entdeckt Houses Of The Holy neu, warum noch hab ich die LP damals kaum rausgezogen?  Auch die Companion Disc ist wieder ein netter Bonus. The Song Remains The Same zeigt sich als das Instrumental, wie es ursprünglich ja geplant war. The Rain Song klingt ohne Piano weitaus melancholischer, passend zum Herbst-Blues, die Rough Mixes einfach … äh … rauer. Der von Jimmy Page überarbeitete Sound wertet wie bei den ersten vier Re-Releases das Album auf, ohne es zu sehr zu verändern, die Alternativ-Versionen laden zum Hinhören ein. Das CD-Heftchen bietet wieder ein paar seltene Bilder, die Texte und Credits.

Total unterbewertet, vielleicht auch damals einfach nicht verstanden – höchste Zeit also, Houses Of The Holy neu zu entdecken. Mag sein, dass III seine Kritik zu Recht abbekommen hat, Houses Of The Holy hat das nicht verdient. Davon kann man sich mit diesem Re-Release endlich überzeugen lassen. Kein Wunder, dass das Album damals trotz aller Kritiken ein Megaseller mit über 11 Millionen verkauften Exemplaren war. Hoffen wir mal, dass auch die folgenden LED ZEPPELIN-Alben eine Neuauflage erhalten. Zumindest das Doppelalbum Physical Graffiti ist ein oft übersehenes Highlight, und auch die anderen Scheiben sind eine Neuentdeckung wert, auch wenn sie mit den ganz großen Bandklassiker nicht mehr mithalten konnten.

Veröffentlichungstermin: 24.10.2014

Spielzeit: 40:59 / 36:13 Min.

Line-Up:
Robert Plant – Vocals
Jimmy Page – Guitars, Mandoline
John Paul Jones – Bass, Piano, Mandoline
John Bonham – Drums

Produziert von Jimmy Page
Label: Swan Song / Atlantic Records / Warner

Homepage: http://www.ledzeppelin.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/ledzeppelin

Tracklist:
1. The Song Remains The Same
2. The Rain Song
3. Over The Hills And Far Away
4. The Crunge
5. Dancing Days
6. D´yer Mak´er
7. No Quarter
8. The Ocean

Companion Audio Disc
1. The Song Remains The Same – Guitar Overdub Reference Mix
2. The Rain Song – Mix Minus Piano
3. Over The Hills And Far Away – Guitar Mix Backing Track
4. The Crunge – Rough Mix – Keys Up
5. Dancing Days – Rough Mix With Vocal
6. No Quarter – Rough Mix With JPJ Keyboard Overdubs – No Vocal
7. The Ocean – Working Mix