KEKAL: Acidity

KEKAL: Acidity

Was ist bloß mit diesen Asiaten los! Während die einen ihrer Zeit hinterher hecheln und oldschoolig der Metal-Historie huldigen, verweigern sich andere (etwa SIGH) den gegenwärtigen Konventionen und lassen sich nicht schubladisiern. Zu letzteren sind zweifellos KEKAL zu zählen, die mittlerweile ihren fünften Longplayer auf die Beine gestellt haben. Schon alleine die Tatsache, dass die Herren aus Indonesien stammen, stimmt den Hörer darauf ein, musikalisches Neuland zu betreten. Dieser für mich noch weiße Fleck auf der Musiklandkarte wird jedoch nicht von indonesischer Folklore geschmückt, um Einzigartigkeit zur Schau zu stellen, sondern von avantgardistischen Songstrukturen, verschachtelten Tracks und verstörenden Disharmonien, die sich letztendlich in berauschenden Melodien auflösen.

Es klingt verrückt, doch beim ersten Antesten der CD dachte ich mir noch Hätte ich doch die CD einem anderen Redakteur überlassen. Auch das Urteil meiner Frau, die mich einmal beim KEKAL-Hören überraschte, bestätigte dies, indem sie schlicht ausrief Was ist denn das für ein Krach! Doch ich gab dem Album Zeit. Dabei genügt es schon den unbequemen Opener Characteristicon vorüber ziehen zu lassen, um mit dem entspannteren Strength In My Weakness schließlich doch eine nahezu ansatzlose Freundschaft mit der Band schließen zu können. Zwar ist auch dieser Song keineswegs frei von etwaigen Disharmonien, doch sind die manchmal schwer durchschaubaren Strukturen in ein rockigeres Gewand gehüllt. Darüber hinaus leistet sich nicht nur dieser Track den Luxus, eine klangliche Basis aus Schrammelgitarren zu erstellen, die von zwei weiteren, um ein Vielfaches melodischeren Gitarren getoppt wird. Hier verzücken besonders die zahlreich eingebundenen Leads und Soli, die an Spielfreudigkeit alle anderen Instrumente in den Schatten stellen.

Dass die Anfänge KEKALs im Humus des Black Metals wurzelten, hört man der Band auch noch im Vocal-Bereich an, wenn der auf dem Bandfoto so gar nicht finstere Geselle Newin Atmarumeksa seine sinistre Stimme einsetzt. Darüber hinaus wird noch Hardcore-lastig geshoutet (Thy Neighbor´s Morality), gesprochen (Envy And It´s Manifesto) und ja, auch gesungen (Blessing In Disguise oder The Way Of Thinking Beyond Comprehension). Und da ich gerade letzteren Song angesprochen habe: dieser spiegelt die Band, wie sie leibt und lebt, indem der Track binnen seiner knapp neun Minuten einfach alles hineinpackt. Da sind jazzige Melodien ebenso vorzufinden, wie orientalische Interludes, spacige Synthies oder rockige Riffs. Darüber hinaus erinnert ein geröcheltes Etwas, das von einem mysteriösen Vorbereitungsgesang eingeleitet wird, an die Ziegen-Orgie von IMPALED NAZARENEs Tol Cormpt Norz Norz Norz.

Acidity ist schlussendlich ein herausforderndes Album, das nicht auf die leichte Schulter genommen werden kann. Auch wenn die Songs an manchen Stellen unbequem sind und nur sehr schwer den roten Faden verfolgen lassen, so entschädigen die immer wieder eingebrachten Melodien und Soli fürs Durchhaltevermögen. Kämpft man jedoch etwas länger mit dem Album, wird man sich von einzelnen Songs nicht mehr trennen können.

Veröffentlichungstermin: 2005

Spielzeit: 55:55 Min.

Line-Up:
Jeff Arwadi – Vocals, Guitars, Programming

Azharlevi Sianturi – Bass, Vocals

Leo Setiawan – Guitars

Newin Atmarumeksa – Vocals

Didi Priyadi – Guitars

Gastmusiker:

Jason DeRon – Guitar

L Rion – Drums

Produziert von Jeff Arwadi
Label: Fear Dark

Homepage: http://www.kekal.cjb.net

Email-Adresse der Band: kekalmetal@yahoo.com

Tracklist:
1. Characteristicon

2. Strength In My Weakness

3. Thy Neighbor´s Morality

4. A Dream For A Moment

5. Broken

6. Envy And It´s Manifesto

7. The Way Of Thinking Beyond Comprehension

8. Romantika Destruksi

9. Blessing In Disguise

10. Empty Space

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Symphonic Metal, Doom, Melodic Death und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Symphonic Metal, Gothic Metal, Melodic Death Metal, Doom.