KARKADAN: Utmost Schizophrenia

KARKADAN: Utmost Schizophrenia

Dass Deutschland nicht zwangsweise zu den führenden musikalische Talentschmieden gehört und deshalb neben den zumindest sporadisch renommierten Klassikern nur wenige Nachwuchsbands von internationalem Kaliber aufweisen kann, dürfte schon lange kein Geheimnis mehr sein. Um so erfreulicher also, dass eine Band wie KARKADAN zwar nicht das vollkommene Gegenteil beweisen, den zukunftsorientierten Metalhead aber durchaus hoffnungsvoll stimmen kann. Utmost Schizophrenia ist der bislang zweite Streich des aus dem schwäbischen Ditzingen stammenden Quintetts und besticht besonders durch seine interessante stilistische Vielfalt, die Schubladen-Fetischisten zur Verzweiflung bringen dürfte. Hier wirken schwarzmetallisch fauchender Kreischgesang, ein vorzugsweise vom Death Metal beeinflusstes Gitarren-Riffing und variierter Keyboardeinsatz einheitlich zusammen und erzeugen eine bemerkenswerte, überwiegend im Midtempo angesiedelte Zusammensetzung, welche die Band selbst treffenderweise Black Heavy Metal getauft hat.

Waren die genannten Elemente schon auf dem Debüt Eternal Black Reflections ansatzweise zu erkennen, hat Gitarrist und Hauptsongwriter Daniel Pütz diese Trademarks auf dem neuen Output weiter ausgebaut und songdienlicher eingesetzt, weshalb Liedgut wie der Startschuss Passing Away zwar vertrackte Songstrukturen besitzt, im Vergleich zum Vorgängeralbum aber trotzdem nachvollziehbarer und einprägsamer daherkommt. Diese Attribute verarbeitet das erwähnte Stück, das zugleich als Aushängeschild von Utmost Schizophrenia gesehen werden kann, über eine stolze Spieldauer von etwa sieben Minuten mühelos in einen gelungenen Spannungsbogen – ein derart umfangreiches Songwriting ist man von solch jungen Acts nicht unbedingt gewohnt. Als weiteres Highlight des insgesamt eine knappe Dreiviertelstunde währenden Longplayers ist das von einem episch-bombastischen Keyboardintro eingeleitete The Journey, bei dessen Streicherpart sich wohl in jedem Hörer, sofern er auch nur ansatzweise sentimentale Regungen in sich zulässt, ein leichtes Gänsehautgefühl einstellen wird – spätestens bei den anschließend einsetzenden Rhythmusgitarren wird aber definitv jedes Schwarzmetallerherz erschauern. Was die Begeisterung ein klein wenig mildert, ist die Tatsache, dass alle der insgesamt sieben Tracks annähernd im gleichen Tempo zu klassifizieren sind und sich dadurch streckenweise nicht stark genug voneinander abgrenzen. Man hätte vielleicht doch mal einen etwas treibenderen Stampfer ins Songgefüge einbauen können, was den Grundtenor des Albums gewiss etwas aufgelockert hätte – auf der anderen Seite ist das Material trotz des einheitlich pochenden Metrums für sich genommen schon sehr dynamisch und abwechslungsreich ausgefallen und markiert zudem einen sich vom Kollektiv absetzenden Stil, was das genannte Makel etwas entkräftet.

Ob KARKADAN mit Utmost Schizophrenia einen absoluten Quantensprung auf der Karriereleiter hinlegen können, sei mal so dahingestellt, das Album ist aber in jedem Falle einen Lauschangriff wert, bietet anbei mit The Ancient World einen ansehnlichen Videoclip des Hits der Vorgängerscheibe und glänzt mit einer makellosen Produktion. Die Schwaben – jawoll, diesmal heißt es ausnahmsweise nicht die Schweden – gehören also zweifelsohne zu den stärkeren Underground-Combos und können immerhin ein eingeklammertes Ausrufezeichen setzen, das anfangs eingeläutete Nachwuchsproblem im Heimatland wird vorerst jedoch weiterhin ungelöst bleiben…

Veröffentlichungstermin: 22.04.2004

Spielzeit: 43:18 Min.

Line-Up:
Robby Beyer – vocals

Daniel Pütz – guitar

Philip Oefner – guitar

Christian Grunenberg – bass

Martin Daniel – drums

Produziert von Vagelis Maranis
Label: Supreme Chaos Records

Homepage: http://www.karkadan.de

Email: contact@karkadan.de

Tracklist:
01. Passing Away

02. On Your Knees

03. The Angel´s Death

04. Faint

05. Frenetic Visions

06. The Journey

07. Sea Of Bitterness