KALANDRA: The Line

KALANDRA: The Line

Vielleicht liegt es an den immer kürzer werdenden Tagen im Herbst? Vielleicht liegt es am allerorts propagierten „social distancing“? Oder vielleicht liegt es einfach nur an der eigenen momentanen Stimmungslange? Fakt ist, ruhige und besinnliche Töne, die ein Stück weit Zurückgezogenheit vermitteln und darin auch am besten aufgehen, treffen den individuellen Puls der Zeit.

„The Line“ von KALANDRA kommt da gerade recht. Es ist das Debütalbum einer noch recht frischen Band aus Norwegen, die sich in der Querschnittmenge von Alternative, Folk Rock, Pop und Electronic bewegt. Keineswegs Metal, aber mit kommerziellem Hit-Potenzial, ohne dass die Musik allzu platt ist.

KALANDRA könnten auch im Mainstream-Radio zünden

Bestes Beispiel für einen möglichen internationalen Hit liefert gleich nach dem eröffenden und sehr bedächtigen „Borders“ das folgende „The Waiting Game“ ab, das, würde an ihm noch ein bisschen in Sachen kompositorischer Reife und Raffinesse gearbeitet werden, in Ansätzen auch im Mainstream-Radio zünden müsste. Aber auch „Brave New World“ hat seinen besonderen Reiz, als dass der Song gar auch ein klein wenig von Rotzigkeit Gebrauch macht. Kleinere (und mit „Wonderland“ auch einen fünfminütigen) Durchhänger gibt es binnen und vor allem gegen Ende der rund 50 Minuten allerdings auch.

Die Stimme von Katrine Stenbekk ist das Aushängeschild von KALANDRA

Aushängeschild von KALANDRA ist fraglos die auch im Vordergrund abgemischte Stimme von Katrine Stenbekk. Trotz aller Sanftheit und mitunter Zerbrechlichkeit haben die Vocals auch Kraft und sind immer wieder für eine Überraschung gut, wenn sie etwa in „Slow Motion“ einen leichten orientalischen Touch abbekommen, welcher instrumental dann eher in „Naive“ zur Geltung kommt, oder in „Virkelighetens Etterklang“ in Muttersprache und variantenreich dargebracht werden.

„The Line“ überrascht mit unaufdringlicher Qualität

Aber auch musikalisch machen KALANDRA viel richtig, als dass die Instrumente zurückhaltend eine solide und fein gesponnene Basis schaffen. Dabei ist weniger beinahe immer mehr. Abgespeckt instrumentiert punkten die Songs vor allem mit einer ruhigeren Machart. „The Line“ ist demnach ein überraschendes Album. Überraschend durch seine unaufdringliche Qualität. Aber auch überraschend durch die Ausgewähltheit, schließlich ist es nicht zwingend zu erwarten, dass ein derartiger Genre-Release hier gewissenhaftes Gehör bekommt.

Veröffentlichungstermin: 23.10.2020

Spielzeit: 50:00 Min.

Line-Up:
Katrine Stenbekk – Gesang
Jogeir Daae Mæland – Gitarre
Florian Bernhard Döderlein Winter – Bass
Oskar Johnsen Rydh – Schlagzeug

Label: Norse Music

Homepage: http://www.kalandra.no

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Kalandramusic
Mehr im Netz: https://kalandra.bandcamp.com

KALANDRA „The Line“ Tracklist

1. Borders
2. The Waiting Game (Video bei YouTube)
3. Slow Motion
4. Naive
5. Virkelighetens Etterklang (Video bei YouTube)
6. Ensom
7. Brave New World (Lyric-Video bei YouTube)
8. On The Run
9. Wonderland
10. With You
11. It Gets Easier

 

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Doom / Death / Black / Thrash und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Death Metal, Doom-Death Metal, Doom Metal, Symphonic Metal, Gothic Metal, Sludge.