JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE: Rauchen und Yoga

Der logische nächste Schritt in der Entwicklung von JAPANISCHE KAMPHÖRSPIELE.

Bevor wir beginnen, möchte ich mich beim Schreiber des Presseinfos beschweren. Wie kann man ernsthaft in einen Pressetext von JAPANISCHE KAMPHÖRSPIELE den Satz Forget about Grindpunk! This is Popgrind schreiben? Hoffentlich hat der Verfasser dieser Zeilen von der Band selbst aufs Maul bekommen. Schubladen zählen bei dieser Band, die sowieso keinen Wert auf so was legt, nicht. Egal, zurück zum Geschehen. Über drei Jahre nach dem großartigen Hardcore aus der ersten Welt gibt es endlich ein neues Album des Sextetts aus Krefeld. Eine Steigerung zum Vorgänger, textlich und musikalisch schärfer und direkter, soviel sei schon mal verraten.

Was das nun wieder bedeutet? Erstens, die Songs sind nicht mehr so verfrickelt wie auf den letzten Scheiben, aber nicht wirklich eingängiger. Viele Breaks, verschiedene Riffs und Rhythmen finden sich in den meisten Songs wieder, man muss Rauchen und Yoga mehrmals hören, bis man die Qualität von Songs wie Der Hund kriegt nichts Hungerhilfe, Betatier und Erfolg verdammt erfasst. Nebenbei hören geht hier überhaupt nicht, da die Songs nach wie vor den zu sehr Hörer fordern. Dem kommen die kleinen, ungewöhnlichen Details zugute, die sich in das dritte Album der Band eingeschlichen haben. Seien es der bitterböse LoFi-Sludge-Song Das Experiment, die Synthies in 18:46:53 oder das witzige Kundenberater, all das gibt dem Album die nötige Würze.

Doch JAPANISCHE KAMPHÖRSPIELE überzeugen den Hörer auch mit ein paar eingängigen Songs. Komm wir drehen einen Porno und Leute ohne Lust haben richtig gute Hooklines, der noisige Titeltrack springt sofort ins Gesicht und Verrat am Metal, zu dem es auch ein recht nettes Video auf der CD gibt, ist ein kleiner Hit geworden. Instrumental gibt auch es keinen Grund zur Klage: Das Drumming ist locker, tight und versiert, die Gitarristen stehen dem in nichts nach. Der neue Sänger Martin Freund ergänzt das charismatische Kreischen von Markus Maria Hoff mit seinem derben Organ ausgezeichnet. Das Ganze wird in Szene gesetzt von der großartigen Produktion von Carsten Rehmann und dem Mix von Robert Adam.

Rauchen und Yoga ist der logische nächste Schritt in der Entwicklung von JAPANISCHE KAMPHÖRSPIELE, sowohl musikalisch als auch textlich. Das Album macht einfach Spaß, bietet intelligente Unterhaltung für viele Stunden und macht den Mund wässrig für kommende Konzerte der Band. Grindcore-Fans, die sich an Experimenten und abgefahrenen Ideen erfreuen, aber Wut und Aggression nicht missen wollen, müssen hier zuschlagen.

Veröffentlichungstermin: 12. Oktober 2007

Spielzeit: 36:26 Min.

Line-Up:
Martin Freund – Vocals
Markus Maria Hoff – Vocals
Klaus Nicodem – Guitar
Robert Nowak – Guitar
Marco Backmann – Bass
Christof Kather – Drums

Produziert von Carsten Rehmann
Label: Bastardized Recordings

Homepage: http://www.japanischekampfhoerspiele.de

Tracklist:
1. Der Angriff startet
2. Der Hund kriegt nichts
3. Eruiert
4. Wir haben nicht gewusst, dass es solche Lager gibt
5. Kundenbetreuer
6. Punkerpolente
7. Hungerhilfe
8. Steig aus
9. Das Experiment
10. Betatier
11. Komm, wir drehen einen Porno
12. Leute ohne Lust
13. 18:46:53
14. Erfolg verdammt
15. Rauchen und Yoga
16. Böses Blut
17. Verrat am Metal