ISIS CHILD: Strange Days

Wer auf guten Female-Fronted-Melodic/Hard-Rock, vor allem der späten 80er, steht, der macht mit "Strange Days" einen guten Fang.

Über seinen Ausflug in die USA, wo er immerhin 12 Jahre lebte und in Bands spielte, hat es Freddy Mazzucco wieder nach Frankreich geführt. Dort hat er 2008 mit seiner Band ISIS CHILD das Debüt Ailleurs veröffentlicht. Nun gibt es neue Klänge von der Riviera, nur Bandkopf Mazzucco und Sängerin Nathalie Pellissier sind noch dabei. Wer von der Backing-Crew nun zur Band gehört oder ob sich das Duo lieber mit Gastmusikern umgibt, das erkennt man nicht genau. Das neue Album Strange Days ist erstmals in Englisch, so möchte man sich auch international einen Namen machen.

Und da stehen die Chancen nicht schlecht, gerade wo gefälliger Melodic/Hard Rock aktuell ja wieder gut angesagt ist. Die meisten Songs haben einen kräftigen 80er-Touch, es wird oft richtig gerockt, seichten, schwulstigen AOR findet man trotz zahlreicher ruhigerer Klänge hier nicht. Dazu trägt nicht nur der gute, zeitgemäße Sound bei. Aufgenommen wurde im Belgischen Noise Factory Studio in der Ecke von Namur, Mix und Master hat Pelle Saether, Sänger der schwedischen Melodic-Rocker GRAND DESIGN, modern zusammengeschoben, und doch einen angenehmen Hauch von den 80ern bewahrt. Die Songs, allesamt von Mastermind Freddy Mazzucco, sind abwechslungsreich, sein Gitarrenspiel zeigt ebenfalls, dass er weiß, was er da macht, wobei seine Erfahrungen als Musiker in den USA oft deutlich durchschimmern. Und wenn er doch mal etwas zu sehr in oft gehörten Pfaden unterwegs ist, dann lässt er zur Entschädigung ein sehr ordentliches Solo erklingen. Die Herren im Hintergrund liefern solide Hausmannskost, die Finesse der französischen Küche findet man dort nicht. Zwar gibt es keinen wirklich großen Hit, aber reichlich gute, vertraut wirkende Klänge, und als entscheidende Delikatesse die Dame des Hauses, Nathalie Pellissier. Ihre kräftige, wohlklingende Stimme ist es, die dem Album die entscheidende Würze gibt. Auch sie klingt nicht wirklich eigenständig, aber dafür richtig gut.

So gibt es einen kraftvollen Einstieg, die ersten beiden Songs machen sofort Spaß. Wobei man einen großen Bogen um den typischen Metal-Queen-Sound macht, der bei französischen Bands mit Frontfrau immer noch dick angesagt ist. Hier geht es gemäßigter zu, gepflegter, erwachsener. So klingt das balladeske, angeblueste Can´t You Hear Me, als würde ALANNAH MYLES BON JOVI ´s Wanted Dead Or Alive performen. Oder das beswingte I Love The Way, hier trifft AMANDA MARSCHALL auf die Niederländerin ANOUK, an die beiden Damen wird man auch später hin und wieder erinnert, nicht nur durch die Stimme von Nathalie. Der US-Frauen-Rock kommt beim etwas sentimentalen Loneliness durch, ROBIN BECK trifft die HEART-Schwestern. Es wird auch mal wieder kraftvoller gerockt, es wird auch mal dezent poppig, beim eingängigen Titelsong kommen mir gar immer wieder ROXETTE in den Sinn. Schade, Looking For The One klingt durch die Melodieführung und die Gesangslinien sehr Französisch, was er sicher auch mal war. Hätte man gern so lassen können, um sich einen kleinen Exotenbonus zu bewahren. Aber auch so ein schöner Song, was soll´s. Nicht alle späteren Songs können halten, was die erste Hälfte des Albums verspricht, einen wirklichen Hitkandidaten findet man nicht, eigentlich klingt das alles zu bekannt und vertraut, eher nach einer sehr guten Coverband. Aber das ist beim Hören echt egal, da das Album absolut Spaß macht. Bei Fans der genannten Acts dürfte Strange Days schnell zum Dauergast im Player werden.

Wer auf guten Female-Fronted-Melodic/Hard-Rock, vor allem der späten 80er, steht, der macht mit Strange Days einen guten Fang. Zum Durchbruch fehlt dieses kleine Etwas, der Klang einer echten Band, der besondere, herausragende Song. Mit dieser starken Sängerin, etwas mehr Eigenständigkeit und vielleicht der passenden Band im Rücken wäre da mit dem nächsten Album alles drin. Wir sind gespannt!

Veröffentlichungstermin: 30.09.2011

Spielzeit: 47:57 Min.

Line-Up:
Freddy Mazzucco – Guitars
Nathalie Pellissier – Vocals
Matthias Lecharlier – Bass (1,5,7,9,11)
Hugo Adam – Bass (2,3,8,10)
Alain Rinallo – Bass (4,6,12)
Chris Drouin – Drums (1,2,3,5,7,8,9,10,11)
Davide Zecca – Drums (4,6,12)
Julien Spreutels – Keyboards (2,3,6,8,10)
Robert Geoffroy – Keyboards (6,9,12)
Alexandre Perdriel – Background Vocals (10)
Magali Luyten – Background Vocals (12)

Produziert von Freddy Mazzucco
Label: Yesterrock / Alive

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/isischild

Tracklist:
1. Let´s Take A Walk
2. Dancing
3. Can´t You Hear Me
4. I Love The Way
5. Loneliness
6. If You Wanna Be Mine
7. It´s Always The Same
8. Looking For The One
9. Strange Days
10. Even If
11. Someone
12. Stop Looking Down On Me